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Jobs im Wandel: In der Schweiz fallen pro Tag 1217 Arbeitsplätze weg - doch das hat auch gute Seiten

Die Arbeitswelt ist im Wandel, in wenigen Jahrzehnten werden viele Jobs nicht mehr existieren. Eine Studie aus der Schweiz zeigt: Es geht nicht um die wegfallenden Arbeitsplätze, sondern um die neuen Jobs. Und die Qualifizierung der Mitarbeiter.

Zukunft der Arbeit

Jobs im Wandel: Wie sich die Arbeitswelt verändert

Getty Images

Geht es um die Zukunft der Arbeit, sind die Prognosen düster: Die Universität von Oxford errechnete, dass binnen von 20 Jahren fast die Hälfte aller Jobs wegfallen könnten. Auch die OECD, die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, meldete im April 2019: Die Digitalisierung könnte viele deutsche Arbeitnehmer den Job kosten, ein Fünftel der Arbeitsplätze sei bedroht. 

Diese Entwicklung kommt nicht nur auf Deutschland zu, sondern trifft alle Nationen. Auch in der Schweiz fallen Jobs weg.Bis zu 1,2 Millionen Arbeitsplätze könnten bis 2030 wegfallen, berichtet die "NZZ" über eine aktuelle Studie des Mc Kinsey Global Institute. Solche Prognosen machen Angst. Laut einer Auswertung seien im Jahr 2016 täglich 1217 Stellen in der Schweiz weggefallen, so die "NZZ". 

Jobs verschwinden, neue Arbeitsplätze kommen dazu

Doch gleichzeitig seien pro Tag auch 1331 Arbeitsplätze dazugekommen. Offenbar steckt das Nachbarland auch in einem Strukturwandel der Arbeitswelt - doch wichtiger als die Fragen nach wegfallenden Jobs sei die nach neuen Arbeitsplätzen. Der Chefökonom von Economiesuisse, Rudolf Minsch, fand heraus, dass gut ein Drittel der gestrichenen Jobs durch Betriebsschließungen zu Stande kamen. Die übrigen Arbeitsplätze gingen durch Arbeitsplatzabbau verloren. Im Gegenzug entstanden rund zwei Drittel der neuen Jobs in schon bestehenden Firmen. Das übrige Drittel wurde bei neuen Firmen geschaffen. 

Dabei gibt es gravierende Unterschiede  bei den verschiedenen Branchen: So zählt das Gesundheitswesen zu den großen Job-Lieferanten. Hier wurden deutlich mehr neue Jobs geschaffen als alte wegfielen. Auch in der IT, bei der Zeitarbeit und bei Beratungsfirmen war der Zuwachs hoch. Lediglich bei der Installation von Maschinen und im Verlagswesen und dem Rundfunk gab es einen Netto-Verlust von Arbeitsplätzen.

Welche Fähigkeiten brauchen Mitarbeiter der Zukunft?

Die Auswertung zeigt allerdings nicht, in wie weit das Job-Sterben direkt mit der Digitalisierung zusammenhängt. Einige Branchen verkleinern sich (Medien), andere wandern ab (Produktion) oder werden ganz geschlossen (Stahl / Kohle-Bergbau). Für viele andere Branchen hingegen werden die Roboter und Algorithmen vieles verändern. Ging man lange davon aus, dass es die Helfer-Jobs sind, die der Digitalisierung  zum Opfer fallen, ist heute klar, dass auch standardisierte Jobs von Robotern übernommen werden können. Steuererklärungen, Lohnabrechnungen oder Versicherungsanträge lassen sich längst automatisiert überprüfen und bearbeiten, einfache Prüfungen in Datenbanken können Roboter heute schon zuverlässig leisten. Menschen, die an Schaltern oder Kassen sitzen, könnten in der Zukunft von Maschinen ersetzt werden. Auf das breite Feld der "Sachbearbeiter" werden große Änderungen zukommen, denn viele Aufgaben werden künftig digital erledigt - im Gegenzug werden die Organisation von Teams und Projekten wichtiger. Analytisches Denken, emotionale Intelligenz, kritisches Denken, komplexe Lösungen entwickeln und auch Lernstrategien werden als Skills im Job an Bedeutung zunehmen.

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Doch diese Entwicklungen können bislang nur abgeschätzt werden. Was können Roboter künftig leisten? Und was nicht? Dem entsprechend ist auch bei der Schweizer Analyse ein großes Fragezeichen hinter der Frage, wie sich das Anforderungsprofil von Mitarbeitern verändern wird.  "In der Tat können wir nicht einfach neue Jobs gegen wegfallende Berufe rechnen", sagt Stephan Penning, der Manager und Vorstände beim Change-Management berät, zum "Manager Magazin". "Insbesondere auch deshalb, weil sich die Tätigkeiten immer schneller wandeln werden."

Auf diesen Wandel können Mitarbeiter nur durch permanentes Lernen eingehen - da zumindest sind sich die Experten einig. Ohne lebenslanges Lernen, eine gern und viel genutzte, längst abgedroschene Phrase im Job-Vokabular, wird  künftig nichts mehr gehen. Hier warnt die OECD, dass Deutschland bei der Weiterbildung im internationalen Vergleich hinterherhinkt. Gerade, wenn es um die Weiterbildung von Geringqualifizierten geht, habe Deutschland dringend Aufholbedarf. 

Weiterbildung als Schlüssel

Doch was wird gebraucht? Was müssen Mitarbeiter können? Hier gehen die Meinungen auseinander. Penning plädiert für eine "Lernarchitektur", die sich aus Seminaren, Coaching und praktischen Arbeitserfahrungen zusammensetzt. "Anstatt klare fachliche Entwicklungswege vorzugeben, muss die Lernarchitektur auf eine interdisziplinäre Ausrichtung des Kompetenzprofils von Mitarbeitern ausgerichtet werden. Auf diese Weise bleibt der Mitarbeiter beschäftigungsfähig, auch wenn einzelne Aspekte seiner Tätigkeit in der Zukunft automatisiert werden", sagte der Experte dem "Manager Magazin".

In der Schweiz gibt es bis heute keine Verknappung der Arbeitsplätze. Das liege auch an der Wirtschaftskraft des Landes - und dass der Strukturwandel in der Arbeitswelt nicht politisch ausgebremst werde, so die "NZZ". In den vergangenen zwei Jahrzehnten habe sich der Anteil der Geringqualifizierten von 17 auf 10 Prozent reduziert, während zeitgleich der Anteil der Hochqualifizierten von 22 Prozent auf 43 Prozent erhöht hat. Offenbar haben die Eidgenossen die ersten Etappen beim Wandel der Arbeitswelt gut umgesetzt.

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kg