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Weihnachtsgeld: Viel oder gar nichts

Trotz der schwächelnden Konjunktur können viele Mitarbeiter deutscher Unternehmen auch in diesem Jahr mit dem Weihnachtsbonus rechnen - die Regel ist das allerdings nicht.

Das ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa bei führenden deutschen Firmen. Die tariflichen Sonderzahlungen sind generell nicht antastbar. Dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) zufolge liegen sie in den großen Branchen zwischen 100 und 55 Prozent eines Montagsgehalts in Westdeutschland sowie 100 bis 50 Prozent in Ostdeutschland. Allerdings gibt es in den neuen Ländern im Bauhauptgewerbe kein tariflich vereinbartes Weihnachtsgeld.

Selbst die Mitarbeiter des ums Überleben kämpfenden KarstadtQuelle-Konzerns haben die Aussicht auf Sachzuwendungen und möglicherweise einen freiwilliger Bonus. Der Bonus würde bei rund 300 Euro liegen und abhängig von der familiären Situation gezahlt werden, sagte ein Unternehmenssprecher. Das tarifliche Weihnachtsgeld liege bei 62,5 Prozent des Gehaltes.

Allianz zahlt 90 Prozent mehr als per Tarifvertrag vereinbart

Bei Unternehmen wie Puma oder BMW, die derzeit Rekordwerte ansteuern, dürften Zahlungen zur Weihnachtszeit sowieso kein Problem sein. Bei Puma wurde im vergangenen Jahr das vereinbarte Weihnachtsgeld von 60 Prozent zu einem vollen Monatsgehalt aufgestockt. Dieses Jahr sei mit einem ähnlichen Betrag zu rechnen, sagte eine Sprecherin. Eine endgültige Entscheidung stehe noch aus. Auch bei der Allianz wird mit 90 Prozent mehr gezahlt als per Tarifvertrag vereinbart. BMW zahlt ein Weihnachtsgeld von bis zu 120 Prozent des Monatsgehalts.

Die 26.000 Bayer-Tarifmitarbeiter erhalten in diesem Jahr neben dem 13. Monatsgehalt auch eine übertarifliche Zahlung, kündigte Personalvorstand Richard Pott an. Das Weihnachtsgeld beträgt gemäß Chemietarifvertrag 95 Prozent eines tariflichen Monatsentgelts. Die Deutsche Post zahlt den Beamten statt der vorgeschriebenen 60 Prozent freiwillig 84,3 Prozent des Monatsentgelts. Die Tarifangestellten bekommen die per Tarif festgelegten 91 Prozent. Bei der deutsch-dänischen Reederei Scandlines gibt es als Zusatz zum Weihnachtsgeld noch ein Geschenk. Die dänischen Kollegen bekommen wegen einer anderen Tarifstruktur kein Weihnachtsgeld.

Die Commerzbank lässt die Zahlung in diesem Jahr erneut entfallen

Beim Kölner Autobauer Ford bleibt es in diesem Jahr dagegen bei dem tariflich vereinbarten Weihnachtsgeld von 55 Prozent des Monatsgehalts bei mindestens 36 Monaten Betriebszugehörigkeit. Im Vorjahr wurden noch - bei Betriebszugehörigkeit von zehn Jahren - bis zu 100 Prozent als übertarifliche Leistung gezahlt. Die Commerzbank, die je nach Ertragslage im November ein halbes Monatsgehalt zusätzlich gezahlt hatte, ließ diese Zahlung im vergangenen und in diesem Jahr entfallen. Das tariflich vereinbarte 13. Monatsgehalt zahlt die Bank im Mai aus. Bei Coca-Cola und der Deutschen Bahn ist die Zahlung auf das vereinbarte Weihnachtsgeld beschränkt. Bei Schering gibt es kein Weihnachtsgeld für den Vorstand.

Bei eBay erhalten die Beschäftigten generell kein Weihnachtsgeld

Es gibt auch Sonderfälle. Die so genannten tariflichen Öffnungsklauseln machen es zum Beispiel dem größten deutschen Baukonzern Hochtief möglich, beim Weihnachtsgeld im November 780 Euro an die Mitarbeiter zu zahlen und eine zweite Rate erst im April. Die Deutsche Telekom zahlt den Mitarbeitern der Festnetzsparte T-Com und der Zentrale einem Sprecher zufolge kein Weihnachtsgeld mehr. Im Frühjahr wurde die Wochenarbeitszeit von 38 auf 34 Stunden gesenkt, um 10.000 neue Stellen zu schaffen. Das monatliche Gehalt sei aber gleich geblieben, was unter anderem durch die Streichung des Weihnachtsgeldes und der variablen Vergütungen finanziert werde.

In der New Economy zahlt das Internet-Auktionshaus eBay mit Sitz in Berlin zahlt seinen 680 Beschäftigten in Deutschland generell kein Weihnachtsgeld. Die Mitarbeiter bekommen zwölf Monatsgehälter sowie in jedem Quartal einen Bonus, der sich nach der Leistung richtet. Der nächste ist mit dem Novembergehalt fällig.

Ein Viertel der Arbeitnehmer laut Umfrage ohne Weihnachtsgeld

Laut einer Forsa-Umfrage bekommt jeder vierte Arbeitnehmer in Deutschland dieses Jahr kein Weihnachtsgeld. 26 Prozent der Befragten sagten, sie erhielten dieses Jahr keine Sonderzulage zu Weihnachten. 59 Prozent dagegen bekommen eigenen Angaben zufolge Weihnachtsgeld. Für 15 Prozent ist es noch ungewiss, ob sie etwas erhalten werden.

Bei den westdeutschen Arbeitnehmern erhalten 62 Prozent nach eigenen Angaben Weihnachtsgeld, bei den ostdeutschen Beschäftigten dagegen nur 45 Prozent. Die Beamten schneiden etwas besser ab als andere: 64 Prozent von ihnen bekommen die Zulage, bei Angestellten und Arbeitern sind es der Umfrage zufolge jeweils 59 Prozent.

Bei 61 Prozent der Arbeitnehmer ist das Weihnachtsgeld dieses Jahr so hoch wie im vergangenen Jahr. 21 Prozent der 1.002 Befragten erhalten weniger und 10 Prozent mehr als im Vorjahr.

DPA/AP / AP / DPA