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Einzelhandel: Shoppen im Internet? Warum Frauen die großen Verlierer dieses Trends sind

Anstatt im Geschäft wird im Internet eingekauft. Dadurch verschwinden schon heute Tausende von Jobs – hauptsächlich von Frauen. Aber es entstehen auch neue Arbeitsplätze – allerdings in Branchen, die von Männern dominiert werden. 

In den Läden wird Glamour zelebriert, für die Verkäuferinnen sieht die Zukunft düster aus. 

In den Läden wird Glamour zelebriert, für die Verkäuferinnen sieht die Zukunft düster aus. 

Unsplash

Immer mehr Menschen kaufen im Internet ein. Der Anteil des Online-Shoppings wuchs zuletzt zweistellig. Das hat Folgen: Für den Einzelhandel sieht es nicht gut aus. Auf Dauer verschwinden dort Jobs. Zum Teil entstehen sie in der Logistikbranche wieder neu, etwa bei Amazon oder DHL.

Aber es gibt einen wichtigen Unterschied, der gern übersehen wird. Angenommen, Sie haben Jeans und Hemden nicht in einem Geschäft, sondern bei Zalando oder About You gekauft. DHL klingelt an der Tür – meist überreicht ein Mann das Päckchen. Im Modegeschäft arbeiten hingegen überwiegend Frauen.

Jobs im Einzelhandel: 75 Prozent Frauen

Und sie, die Frauen, wird der Rückgang im niedergelassenen Handel besonders treffen. Für Großbritannien hat der Handelsverband 2016 einmal nachgerechnet. Dort nimmt man an, dass etwa eine Million Arbeitsplätze in den Einkaufsstraßen wegfallen werden. 70 Prozent davon werden Frauen sein. In Deutschland arbeiteten 2014 etwa drei Millionen Menschen im Einzelhandel, der Frauenanteil lag bei uns sogar bei 75 Prozent.

In der Logistik ist der Anteil von Frauen in Deutschland dagegen erschreckend gering. Nur etwa 20 Prozent der Beschäftigten sind Frauen. Eine Verschiebung der Jobs vom niedergelassenen Handel hin zur Logistik bedeutet eine Verwandlung von Frauen-Arbeitsplätzen hin zu Männer-Arbeitsplätzen. "Die Frauenjobs in den Geschäften verschwinden", sagt Liz Sewell, die Grow leitet, ein Projekt, das Müttern helfen soll, wieder ins Berufsleben zurückzukehren, dem "Guardian": "Historisch gesehen war ein guter Job im Einzelhandel das große Los für Frauen. Es bot stabile Arbeitsplätze mit flexiblen Teilzeitarbeitszeiten und einem angemessenen Urlaub, sodass Frauen, die Verantwortung für eine Familie tragen, Job und Familie vereinbaren können. Heute kann es fürchterlich sein." Diente die Flexibilität der Arbeitsverhältnisse früher auch den Frauen, kommt sie heute vor allem dem Arbeitgeber zugute. "Eine Frau mit einem Kind, die nicht auf Zurufen reinkommen kann, hat es sehr schwer. Noch schlimmer wird, wenn das Kind an einer Krankheit leidet."

Schrumpfende Branche

Die goldenen Zeiten im Einzelhandel sind auch in Deutschland lange vorbei. Hier finden sich besonders viele Mini-Jobber. Die Branche ist von Tarifflucht, Lohnrückgang und Schließungen geprägt. Und natürlich sind Frauen die Hauptleidtragenden, wie es sich etwa im Begriff der "Schleckerfrauen" zeigte. In der schrumpfenden Branche leben die verbliebenen Mitarbeiter unter einer lähmenden Angst. Die Geschäfte sind geschmückt mit leuchtenden Plakaten mit Supermodels, den Verkäuferinnen ist aber nicht nach Glamour zumute. "Man denkt, die Führung behandelt uns gut, aber sie arbeiten im Grunde nur daran, uns zu entlassen", sagt die Angestellte einer Kette, die starke Personaleinsparungen plant, dem "Guardian". Aus Angst will sie ihren Namen nicht in der Zeitung sehen: "Bitte sei vorsichtig, ich habe Kinder, um die ich mich kümmern muss. Keiner will diejenige sein, die als Nächstes entlassen wird."

Der Ausweg kann nur gezielte Weiterqualifizierung sein. Fionnuala Horrocks-Burns arbeitet an einem Online-Karriereportal, das Mitarbeitern im Einzelhandel Entwicklungsmöglichkeiten bietet. "Die physischen Läden verschwinden, aber andere Job-Profile werden sie ersetzen. Anstatt alle über einen Kamm zu scheren, wollen wir darüber nachdenken, welche vorhandenen Fähigkeiten für die Arbeitsplätze der Zukunft genutzt werden können", sagt sie dem "Guardian". Auch Sewell von Grow fordert, dass ein kultureller Wandel stattfinden muss, damit Frauen aus dem Verkauf für einen modernen Arbeitsplatz qualifiziert werden. "Wir müssen kreativ und flexibel sein und dürfen Frauen bei diesen Veränderungen nicht ausschließen."