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Chris Kempczinski McDonald's-CEO über ungesundes Essen: "Wir geben den Leuten, was sie essen wollen"

McDonald's CEO Chris Kempczinski steht vor dem McDonald's-Hauptquartier in Chicago
McDonald's-CEO Chris Kempczinski am Hauptquartier in Chicago
© Jean-Marc Giboux / Picture Alliance
Chris Kempczinski, der von sich sagt, er esse fünf Tage pro Woche bei McDonald's, will seinen Konzern in die Jetztzeit überführen – mit höheren Löhnen und angepasst an das sich ändernde Konsumverhalten. Doch der Weg ist weit.

Seit November 2019 leitet Chris Kempczinski, 52, als CEO und Präsident McDonald’s und hat damit einen der mächtigsten Posten der Welt – mit mehr als 39.000 McDonald’s Restaurants in 120 Ländern, in denen um die zwei Millionen Menschen beschäftigt sind. Das bedeutet eine Menge Verantwortung, deren Schwerpunkt Kempczinski in der Wirtschaft sieht und nicht in dem Ernährungsverhalten seiner Kunden. Mit einem Umsatz von 20,8 Mrd. US-Dollar, bei einem Gewinn von 5,8 Mrd. Dollar steht McDonald’s laut den "Forbes Global 2000" auf Platz 209 der weltgrößten Unternehmen (Stand: 2020).

Seit das erste McDonald’s-Restaurant 1940 in Kalifornien eröffnet hat, steht das große gelbe M vor allem für eins: Burger. Trotz einem wachsenden Bewusstsein über die Konsequenzen von Fleischkonsum und Weißmehl sieht Kempczinski es nicht als seine Aufgabe an, auf die Kaufentscheidungen seiner Kunden einzuwirken. Die ungesunden Menüs bleiben auf der Karte, denn, wie die "New York Times" den CEO zitiert, sei er nur im Geschäft, um den Leuten zu geben, was sie wollen und nicht, um ihnen vorzuschreiben, was sie essen sollen. "Es ist nicht an mir, diese Entscheidungen zu treffen." 

Drive through – Erfolg trotz Pandemie

Fast anderthalb Jahre konnte man wegen Corona kein Restaurant besuchen, doch für die Fastfoodkette wurde das zu keinem großen Problem. Mit reichlich Drive-through-Stationen ausgestattet, insbesondere in den USA, war McDonald's bestens darauf vorbereitet, das Einhalten von social distancing zu gewährleisten. Der Junkfoodverkauf boomte und während die Pandemie in anderen Bereichen die Arbeitsplätze fraß und ganze Branchen vernichtete, konnte das Unternehmen größeren Personalabbau vermeiden. 

Die firmeneigenen Filialen hoben das Mindestgehalt auf 11 bis 17 US-Dollar (9,27 bis 14,33 Euro) pro Stunde an. Die Gehälter der Franchise-Restaurants kontrolliert Kempczinski nicht, sie machen mehr als drei Viertel der rund 39.000 Restaurants aus. "Wie soll man viele verschiedene Kunden zufriedenstellen und dies auf eine Weise zu tun, die letztendlich die Marke bereichert?", zitiert ihn die "New York Times". Doch man habe ein Signal setzen wollen: Bessere Gehälter erhöhten letztendlich auch die Kundenzufriedenheit. Man wolle vorleben, dass das Geschäft dadurch wachse und man mehr Geld verdiene. Die Denkweise müsse sich ändern.

"Warum bieten Sie kein gesünderes Essen an?"

"Unsere Speisekarte ist sehr darwinistisch", beantwortet der CEO die Frage nach der Ausgewogenheit des Essens von McDonald's. "Darauf kommt, was unsere Kunden kaufen möchten. Wir haben gesündere Alternativen im Angebot. Und wir haben mehr schonende Kost auf der Karte. Letzten Endes lassen wir dem Kunden die Wahl." Ein Bereich des Unternehmens investiert in pflanzenbasiertes Essen. Das sind höhere Produktionskosten als das konventionelle Protein – Hühnchen, Rind etc.

Doch die Kosten werden nicht an den Endkunden weitergegeben. "Wir sehen niemanden, der sich aufgrund des Preises für einen Hamburger im Vergleich zu einem Burger auf pflanzlicher Basis entscheidet." Aber man könne die Kunden zu nichts zwingen, dann würden sie woanders hingehen.

Quelle: "New York Times" (Bezahlangebot)


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