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Frauenproblem: Kinder, Küche oder Karriere?

Das ist die Frage, die Frauen sich auch heute noch stellen müssen. Kinder und Karriere scheinen vielen unmöglich. Dabei gibt es genügend Gegenbeispiele.

Kinder, Küche oder Karriere: Das ist die Frage, die Frauen sich auch Jahrzehnte nach der Einführung des Internationalen Frauentags (8. März) weiter stellen müssen. Kinder und Karriere scheinen vielen unmöglich. Dabei gibt es Gegenbeispiele: Die Managerin Ursula Matthiesen-Kreuder hat am Wochenende auf der Bundesfrauenkonferenz der Grünen in Frankfurt darauf verwiesen, ihr sei es auch mit drei Kindern gelungen, beruflich aufzusteigen. Dabei habe sie auch zeitweise in Teilzeit gearbeitet. "Man sollte doch meinen, da könnten andere Frauen nachziehen."

Die Realität sieht anders aus: Es gibt bundesweit keine Frau im Vorstand eines börsennotierten DAX-Unternehmens, was die Unternehmensberaterin Nicole Heizmann darauf zurückführt, dass der weiblichen Bevölkerung das "Netzwerk" fehle. "Frauen bilden eben keine 'Seilschaften', wie es Männer grundsätzlich tun", sagt die Geschäftsführerin des Bundesverbands Junger Unternehmer, Marion Schink. Sie hat auch die Erfahrung gemacht, dass Frauen in Bewerbungsgesprächen wesentlich zielorientierter als Männer auftreten: "Die wussten besser bescheid."

In jeder Frau steckt eine Unternehmerin

Die Professorin der Hamburger Hochschule für Wirtschaft und Politik (HWP), Sonja Bischoff, sieht durch ihre seit 1986 laufenden Untersuchungen über Männer und Frauen in Führungspositionen bestätigt, dass das größte Karrierehindernis für Frauen nicht die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist. "Es sind nach wie vor die Vorurteile", sagt sie.

Auch wenn Untersuchungen ergeben haben, dass Frauen bei der Zahl der Existenzgründungen in Deutschland deutlich hinter den Männern zurückliegen, glaubt Bischoff, in jeder Frau stecke eine Unternehmerin. Das ergebe sich allein schon durch die Sozialisation von Mädchen: Sie müssten später als Hausfrauen disponieren und entscheiden. Nichts anderes also, was sie auch beim Aufstieg auf einer beruflichen Karriereleiter erwartet.

Ziel muss sein, dass Frauen mit Kindern keine Auszeit aus dem Job nehmen müssen

Dabei ist es absolut strittig, ob Teilzeitarbeit für Frauen mit Kindern wünschenswert ist. Bischoff sagt: "Ich bin strikt gegen Teilzeit." Das führe zu einem verminderten Einkommen und Frauen seien damit abhängiger von ihren Männern. Matthiesen-Kreuder dagegen hat Teilzeitarbeit nicht als Hindernis in ihrer Karriere empfunden. Frauen, die nicht Vollzeit arbeiten, können aber berufliche Nachteile erfahren. Bundesverbraucherministerin Renate Kühnast (Grüne) weist darauf hin, dass Teilzeitbeschäftigte in ihrem Ministerium "immer ein wenig schlechtere Noten" in Beurteilungsrunden bekämen als Männer, die sich den ganzen Tag einsetzten.

Ein Phänomen, das auch die Justizministerin von Schleswig-Holstein, Anne Lütkes (Grüne), bestätigen kann. Sie meint, die Vorgesetzten "gestatten sich unterschiedliche Sichtweisen". Denn ein Mitarbeiter, der nicht ständig verfügbar ist, werde nicht so wahrgenommen wie die anderen. Die Managerin des schwedischen Unternehmens Vattenfall Europe, Juliane von Friesen, zieht daraus en Schluss: Es müsse erreicht werden, dass für Frauen mit Kindern "ein Ausklinken aus dem Beruf nicht mehr nötig ist".

Annekatrin Einfeldt, dpa

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