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Lehrstellen: Zweifel am Ausbildungspakt

Knapp sechs Wochen nach der Unterzeichnung des Ausbildungspakts von Wirtschaft und Bundesregierung rechnet das Bundesinstitut für Berufsbildung nicht mit dem gewünschten Erfolg des Pakts.

Das Bundesinstitut für Berufsbildung rechnet nicht mit dem gewünschten Erfolg des Pakts. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) wies die Zweifel zurück. "Die Signale, die mich bislang erreicht haben, sind durchweg positiv", erklärte der Minister in Berlin. Auch die Wirtschaft widersprach der negativen Einschätzung.

Nach Schätzungen des Berufsbildungsinstituts dürften auch in diesem Herbst 30.000 bis 35.000 Jugendliche ohne Ausbildungsplatz bleiben. 2003 waren es zum Ende des Ausbildungsjahrs am 30. September rechnerisch rund 20.000. Der Generalsekretär des Instituts, Helmut Pütz, sagte der "Berliner Zeitung": "Ich glaube nicht, dass der Ausbildungspakt wirklich etwas bringt. Wir erwarten, dass die Zahl der Jugendlichen, die nicht in eine Ausbildung vermittelt werden können, in diesem Jahr genauso hoch oder noch höher sein wird als 2003."

Clement weist Kritik zurück

Clement sagte, es sei "völlig unerfindlich", wie das Institut nach nur gut einem Monat zu seiner Einschätzung komme. Ziel des vor einem Monat geschlossenen Pakts seien mindestens 30.000 neue Ausbildungsplätze. Bei Industrie- und Handelskammern sowie bei den Handwerkskammern seien schon vier Prozent mehr Ausbildungsverträge abgeschlossen worden als im Vorjahr zur gleichen Zeit. "Wenn alle Beteiligten weiter intensiv daran arbeiten, können wir die Ziele des Paktes erreichen." Der Minister warb auf einer Ausbildungstour in Sachsen erneut für mehr Ausbildungsplätze.

Ein Sprecher des Bundesbildungsministeriums sagte: "Der Ausbildungspakt greift." In den letzten Wochen vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres würden erfahrungsgemäß noch viele Lehrverträge geschlossen.

Erste Zwischenbilanz am 4. August

Der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, Dieter Philipp, betonte, das Handwerk werde seine Zusagen "nach heutigem Stand sicher einhalten können". Optimistisch zeigte sich auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). "Wir gehen davon aus, dass wir die zugesagten 30.000 neuen Lehrstellen und die 25.000 Einstiegsqualifizierungen schaffen werden", sagte ein Sprecher. Der DIHK hatte bis Ende Juni einen Zuwachs beim Lehrstellenangebot von 3,5 Prozent verzeichnet. Am 4. August will er eine erste Zwischenbilanz des Paktes ziehen.

Bundesregierung und Wirtschaft hatten im Juni einen dreijährigen Ausbildungspakt geschlossen. Darin setzt sich die Wirtschaft das "verbindliche Ziel", im Jahresdurchschnitt 30.000 neue Lehrstellen zu mobilisieren. Clement hatte vor zwei Wochen jedem Jugendlichen einen Ausbildungsplatz zugesagt.

Lehrstellenlücke größer als erwartet

Nach einer Umfrage des "Handelsblatts" haben zahlreiche große Unternehmen ihr Lehrstellenangebot aufgestockt. Von den 30 im Deutschen Aktienindex DAX notierten Konzernen habe ein Drittel konkrete Pläne für eine Erhöhung.

Nach der jüngsten Zwischenbilanz der Bundesagentur für Arbeit (BA) ist die Lehrstellenlücke größer als vor einem Jahr. Ende Juni standen 279.300 noch nicht vermittelten Jugendlichen 102.300 freie Ausbildungsplätze zur Verfügung. Das Defizit lag damit bei rund 177.000, im vergangenen Jahr bei 173.000.