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Klinikärzte-Tarif: Es ist vollbracht

Drei Monate, nachdem die Ärzte an den Universitätskliniken wegen ihrer Arbeitszeit- und Lohnforderungen in den Streik getreten sind, haben sich die Tarifparteien endlich geeinigt. Doch bei dem erzielten Kompromiss müssen die Ärzte noch "einige Kröten schlucken".

Nach drei Streikmonaten steht der Arbeitskampf der Uniklinik-Ärzte vor dem Ende. Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund (MB) einigte sich am Freitag in Berlin mit den Arbeitgebern von der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) auf einen neuen Tarifvertrag für die rund 22.000 Mediziner an mehr als 30 Kliniken. Demnach sollen die Ärzte 3600 Euro im ersten Jahr und 3800 im zweiten Jahr erhalten. Bei der Ärztegewerkschaft muss noch die die große Tarifkommission zustimmen.

Zeitweise 13.000 streikende Ärzte

Der Marburger Bund hatte ursprünglich 30 Prozent mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen verlangt. Seit dem 16. März waren zeitweise mehr als 13.000 Mediziner im Ausstand, in den Kliniken war nur noch eine Notversorgung gewährleistet. Die Patienten einzelner Krankenhäuser oder Abteilungen wurden in andere Kliniken verlegt. Es handelte sich um den größten Ärztestreik in der deutschen Geschichte.

TdL-Chef Hartmut Möllring sagte, der vereinbarte Tarifvertrag sei "praktisch identisch" mit dem, der mit Verdi abgeschlossen worden sei. Darüber hinaus gehende Punkte würden auch Verdi angeboten. Es habe kleine Änderungen beim Bereitschaftsdienst gegeben. Zudem würden Gehaltserhöhungen auf Juli vorgezogen. Möllring betonte, er freue sich, dass der Marburger Bund das Angebot angenommen habe.

Noch "einige Kröten zu schlucken"

Der MB-Vorsitzende Frank Ulrich Montgomery kündigte am Freitag nach knapp fünfstündigen Verhandlungen an, die Streiks würden rasch heruntergefahren. Erst das in rund zehn Tagen erwartete Ergebnis einer Urabstimmung werde aber Klarheit über das Ende der Ausstände bringen. Die Ärzte von dem Tarifvertrag zu überzeugen, werde nicht einfach.

"Wir haben hier heute Tarifgeschichte geschrieben", sagte Montgomery. Gleichwohl gebe es "einige Kröten" zu schlucken. So seien nicht die geforderten Verbesserungen für junge Ärzte um weitere 100 Euro pro Monat erreicht worden. Der MB habe aber den historischen Tarifvertrag nicht gefährden wollen.

"Abschluss vor Wochen möglich"

TdL-Verhandler und CDU-Politiker Möllring betonte, der Abschluss bringe "erhebliche Bezahlungsverbesserungen für die Ärzte". Allerdings wäre die Verständigung auf 3600 Euro Grundlohn im ersten Jahr und 3800 Euro im zweiten Jahr im Westen nach Darstellung Möllrings bereits vor Wochen möglich gewesen. Hier hatten die Länder nichts draufgelegt.

DPA/Reuters / DPA / Reuters