IG Metall Der Frieden hat ein Ende


Der Protest der BMW-Belegschaft in Leipzig war nur der Anfang. Die Friedenspflicht ist zu Ende und die Arbeitnehmer drohen mit verstärkten Arbeitsniederlegungen bis Ostern.

Punkt neun Uhr standen bei BMW in Leipzig alle Bänder still. Etwa die Hälfte der 2300 Beschäftigten verließ mit Transparenten und roten IG-Metall- Fahnen die Hallen des erst vor wenigen Monaten eröffneten Autobauers und versammelte sich zu einer Kundgebung auf dem Werksgelände. "Gutes Geld und gute Arbeit...gut für Land und Leute", stand auf Plakaten, mit denen die Beschäftigten sich hinter die Forderung der IG Metall nach fünf Prozent mehr Lohn und Gehalt stellten. Damit ist die nächste Eskalationsstufe im Metall-Tarifkonflikt gezündet.

"Von Anfang an auf die Pauke hauen"

Der Protest bei BMW war nur ein kleiner Vorgeschmack darauf, was in den kommenden Tagen in den Metall- und Elektrounternehmen in ganz Deutschland los sein wird. Seit Tagen stehen die Belegschaften in den Startlöchern - schon in der Nacht zum Mittwoch werden um null Uhr so viele Nachtschichten wie noch nie für einige Stunden die Arbeit ruhen lassen und vor dem Werkstor demonstrieren. "Wir werden gleich von Anfang an auf die Pauke hauen und die nächsten Tage so weitermachen", sagt ein Funktionär. Ziel ist es, den Druck auf die Arbeitgeber so zu erhöhen, dass Bewegung in die Verhandlungen kommt.

Was die Metaller auf die Barrikaden bringt und für eine hohe Mobilisierung sorgt, ist die Tatsache, dass die Arbeitgeber innerhalb der Friedenspflicht kein Lohnangebot vorgelegt haben - das war zuletzt 1995 der Fall. "Über Nichts kann man nicht verhandeln", heißt es bei der IG Metall. 67 Tage nach der Bekanntgabe der Forderung stehe man immer noch ziemlich am Anfang. Die Verhandlungen "hätte man sich schenken können", kritisiert IG-Metall-Chef Jürgen Peters nach 30 ergebnislosen Runden auf regionaler Ebene. "Wenn die Arbeitgeber die Friedenspflicht missachten und darauf pfeifen, dann werden wir uns die Frage stellen, ob wir sie in Zukunft einhalten müssen", droht Peters.

Bis Ostern weiterer Arbeitsniederlegungen

Auch bei den Arbeitgebern wird der Ton schärfer. Warnstreiks schadeten den Arbeitsplätzen, weil Kundenbeziehungen beschädigt und die Liefertreue angekratzt würden, stellt Gesamtmetall fest: "Die Dummen sind Unternehmen und Belegschaften." Zudem sorgt das absehbare Ausmaß der Warnstreiks für Verärgerung. "Aus den früher noch hinnehmbaren Protestdemonstrationen sind inzwischen wochenlang im Voraus ausgetüftelte Kurzstreiks geworden", beschwert sich Gesamtmetall. Die IG Metall betont dagegen, dass der Charakter der Warnstreiks gewahrt bleibe: "Von der verlängerten Frühstückpause bis zu einer Kundgebung vor dem Tor ist alles dabei", heißt es in der Zentrale.

Bis Ostern soll es bundesweit jeden Tag Arbeitsniederlegungen geben, Wochenenden inklusive. Die nächsten Verhandlungsrunden sind am 6. April in den einflussreichen Tarifgebieten Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen vorgesehen, die als heiße Kandidaten für einen bundesweiten Pilotabschluss gelten. "Das Zeitfenster für eine Lösung ist relativ schmal", stellt IG-Metall-Tarifexperte Oliver Burkhard klar. Sollte sich bis Ostern keine Einigung abzeichnen, werde der Vorstand der IG Metall in einer Klausur am 24./25. April über den weiteren Fortgang beraten. Dort könnte dann eine Entscheidung über Urabstimmung und Streik fallen. "Wir werden keine Endlosschleifen in dieser Tarifrunde fliegen", macht der Frankfurter Bezirksleiter Armin Schild klar.

Angela Schiller/DPA DPA

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