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KarstadtQuelle: Kanzler lässt Hilferuf verhallen

Während Verdi dem Karstadt-Management zürnt und der Geschäftsführung mangelndes Engagement vorwirft, ruft die Opposition Bundeskanzler Gerhard Schröder um Hilfe. Doch der winkt nur ab.

Angesichts des drohenden Verlustes tausender Arbeitsplätze bei KarstadtQuelle haben Politiker unterschiedlicher Parteien Bundeskanzler Gerhard Schröder zum Handeln aufgefordert. "Der Bundeskanzler muss die Lage im Einzelhandel zur Chefsache machen", zitiert die "Bild"-Zeitung den stellvertretenden FDP-Vorsitzenden Rainer Brüderle. "Wir brauchen sofort ein Notpaket für die gesamte Branche." Der CSU-Wirtschaftsexperte Johannes Singhammer sagte der Zeitung: "Schröder muss Karstadt zur Chefsache machen, weil es um eine riesige Anzahl von Arbeitsplätzen geht - aber mit mehr Erfolg als im Fall Holzmann."

Doch Schröder hat offenbar derzeit nicht vor, sich bei KarstadtQuelle persönlich einzuschalten. "Die Sache ist bei Clement gut aufgehoben", sagte Regierungssprecher Bela Anda der Nachrichtenagentur Reuters. Man sehe derzeit keinen Ansatzpunkt für ein Engagement des Kanzlers, hieß es in Regierungskreisen weiter. Aus Regierungskreisen erfuhr Reuters, dass auch Vertreter des Kanzleramtes bereits Kontakte zum Aufsichtsrat des Unternehmens aufgenommen haben, um sich zu informieren.

"Keine seriösen Aufrufe"

Kurz zuvor hatte Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) die von der FDP im Zusammenhang mit den Problemen bei KarstadtQuelle geforderte generelle Unterstützung des Einzelhandels zurückgewiesen. "Das sind keine seriösen Aufrufe", sagte Clement zur Forderung von Rainer Brüderle. Der Wirtschaftsminister hatte am Mittwoch Hilfe angeboten und sich bereit erklärt, mit Gesprächen Hilfestellung zu leisten, wie die Arbeitsplätze gerettet werden könnten. "Wir stehen gewissermaßen Gewehr bei Fuß, aber jetzt muss das Unternehmen handeln." Eine finanzielle Unterstützung für Karstadt mit öffentlichen Mitteln komme derzeit aber nicht in Frage.

Die Gewerkschaft Verdi erneuerte unterdessen ihre Vorwürfe gegen das Karstadt-Management und warf ihm vor, die kleineren Warenhäuser seit Jahren vernachlässigt und falsch geführt zu haben. Diese seien seit Jahren Problemthema im Konzern gewesen, es sei aber nie etwas geschehen, sagte Gertrud Tippel-Kluth vom Verdi-Bundesvorstand der "Berliner Zeitung". Auf Druck der Arbeitnehmervertretung habe das Unternehmen schon vor zwei Jahren Standortanalysen für die kleineren Warenhäuser angefertigt, die aber vom Vorstand nie aufgegriffen worden seien.

Alles ab 8000 Quadratmetern bleibt, ob schwarze Zahlen oder nicht

Demnach könnten alle kleineren Häuser erfolgreich betrieben werden, wenn sie ihrem Standort und der dortigen Käuferschicht entsprechend in Sortiment und Service ausgerichtet würden, sagte Tippel-Kluth, die auch in den Aufsichtsräten von Karstadt-Quelle und der Warenhaus AG sitzt. Zum Sanierungskonzept sagte sie, es sei ein "Unding, dass die Halbierung der Warenhaussparte nicht betriebswirtschaftlich unterlegt worden ist, sondern einfach ein Schnitt bei 8000 Quadratmetern Verkaufsfläche gemacht wurde, egal ob ein Haus schwarze Zahlen schreibt oder nicht".

Man fordere von der Konzernspitze, dass nun nicht nur nach einem Investor gesucht werde, sondern "ein Konzept aufgelegt wird, wie die kleinen Filialen unter dem Karstadt-Dach mit separater Ausrichtung weitergeführt werden können", sagte Tippel-Kluth. Dafür könne man sofort auf die vorhandenen Standortanalysen zurückgreifen.

KarstadtQuelle-Vorstandschef Christoph Achenbach kündigte unterdessen in der "Bild"-Zeitung einen Gehaltsverzicht des Managements an. "Wir würden in dieser Lage des Konzerns eindeutig auf fünf oder zehn Prozent Einkommen verzichten", sagte er dem Blatt. "Man muss die Mitarbeiter weiterhin angucken können."

Das Fürther Versandhaus Quelle schließt im Zuge seiner Umstrukturierung betriebsbedingte Kündigungen nicht mehr aus. "Es gibt aber keine Zahl und wird auch keine geben", sagte Quelle- Sprecher Erich Jeske. Das Traditionshaus werde sich wieder auf sein Kerngeschäft, den Versandhandel, konzentrieren und prüfe in diesem Zusammenhang, welche Geschäftsbereiche ausgelagert oder verkauft werden könnten. Auf einer Betriebsversammlung am 8. Oktober sollen die Mitarbeiter über die Strategie informiert werden.

KarstadtQuelle hatte am Dienstag das radikalste Sparprogramm der Unternehmensgeschichte angekündigt. Die Hälfte der 181 Warenhäuser sowie Fachmarktketten wie SinnLeffers sollen danach verkauft oder geschlossen werden. Gewerkschafter sehen bis zu 28.000 Stellen betroffen.