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Personalprobleme bei der Bahn: Tuff, tuff, tuff, die Eisenbahn

In Imagekampagnen inszeniert sich die Bahn als moderner Konzern und Top-Arbeitgeber. Tatsächlich ist die Belegschaft hoffnungslos überaltert, die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit groß.

Von Daniel Bakir

Wahnsinn, was vier krankheitsbedingte Ausfälle in einem 300.000-Mann-Betrieb wie der Deutschen Bahn auslösen können. Weil das Mainzer Stellwerk unterbesetzt ist, ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt über Wochen teilweise lahmgelegt. Und es wird immer deutlicher, dass nicht eine unglückliche Verkettung von Zufällen schuld ist. Am Fall Mainz offenbart sich vielmehr, dass die Bahn insgesamt ein massives Personalproblem hat. Laut der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG ist die Personaldecke so knapp, dass es künftig auch auf anderen Strecken immer wieder zu Zugausfällen kommen kann. Und nicht nur Stellwerke seien unterbesetzt. Auch an Lokführern, Zugbegleitern oder Baubereichsleitern fehle es.

Aber wie kann das sein? Die Bahn verweist darauf, in den vergangenen Jahren Zehntausende Mitarbeiter eingestellt und ausgebildet zu haben. Allein 2012 sollen es 10.000 gewesen sein, im ersten Halbjahr 2013 nochmal 5000 Mitarbeiter. In pathetischen TV-Spots wirbt die Bahn mit dem Slogan "Kein Job wie jeder andere" um neue Kräfte: 500 Berufe und 7000 Jobs verspricht sie darin. Auch 600 neue Fahrdienstleiter sollen in diesem Jahr eingestellt werden.

Die Zeiten von Rationalisierung und Stellenabbau sind vorbei bei der Bahn. Die offizielle "Strategie 2020" von Bahnchef Rüdiger Grube sieht vor, die Bahn als Top-Arbeitgeber zu etablieren. "Wir haben ein klares Ziel: Bis spätestens 2020 werden wir zu den zehn Top-Arbeitgebern Deutschlands gehören. Dazu wollen wir in den kommenden Jahren Tausende von qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gewinnen, denen wir eine langfristige berufliche Perspektive bei der Deutschen Bahn bieten." So steht es auf dem Karriereportal der Bahn. Was also läuft schief?

Der Sparkurs wirkt nach

Das Problem der Bahn liegt in der Vergangenheit. Die Bahn hat zwar mittlerweile wieder rund 300.000 Mitarbeiter. Das sind aber immer noch weniger als vor der Bahnreform 1994. Und ein Drittel der Belegschaft sitzt heute im Ausland - und nicht in deutschen Stellwerken oder Lokomotiven. Im Inland wurden seit Mitte der Neunziger massiv Stellen eingespart. Die Bahn sollte auf Effizienz getrimmt werden für den angestrebten Börsengang, das Herzensanliegen von Grubes Vorgänger Hartmut Mehdorn.

Ergebnis des Sparkurses ist ein massives demografisches Problem. Da über Jahre hinweg kaum eingestellt wurde, ist die Belegschaft der Bahn stark gealtert. Der durchschnittliche Bahn-Mitarbeiter ist heute 46, in der Netz-Sparte sogar 48. Allein in den nächsten fünf Jahren müssen mehr als 40.000 Stellen nachbesetzt werden, weil ältere Mitarbeiter in Rente gehen. Laut internen Bahn-Unterlagen fehlt es nicht nur an Ingenieuren. Auch bei Wagenmeistern, Schlossern und Servicetechnikern läuft die Bahn in altersbedingte Probleme.

Da kann die Konzernführung noch so viele Imagekampagnen fahren. Allein das Nachbesetzen der freiwerdenden Stellen ist eine Herausforderung. Laut Bahn-Karriereportal sind aktuell 1775 Stellen verfügbar.

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mit Agenturen
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