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Rat vom Karrierecoach: Diese Punkte sollten Sie im Lebenslauf lieber verschweigen

Wer sich für einen Job bewirbt, will sich von der Schokoladenseite präsentieren. Aber wie sollte man mit dunklen Flecken in der Vita umgehen? Ein Experte verrät, wie sich heikle Punkte im Lebenslauf geschickt umschiffen lassen.

Wer im alten Job wegen Verhaltensauffälligkeiten rausgeflogen ist, sollte das im Lebenslauf lieber nicht erwähnen

Wer im alten Job wegen Verhaltensauffälligkeiten rausgeflogen ist, sollte das im Lebenslauf lieber nicht erwähnen

Auf den ersten Blick erscheint der Lebenslauf als eine hoch formale Angelegenheit. Er erfasst berufliche Stationen und Qualifikationen sowie Auszeiten - mit genauen Daten und möglichst lückenlos. Doch tatsächlich haben Bewerber auch beim tabellarischen Lebenslauf eine Menge Spielraum. "Der Lebenslauf ist nichts anderes als ein Werbeprospekt", sagt Karrierecoach Jürgen Hesse. "Es geht darin nicht um den Verlauf Ihres Lebens, sondern dass Sie die Eckdaten zu Papier bringen und erklären, was Sie bisher geleistet haben."

Um sich selbst im besten Licht zu präsentieren, muss man noch nicht mal lügen (was man auch tunlichst vermeiden sollte). Manche unliebsamen Flecken in der Vita kann man einfach verschweigen, berufliche Fehlschläge vernebeln, Auszeiten beschönigen oder ihnen sogar einen positiven Dreh verpassen. "Wenn Sie eine Frau erobern wollen, werden Sie auch nicht gleich sagen, warum es mit der letzten Freundin zu Ende gegangen ist, warum Sie so lange allein waren oder dass Sie ständig One-Night-Stands hatten", sagt Diplom-Psychologe Jürgen Hesse.

Jürgen Hesse ist Diplom-Psychologe und einer der renommiertesten Karrierecoaches Deutschlands. Gemeinsam mit seinem Kollegen Hans Christian Schrader hat er 250 Bücher zu den Themen Bewerbung und Karriere veröffentlicht und davon mehr als sieben Millionen Exemplare verkauft.

Jürgen Hesse ist Diplom-Psychologe und einer der renommiertesten Karrierecoaches Deutschlands. Gemeinsam mit seinem Kollegen Hans Christian Schrader hat er 250 Bücher zu den Themen Bewerbung und Karriere veröffentlicht und davon mehr als sieben Millionen Exemplare verkauft.

Die folgenden Punkte sollten Sie lieber verschweigen, vernebeln oder ins Positive drehen:

Lebenslauf-Problem 1: Arbeitslosigkeit

Zumindest kurze Phasen der Arbeitslosigkeit sind in der heutigen Arbeitswelt eigentlich normal. Trotzdem kommt es nie gut, einfach zu schreiben: "von Tag X bis Y: arbeitslos". Wenn es nicht halbwegs lückenlos zum nächsten Job weitergeht, sollte man erklären können, was man in der Zwischenzeit Sinnvolles getan hat. Dabei gilt: Je größer die Lücke, desto besser muss das Füllmaterial sein.

Gute Möglichkeiten sind: Freiberufliche Arbeit, Nebentätigkeiten, Weiterbildung  oder ehrenamtliches Engagement mit Berufsbezug. Da kann man auch aus weniger mehr machen. Wer in der Freizeit programmiert, kann das als private Weiterbildung verkaufen, sofern das für den neuen Job nützlich ist. Sie waren eine Weile auf Reisen? Super, dann haben Sie an Ihren Fremdsprachenkenntnissen gearbeitet! Wer wirklich gar nichts vorzuweisen hat, was er glaubhaft rüberbringen kann, schreibt immer noch besser "Bewerbungsphase" oder "Berufliche Neuorientierung" als das böse "A"-Wort.

Problem 2: Viele Jobs in kurzer Zeit

Wenn ein Bewerber innerhalb weniger Monate mehrmals den Job gewechselt hat, macht das den Personaler stutzig. Was stimmt bloß nicht mit diesem Kandidaten? Warum hält er es nirgendwo länger aus - oder die Firma mit ihm? Karrierecoach Hesse rät daher, sehr kurze Engagements lieber unter den Teppich zu kehren. "Wenn Sie beim letzten Job in der Probezeit rausgeflogen sind, sagen Sie lieber, dass Sie in einer Orientierungsphase sind und jetzt seit ein paar Wochen suchen", sagt Hesse. Viele kurze Zwischenspiele hintereinander könne man auch zusammenfassen zu einem homogen wirkenden Punkt. Zum Beispiel: "Erfahrung in der Gastronomie". 

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Problem 3: Kündigungsgrund

Den Kündigungsgrund sollte man nur angeben, wenn er einem zum Vorteil gereicht. Wenn beispielsweise der alte Arbeitgeber trotz Ihres unermüdlichen Einsatzes Konkurs gemacht hat, können Sie ja wohl nichts dafür. Oder sind Sie wegen Inkompetenz, internen Querelen oder Verstößen gegen die Compliance-Regeln rausgeflogen? Da hilft nur der Mantel des Schweigens

Problem 4: Kriminelle Vergangenheit

Wer kein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen muss, sollte Gesetzesbrüche natürlich nicht von sich aus thematisieren. Schwierig wird es bei einer Gefängnisstrafe, die eine offensichtliche Lücke in den Lebenslauf sprengt. Bewerbungscoach Hesse rät: "Kürzere Gefängnisaufenthalte verschweigen, für längere eine besonders gute und schwer nachprüfbare Ausrede einfallen lassen oder ehrlich sein."

Problem 5: Krankheit

Schwere Erkrankungen - selbst wenn sie schon eine Weile zurückliegen - können den Arbeitgeber dazu verleiten, die Leistungsfähigkeit des Bewerbers generell in Zweifel zu ziehen. Laut Bewerbungscoach Hesse sollten Bewerber sich daher an den Grundsatz halten: Die persönliche Gesundheit ist Privatsache. Auch chronische Krankheiten, Alkoholsucht oder ähnliches muss niemand im Lebenslauf erwähnen. Bei bestimmten Tätigkeiten kann der Arbeitgeber allerdings auf eine ärztliche Untersuchung bestehen.

Selbst zum Thema machen sollte man Krankheiten nur, wenn man unbedingt eine größere Lücke im Lebenslauf erklären muss und überzeugend glaubhaft machen kann, dass nun keinerlei Beeinträchtigungen mehr bestehen. 

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