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Personalwechsel nach Wirecard-Skandal Mark Branson: Wer ist der neue Mann an der Spitze der deutschen Finanzaufsicht?

Neue Führung bei der Bafin: Olaf Scholz holt den Briten und ehemaligen Finma-Chef Mark Branson an die Spitze der deutschen Finanzaufsicht
Neue Führung bei der Bafin: Olaf Scholz holt den Briten und ehemaligen Finma-Chef Mark Branson an die Spitze der deutschen Finanzaufsicht
© DPA
Mit Geldwäsche und Korruption kennt er sich aus: Nach dem Wirecard-Skandal wird Mark Branson, Chef der Schweizer Finanzmarktaufsichtbehörde, der neue Bafin-Chef. Er soll gerade rücken, was seine Vorgänger verpatzt haben.

Ende Januar entschied Finanzminister Olaf Scholz, dass es bei der Deutschen Finanzaufsicht (Bafin) Zeit für Veränderungen sei. Grund war der bereits im vergangenen Sommer aufgedeckte Skandal um den digitalen Finanzdienstleister Wirecard, der nicht nur viele Anleger um ihr Geld brachte, sondern auch Olaf Scholz und die Chefs der Bafin unter Druck setzte. Dem Führungsduo Felix Hufeld und Vizechefin Elisabeth Roegele wurde vorgeworfen, den milliardenschweren Bilanzbetrug des Zahlungsabwicklers zu spät erkannt zu haben. Sie mussten sich vor einem Untersuchungsausschuss verantworten.

Vor knapp zwei Monaten entledigte sich der Finanzminister der alten Führungsspitze mit der Begründung, der Skandal habe gezeigt, dass die Bafin eine Reorganisation brauche, um ihre Aufsichtsfunktion effektiver erfüllen zu können. Neben organisatorischen Veränderungen habe man sich zudem auf personelle Neuerungen an der Spitze der Finanzaufsicht verständigt, hieß es Ende Januar.

Mehr Biss für die Bafin

Am Montag präsentierte Olaf Scholz den neuen Chef der Bafin. Mark Branson, 52, Brite und ehemaliger Kommunikationschef und Banker in Zürich und Japan soll Mitte des Jahres Felix Hufeld an der Spitze ablösen. "Mit ihm zusammen werden wir die deutsche Finanzaufsicht so stärken, wie das für eine wirkungsvolle Aufsicht über den international stark vernetzten Finanzplatz Deutschland nötig ist", kündigte Scholz an. Übergangsweise soll der Chef der Bafin-Bankenaufsicht Raimund Röseler die Behörde leiten, wie es in informierten Kreisen hieß.

Mit Mark Branson soll die Bafin nach dem Wirecard-Skandal mehr Biss bekommen, so Scholz. Der studierte Mathematiker und Betriebswirt arbeitet seit 2010 für die Finanzmarktaufsichtsbehörde (Finma), 2014 wurde er zum Finma-Chef. Zuvor war Branson in der Vermögensverwaltung der Schweizer Großbank UBS gewesen.

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Erfahrungen in Sachen Korruption und Geldwäsche

In der Schweiz gilt der künftige Bafin-Chef als hart, kompromisslos und kompetent – trotzdem haperte es gerade zu Beginn seiner Laufbahn an Beliebtheit. So störte sich etwa die nationalistische Schweizer Volkspartei daran, dass ein britischer Staatsbürger die oberste Aufsichtsbehörde leiten sollte. Das Magazin "Bilanz" bezeichnete ihn als "meistgehassten Mann des Finanzplatzes".

Sein Standing hat sich Branson erarbeitet. Mehreren Medienberichten zufolge hat er sich bereits mit zahlreichen Banken, Versicherungen und Vermögensverwaltern angelegt. Auch während seiner Karriere gab es Konflikte. So endete sein Aufstieg bei der Großbank UBS wegen eines Streits mit dem damaligen Finanzvorstand und späteren Chef der Deutschen Bank, John Cryan.

Seine Arbeit bei der Finma kann sich dennoch sehen lassen: Renommierte Geldhäuser wie Julius Bär, die Bank SYZ oder die Bankca Kredit Invest aus Lugano konnte er der Korruption und Geldwäsche überführen. Zudem leitete er ein Verfahren gegen seinen früheren Arbeitgeber UBS ein, weil die Bank versucht haben soll, Währungskurse zu manipulieren.

Politiker sehen Branson als "vielversprechenden Personalvorschlag"

Deutsche Politiker und Fachleute lobten die Entscheidung, Mark Branson die Führung der Bafin zu überlassen. Der Finanzpolitiker der Grünen, Danyal Bayaz, bezeichnete Branson mit seiner internationalen Kapitalmarkterfahrung als "vielversprechenden Personalvorschlag". Der Vorstand der Bürgerbewegung Finanzwende, der frühere Grünen-Abgeordnete Gerhard Schick, betonte: "Es ist gut, dass Herr Branson von außen kommt und Probleme lautstark thematisieren sowie engagiert angehen kann".

Auch der Banken-Dachverband Deutsche Kreditwirtschaft zeigte sich erfreut. "Mit Mark Branson tritt ein ausgewiesener Experte und Kenner der Finanzbranche mit langjähriger Erfahrung in der Leitungsfunktion einer der bedeutendsten Finanzmarktaufsichten in Europa als Präsident der Bafin an." Die schnelle Nachfolgeregelung trage dazu bei, das Vertrauen in die Finanzaufsicht zu stärken.

Quellen:BilanzBusiness InsiderWirtschaftswoche

cl / mit DPA

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