Lebensmittel Neue Verhöre im Parmalat-Skandal


Nach einer kurzen Silvester-Pause werden in der Causa Parmalat die acht festgenommenen Manager und Berater verhört. Während dessen untersuchten Ärzte Firmengründer Tanzi wegen angeblicher Herzprobleme.

Nach einer kurzen Silvester-Pause laufen die Ermittlungen im Milliarden-Bilanzskandal um den italienischen Lebensmittelkonzern Parmalat wieder auf Hochtouren. Am Freitag sollten die acht kurz vor Jahreswechsel festgenommenen Manager und Berater verhört werden. Der bereits seit zehn Tagen in Untersuchungshaft sitzende Firmengründer Callisto Tanzi soll wegen angeblicher Herzprobleme von Ärzten untersucht werden. Insolvenzverwalter Enrico Bondi will als Sofortmaßnahme zur Rettung des zahlungsunfähigen Unternehmens zunächst den Fußballklub AC Parma verkaufen.

Tanzi: Haft oder Hausarrest?

Die Ärzte sollen feststellen, ob der Gesundheitszustand des 65-Jährigen Tanzi mit einer Haft vereinbar ist, berichteten italienische Medien am Freitag. Die vom Untersuchungsrichter bestimmten Ärzte müssen ein Gutachten erstellen. Anschließend werde erneut entschieden, ob der Parmalat-Gründer im Mailänder Gefängnis San Vittore bleibt oder unter Hausarrest gestellt wird. Zu Silvester war ein entsprechender Antrag wegen Flucht- und Verdunkelungsgefahr abgelehnt worden. Tanzi soll bereits gestanden haben, 500 Millionen Euro bei Parmalat abgezweigt zu haben sowie ein Bilanzloch von acht Milliarden Euro genannt. "Parmalat war eine einzige große kriminelle Vereinigung", verlautete aus der Staatsanwaltschaft von Parma.

Bilanzfälschungen womöglich seit 15 Jahren

Unter den zum Jahreswechsel Festgenommenen sind die ehemaligen Finanzchefs Fausto Tonna und Luciano Del Soldato, Tonnas enger Mitarbeiter Gianfranco Bocchi, der einen großen Teil der Bilanzfälschungen ausgeführt haben soll, sowie der Italien-Chef der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Grant Thornton, Lorenzo Penca. Ein neunter Haftbefehl wurde gegen den Präsidenten von Parmalat Venezuela ausgestellt, der sich derzeit im Ausland aufhält, aber nach Angaben seines Anwalts so bald wie möglich nach Italien zurückkehren will. "Er hat bisher noch keinen Platz im Flugzeug gefunden", hieß es. Den Verdächtigen drohen im Falle einer Verurteilung Haftstrafen von bis zu 20 Jahren. Nach Erkenntnissen der Ermittler könnten die Bilanzfälschungen beim Milchriesen bereits vor 15 Jahren begonnen haben. Von hunderten Millionen Euro fehlt jede Spur.

AC Parma soll verkauft werden

Bondi begründete die Verkaufspläne für den AC Parma damit, dass der Fußballklub nicht zum Kerngeschäft gehöre. Tanzi hält 99 Prozent an dem Verein, bei dem durch den Bilanzskandal wichtige Geldströme ausbleiben. Der Lebensmittelriese Barilla dementierte Gerüchte, wonach die Gruppe Interesse am Kauf des Erstligisten bekundet habe.

DPA

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