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Warnstreiks bei der Post: Tausende Briefkästen bleiben leer

Im Tarifstreit mit der Deutschen Post hat die Gewerkschaft Verdi den Druck erhöht und mit neuen Warnstreiks begonnen. Rund 800 Beschäftigte haben in mehreren Briefzentren die Arbeit niedergelegt - etwa drei Millionen Briefe werden ihre Empfänger zunächst nicht erreichen. Die Post will bei ihrem Angebot offenbar noch einmal nachbessern.

Die Gewerkschaft Verdi hat im Tarifkonflikt mit der Deutschen Post den Druck auf den Konzern mit neuen Warnstreiks erhöht. Rund 800 Beschäftigte legten in der Nacht zum Montag in neun deutschen Briefzentren die Arbeit nieder. Betroffen waren nach Verdi-Angaben unter anderem die Briefzentren in Stuttgart, Berlin, Hamburg, Hannover, Wiesbaden und Dresden. Damit dürften rund drei Millionen Briefe zunächst nicht ihre Empfänger erreichen. "Beschäftigte und Kunden können von einem kerngesunden Unternehmen erwarten, dass die Gewinnsteigerungsabsichten nicht auf ihrem Rücken ausgetragen werden", sagte der für den Norden zuständige Landesfachbereichsleiter Wolfgang Abel laut Mitteilung in Hamburg. Für die nächsten Tage sind weitere Warnstreiks vorgesehen, bundesweit müssen sich Millionen Haushalte und Unternehmen auf leere Briefkästen einstellen.

Unbefristeter Streik ab dem 2. Mai

Verdi hatte bereits Urabstimmungen und einen unbefristeten Streik ab dem 2. Mai bei der Post angekündigt. "Die Beschäftigten sind stinkesauer und sie werden das der Deutschen Post AG in den kommenden Tagen eindrucksvoll beweisen", sagte Verdi-Verhandlungsleiterin Andrea Kocsis am Wochenende. Zuvor waren die Tarifverhandlungen beider Seiten über Arbeitszeit, Kündigungsschutz und Löhne abgebrochen worden. Die Tarifpartner hatten sich in einem zweitägigen Verhandlungsmarathon in der Nacht zum Samstag in Düsseldorf nicht über ein Paket mit Kündigungsschutz, Arbeitszeiten und Lohn einigen können. Nach einer Urabstimmung Ende April will die Gewerkschaft vom 2. Mai an einen unbefristeten Streik starten, um die Post zu mehr Entgegenkommen zu zwingen.

Die ist offenbar bereit, ihr Angebot noch einmal zu verbessern. Die bisherige Offerte sei "nicht das letzte Wort der Post", sagte Personalvorstand Walter Scheurle der "Süddeutschen Zeitung" (Montagsausgabe). Post-Kommunikationschef Manfred Harnischfeger sagte: "Wir haben ein attraktives Angebot vorgelegt. Dies ist ein Angebot, aber kein Diktat." Verdi müsse sich jetzt inhaltlich dazu äußern und ein Gegenangebot machen. Beide Seiten müssten "weiter das Gespräch suchen, um wieder Bewegung in die Verhandlungen zu bringen, bevor es zu einem großen Streik kommt".

Protest gegen unbezahlte Mehrarbeit

Die Gewerkschaft werde mit weiteren Warnstreiks ihren Forderungen Nachdruck verleihen, sagte die stellvertretende Verdi-Bundesvorsitzende und Verhandlungsführerin Andrea Kocsis nach den Streik-Beschlüssen der Tarifkommission der Gewerkschaft. Vor allem wehrt sich Verdi gegen eine von der Post geforderte "unbezahlte Mehrarbeit" mit einer höheren Wochenarbeitszeit sowohl für Postbeamte als auch Tarifbeschäftigte. Bisher galten 38,5 Stunden. Laut Verdi bedeuten die Post-Vorschläge unter dem Strich künftig aber rund 41 Stunden Wochenarbeitszeit.

Das Angebot der Post sei "unter dem Strich ein Minusgeschäft für die Beschäftigten", sagte Kocsis. Die angebotenen längeren Arbeitszeiten könnten "zu einem Wegfall von 12.500 Vollzeitstellen" führen. Post-Vorstand Scheurle sagte, diese Zahlen seien "aus der Luft gegriffen". Nach eigenen Angaben ist Verdi der Post in den Verhandlungen bereits ein gutes Stück entgegenkommen. Was der Arbeitgeber schließlich vorgelegt habe, sei "die pure Provokation", sagte Kocsis.

Die Post wies darauf hin, dass sie bei ihrem Angebot mit einer Verlängerung des Kündigungsschutzes bis zum 30. Juni 2011 einer Forderung von Verdi entsprochen habe. Außerdem sollten die Löhne der Tarifbeschäftigten in den nächsten zwei Jahren um rund 5,5 Prozent steigen. Dieses Angebot bedeute tatsächlich nur eine Anhebung um rund 2 Prozent für 26 Monate, rechnete Verdi vor. Die Gewerkschaft fordert eine lineare Anhebung des Entgelts für die 130.000 Tarifbeschäftigten von 7 Prozent für zwölf Monate.

DPA/Reuters / DPA / Reuters