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Mannesmann-Prozess: Bald Freisprüche im Mannesmann-Prozess?

Bei den Millionenprämien im Mannesmann-Prozess sieht die Vorsitzende Richterin nach dem bisherigen Verhandlungsverlauf keine Straftaten vorliegen.

Bei den umstrittenen Millionen-Zahlungen im Zuge der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone haben sich Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und die fünf weiteren Angeklagten im so genannten Mannesmann-Prozess nach Ansicht des Gerichts nicht der Untreue schuldig gemacht. Damit müssen sie nicht mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen. Verstöße habe es nur gegen das Aktienrecht gegeben, teilte Richterin Brigitte Koppenhöfer am Mittwoch vor dem Landgericht in Düsseldorf mit. Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser sagte, er rechne nun mit einem Freispruch. Die Staatsanwaltschaft hielt indes an der Anklage fest.

Verstöße 'allenfalls zivilrechtlich' ahnden

Koppenhöfer sagte nach einem rund 90minütigen Rechtsgespräch, in dem die Prozessbeteiligten Bilanz der rund zweimonatigen Verhandlungen gezogen hatten, nach dem Resumee der Kammer lasse sich nach den bisherigen Zeugenvernehmungen und Verhandlungen in keinem der sieben Anklagepunkte der von der Staatsanwaltschaft erhobene Vorwurf der Untreue erhärten. Verstöße habe es nur gegen das Aktienrecht gegeben. Diese lassen sich nach Angaben eines Gerichtssprechers allenfalls zivilrechtlich ahnden. In Gerichtskreisen wurde nun mit Freisprüchen gerechnet.

Ex-Aufsichtsratsmitglieder der Mannesmann AG waren im Übernahmepoker mit Vodafone davon ausgegangen, dass der britische Mobilfunkkonzern die Millionen-Prämien an die Top-Manager von Mannesmann zahlen würde. Diesen Schluss hätten sie aus einer Erklärung des heutigen Deutsche-Bank-Chefs Josef Ackermann gegenüber den Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat gezogen, berichteten zwei ehemalige Gremienmitglieder im Düsseldorfer Mannesmann-Prozess.

Missverständliche Formulierung Ackermanns

Das frühere Aufsichtsratsmitglied Rainer Schmidt betonte im Gericht: "Ich war damals wirklich überzeugt, dass Vodafone die Zahlung leistet." Allerdings sei dies wohl auf eine missverständliche Formulierung Ackermanns zurückzuführen. Objektiv habe Ackermann nach seinen Notizen lediglich gesagt, die Zahlung erfolge auf Initiative des Großaktionärs Hutchison Whampoa in Abstimmung mit dem Board of Directors von Vodafone.

Ein zweites gewerkschaftliches Aufsichtsratsmitglied, Werner Kleinhenz, berichtete, er sei schon deshalb davon ausgegangen, das Vodafone die Zahlung leiste, weil die Prämie in Britischen Pfund angegeben worden sei. "Da liegt doch auf der Hand, dass die Zahlung von Vodafone geleistet wird." Dies sei damals die Auffassung aller Arbeitnehmervertreter im Kontrollgremium gewesen. Esser hatte im Zuge der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone eine Erfolgsprämie von 15,9 Millionen Euro erhalten. Noch einmal die gleiche Summe ging an seine engsten Mitarbeiter.

"Esser hielt das Angebot für seine Pflicht"

Noch einmal eine Rolle spielte in dem Prozess am Mittwoch auch die Zeugenaussage von Vodafone-Chef Chris Gent, Esser habe in der letzten Phase der Übernahmeverhandlungen den "halbherzigen" Versuch gemacht, für sich eine Führungsposition im neuen Konzern zu sichern. Essers Verteidiger Sven Thomas betonte in einer Erklärung, dies sei nicht aus Eigeninteresse geschehen. "Esser hielt das Angebot für seine Pflicht. Die Motivation war, dass ein Kapitän nicht in schwerer See von Bord geht." Esser selbst habe den Vorgang auch nie verheimlicht, sondern sogar selbst darüber in einem Zeitungsinterview im Februar 2000 berichtet.

Am frühen Nachmittag soll der Mannesmann-Prozess mit einem Rechtsgespräch der Kammer mit Verteidigung und Staatsanwaltschaft fortgesetzt werden. Dabei sollen der bisherige Stand und der weitere Verlauf des Verfahrens beraten werden. Dies gilt als mögliche Zäsur im spektakulärsten Wirtschaftsstrafverfahren der Bundesrepublik.

60 Millionen Euro 'ungerechtfertigte' Abfindungen

Esser und Ackermann müssen sich zusammen mit dem früheren Mannesmann-Aufsichtsratschef Joachim Funk, Ex-IG-Metall-Chef Klaus Zwickel sowie zwei weiteren Managern vor dem Düsseldorfer Landgericht wegen des Vorwurfs der "gemeinschaftlichen Untreue in einem besonders schweren Fall" beziehungsweise Beihilfe dazu verantworten. Sie sollen die 180 Milliarden Euro teure Übernahme von Mannesmann durch den Mobilfunkriesen Vodafone Anfang 2000 genutzt haben, um Managern und Ex-Vorständen des Unternehmens ungerechtfertigte Abfindungen in Höhe von fast 60 Millionen Euro zuzuschieben.

DPA