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Ukraine-Krieg Mega-Jacht "Nord" schippert nach Hongkong: USA warnen davor, sanktionierten Oligarchen Zuflucht zu gewähren

Jacht "Nord" von Alexei Mordaschow
Die "Nord" (IMO 9853785) beim Einlauf in den Hafen von Wladiwostok Ende März. Kurz nach der russischen Invasion in der Ukraine hatte Eigner und TUI-Großaktionär Alexei Mordaschow sein Luxus-Schiff nach Russland gebracht.
© ITAR-TASS / Imago Images
Nach ihrer Flucht in den russischen Heimathafen von Wladiwostok ist die Mega-Jacht "Nord" von Tui-Großaktionär Alexei Mordaschow wieder unterwegs. Ihren Zwischenhalt im Hafenbecken von Hongkong kritisiert der Westen scharf – denn keinen stört's.

Lange Zeit war es still um die Mega-Jacht "Nord" von Oligarch und Tui-Großaktionär Alexei Mordaschow. Kurz nach Ausbruch des Krieges in der Ukraine schmiss die Mannschaft des 142-Meter-Schiffes die Maschinen an und fuhr auf direktem Wege von Victoria in den Seychellen ins russische Wladiwostok. Ihre Ankunft wurde Ende März medial aufbereitet, die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass begleitete die Einfahrt in den Hafen mit zahllosen Bildern. Es wirkte wie ein Triumph.

Ähnlich muss sich auch der aktuelle Aufenthalt anfühlen – denn die "Nord" hat die russischen Gewässer überraschend verlassen und sendet ihre Position derzeit aus dem Hafenbecken von Hongkong. Dort kam sie am 5. Oktober an und durchlief sämtliche zollbehördlichen Prozesse, die für einen Aufenthalt vor den Toren der Stadt notwendig sind. Die Sanktionen, die in zahlreichen Ländern gegen den Eigner verhängt worden sind, störten dabei offenbar niemanden.

Jacht "Nord" von Alexei Mordaschow
Hier liegt die "Nord" (IMO 9853785) in Hongkong – und keinen stört es. Alexei Mordaschow selbst soll nicht an Bord sein.
© NurPhoto / Imago Images

USA warnen vor Beherbergung der Jacht

Die USA warnten die Behörden in Hongkong nur wenige Tage später davor, eine Zuflucht für sanktionierte Personen zu werden und den westlichen Kurs nicht zu unterstützen. Denn die Ankunft des Schiffs verlief in den Augen der Vereinigten Staaten viel zu reibungslos.

Alexei Mordaschow wurde Ende Februar von mehreren Ländern, darunter USA und EU, sanktioniert. Der Milliardär gilt als einer der reichsten Männer Russlands und Finanzier der Regierung. Der Oligarch klagt seither vor Gerichten um sein Eigentum und äußerte sein Unverständnis über die Bestrafung, da er nach eigenen Angaben nichts mit der Situation in der Ukraine zu tun habe. Die Einschätzung der EU liest sich anders.

Das US-Außenministerium erklärte, dass sich die Geschäftsaussichten Hongkongs durch die Untätigkeit der Regierung weiter eintrüben könnten, da der "Ruf der ehemaligen britischen Kolonie als Finanzzentrum von der Einhaltung internationaler Gesetze und Standards abhängt".

Am vergangenen Freitag entgegnete ein Sprecher der Marineabteilung der Stadt: "Bestimmte Länder können auf der Grundlage ihrer eigenen Überlegungen einseitige Sanktionen gegen bestimmte Orte verhängen. Die Regierung von Hongkong setzt keine einseitigen Sanktionen um, die von anderen Ländern verhängt wurden, und wir haben auch nicht die rechtliche Befugnis, Maßnahmen zu ergreifen."

"Wir werden uns an die Sanktionen der Vereinten Nationen halten, das ist unser System, das ist unsere Rechtsstaatlichkeit", sagte Regierungschef John Lee, der selbst von den USA wegen seiner Rolle bei der Umsetzung des nationalen Sicherheitsgesetzes in Hongkong mit Sanktionen belegt worden ist. "Wir werden die so genannten Sanktionen einfach weglachen", fügte der Hongkonger Politiker hinzu.

Aus den USA heißt es von Seiten der Regierung: "Die mögliche Nutzung Hongkongs als sicherer Hafen durch Personen, die Sanktionen aus verschiedenen Ländern umgehen, stellt die Transparenz des Geschäftsumfelds weiter in Frage."

Firmen suchen Kontakt zu Chinas Finanzmärkten

Was die US-Sanktionen betrifft, sind sich das chinesische Festland und die Sonderverwaltungszone offenbar einig. Seit Ausbruch des Krieges verhält sich China neutral bis unterstützend gegenüber Russland, nimmt an den Sanktionierungen von Putin, russischen Oligarchen und Firmen nicht teil. Ähnlich sieht es auch in den bisherigen sicheren Häfen für russisches Geld aus – andere Jachten von Personen aus Putins innerstem Kreis liegen seit Wochen und Monaten unbeeindruckt in den Gewässern der Türkei oder den Emiraten.

Der "Hongkong Standard" berichtet, dass immer mehr russische Firmen auf Anwaltskanzleien in Hongkong zugehen würden, um nach Möglichkeiten suchen zu lassen, auf dem dortigen Finanzmarkt Fuß zu fassen. Darunter seien auch russische Staatsunternehmen, heißt es. Gut möglich, dass auch Mordaschows Metallurgieunternehmen Severstal darunter ist – und der Oligarch mit dem Besuch seiner Jacht ein Zeichen setzen wollte.

Die "Nord" ist eine gigantische Jacht aus dem Portfolio der Bremer Lürssen-Werft, die rund eine halbe Milliarde US-Dollar gekostet haben soll. Sie wurde 2021 ausgeliefert und ähnelt durch ihre eckige Front ein wenig einem Flugzeugträger – auch wenn ihr Hangar "nur" Platz für Helikopter bietet. Die Jacht bietet 24 Gästen Platz, sie wird von 40 Personen bewirtschaftet. Im Innern des Schiffes befindet sich ein Kinosaal, eine Sauna, mehrere Aufzüge und ein großer Swimmingpool. Die "Nord" ist das zweite Schiff des sanktionierten Oligarchen Mordaschow, seine "Lady M" wurde Anfang März von italienischen Behörden in Imperia festgesetzt, woraufhin die "Nord" die Flucht nach Russland antrat.

Quellen: Hongkong Standard, BBC, Financial Times, Hongkong Standard [2]

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