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Mannesmann-Prozess: Chinesischer Manager entlastet Esser

Im Mannesmann-Prozess hat einer der Hauptzeugen den Angeklagten korrektes Handeln bescheinigt: Mit den umstrittenen Millionenprämien sei die Übernahme von Mannesmann durch Vodafone nicht beeinflusst worden.

Im Mannesmann-Prozess hat einer der Hauptzeugen den Angeklagten korrektes Handeln bescheinigt. Mit den umstrittenen Millionenprämien sei die Übernahme von Mannesmann durch Vodafone nicht beeinflusst worden, sagte der Hongkong-Chinese Canning Fok am Donnerstag bei einer Videovernehmung in Hongkong. Die Idee der Anerkennungsprämien stamme zwar von ihm, er habe seinen Vorschlag aber erst unterbreitet, als die Abwehrschlacht für Mannesmann verloren war. Der 52-jährige Manager saß damals für den Großaktionär Hutchison Whampoa im Mannesmann-Aufsichtsrat und gilt als eine Schlüsselfigur des Geschehens.

Rechtsanwalt Sven Thomas wertete die fast vierstündige Aussage Foks, die aus Hongkong live in einen Düsseldorfer Gerichtssaal übertragen wurde, als "großen Schritt" für die Verteidigung. "Die These der Käuflichkeit ist damit endgültig beerdigt", sagte er.

"Übernahme nicht mehr strittig"

Fok wies auch die Aussage eines Investmentbankers zurück, wonach er mit den Worten, er werde nun den "chinesischen Weg" einschlagen, in die entscheidende Verhandlung des damaligen Mannesmann-Chefs Klaus Esser mit dem Vodafone-Vorstandsvorsitzenden Chris Gent geplatzt sei, um die Prämien anzubieten. Er sei für nur etwa fünf Sekunden im Raum gewesen, bevor ihn Esser hinauskomplimentiert habe. Zudem sei die Übernahme nicht mehr strittig gewesen. Chris Gent habe sich zuvor auch in der Frage des Aktien-Umtauschverhältnisses nicht mehr verhandlungsbereit gezeigt.

Als er Ende Januar 2000 in Japan erfahren habe, dass der französische Konzern Vivendi zu Vodafone übergelaufen war, habe er sich entschlossen, nach Düsseldorf zu reisen, sagte der Manager. Bei seiner Ankunft Anfang Februar sei die Stimmung bereits sehr gedrückt gewesen. "Das Spiel ist aus", habe Esser ihm erklärt und niederschlagen gewirkt.

Prämie für Esser "fair"

Die Situation sei für Esser "nicht fair" gewesen. Der Mannesmann-Chef habe für das Wohl der Aktionäre hart gekämpft. Im Ergebnis habe er deswegen seinen Job und seine Chance auf einen Vorstandsposten bei Vodafone eingebüßt. "Die Situation war sehr hart für Esser. Wir haben deswegen darüber gesprochen, wie wir respektvoll mit ihm umgehen können", sagte Fok. Er sei spontan auf die Idee mit der Prämie gekommen. Orange-Chef Hans Snook habe zuvor bei der Übernahme von Orange durch Mannesmann sogar einen noch um die Hälfte höheren Betrag erhalten.

Er habe Esser deswegen in einem Vier-Augen-Gespräch die Prämie von umgerechnet fast 16 Millionen Euro als Ausdruck von Anerkennung und Dankbarkeit angeboten. Esser habe sehr ehrenhaft reagiert und erklärt, dass er das Geld nur von seinem Arbeitgeber Mannesmann annehmen und sein Team nicht leer ausgehen lassen könne. Bei der Übernahmeschlacht war der Kurs der Mannesmann-Aktie stark angestiegen.

In dem Prozess müssen sich seit sechs Wochen sechs angeklagte Manager und Gewerkschafter wegen schwerer Untreue oder der Beihilfe dazu verantworten. Unter ihnen ist auch Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten vor, insgesamt 57 Millionen Euro an Prämien und Pensionen ohne Rechtsgrundlage ausgeschüttet und damit das Vermögen der Gesellschaft geschädigt zu haben.

DPA