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Gartenstühle und versiffte Matratzen: Willkommen auf dem Recyclinghof, der Resterampe der Überflussgesellschaft

Recyclinghöfe sind längst keine Igitt-Orte mehr. Am Wochenende stehen die Menschen Schlange, um hier ihren alten Krempel loszuwerden. Ein Riesengeschäft ist das für die Stadt trotzdem nicht.

Auf Recyclinghöfen herrscht an Wochenenden großer Andrang.

Auf Recyclinghöfen herrscht an Wochenenden großer Andrang.

An einem typischen Samstagmittag ist die Autoschlange vor dem Schwarzen Weg 10 in Hamburg-Steilshoop so lang, dass man schon mal eine Stunde warten muss. Doch hier findet kein Schlussverkauf statt und es wird auch nichts verschenkt. Die Leute kommen nach Steilshoop, um ihren Müll auf dem Recyclinghof loszuwerden.

Versiffte Matratzen, alte Möbel, Batterien, Plastikstühle, Gartenabfälle, Autoreifen oder Elektroschrott – für jede Kategorie gibt es einen Container oder wenigstens eine Tonne. Sogar HD-Flachbildfernseher und Smartphones stapeln sich hier, schließlich lässt der rasante technologische Fortschritt morgen schon zum alten Eisen werden, was gestern noch neu und erstrebenswert war. Auch Gefahrenstoffe und Chemikalien nehmen die Mitarbeiter an, um sie fachgerecht zu entsorgen. Manchmal werden auch Waffen abgeliefert, einmal sogar eine Panzerfaust. Klar: Zufällig gefunden. "In solchen Fällen die häufigste Ausrede", sagt die Vorarbeiterin.

Matratzen, Fernseher, Chemikalien: Der Alltag auf einem Recyclinghof
Von überall her kommen die Menschen, um ihren alten Krempel loszuwerden - egal ob Teppiche, kaputte Fernseher oder versiffte Matratzen. Insgesamt gibt es in Hamburg zwölf Recyclinghöfe.

Von überall her kommen die Menschen, um ihren alten Krempel loszuwerden - egal ob Teppiche, kaputte Fernseher oder versiffte Matratzen. Insgesamt gibt es in Hamburg zwölf Recyclinghöfe.

Recyclinghöfe sind keine Igitt-Orte mehr

Zwölf Recyclinghöfe gibt es in Hamburg. Wer seinen Wohnsitz in der Hansestadt hat, darf hier das meiste kostenlos abgeben, sofern es aus einem Privathaushalt kommt. Weil die klassische Sperrmüllsammlung Geld kostet und nicht von heute auf morgen stattfindet, geben immer mehr Kunden direkt zu den Recyclinghöfen - im vergangenen Jahr rund 700.000, unter ihnen der Schauspieler Sky du Mont (Lieblingshof Osdorf) und der Rapper Smudo, der alle paar Wochen auf dem Recyclinghof Sankt Pauli auftaucht.

Mehr zum Thema finden Sie im stern Nr. 16

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Im Gegensatz zu Mülldeponien und Verbrennungsanlagen sind Recyclinghöfe keine Igitt-Orte mehr, sondern schichtenübergreifender Treffpunkt der Überflussgesellschaft. Das gute Gewissen gibt es gratis dazu.

Aber nicht jeder halte sich an die Regeln, klagen die Mitarbeiter. Immer wieder kommt es vor, dass auf Anhängern unter einem Haufen Altholz (kostenlos) Altreifen oder Bauschutt (kostenpflichtig) auf den Hof geschmuggelt werden. Auch für die Abgabe von Hausmüll wird – ebenso wie bei der grauen Tonne vor der Haustür - eine Gebühr fällig: Drei Euro für 120 Liter. Offenbar zu viel für manche Leute, die ihren Hausmüll unter Textilien in Altkleidersäcken verstecken und so kostenlos entsorgen wollen. "Leider herrscht bei manchen Kunden auch hier die Geiz-ist-geil-Mentalität", sagt Dirk Zimmer, der Leiter der Hamburger Recyclinghöfe.

Recyclinghof-Leiter Dirk Zimmer: Wie bekommen wir eine gute Wertstofftrennung in der Gesellschaft hin?

"Wir machen keinen Gewinn"

Ein Riesengeschäft ist der Müll für die städtischen Entsorgungsbetriebe ohnehin nicht. Wertstoffe wie Glas, Plastik und Papier werden gesammelt und dann an externe Dienstleister zur Weiterverwertung verkauft. "Wir versuchen kostendeckend zu arbeiten, aber wir machen keinen Gewinn", sagt Zimmer.

Vor allem der Transport sei teuer. Früher hätten noch jede Woche Chinesen angerufen, die alte PET-Flaschen kaufen wollten, ergänzt Reinhard Fiedler, Pressesprecher der Stadtreinigung Hamburg. "Die wollten das als Material für die Fliespullover-Produktion in Fernost haben." Aber die Chinesen melden sich nicht mehr, seit sie genug eigenen Müll produzieren. 

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Auch Altpapier sei nicht mehr das, was es mal war, sagt Fiedler: „Bei einem Container voller Telefonbücher wußten sie noch, das ist gute Qualität. Heute bekommen sie vor allem Versandkartons, und die sind bereits aus recycelten Kartonagen hergestellt“. Grünabfälle verarbeitet die Stadt dagegen selbst in ihrem Biogas- und Kompostwerkwerk Bützberg zu Kompost, der dann wieder auf den Recyclinghöfen verkauft wird.

"Am besten ist immer noch die Müllvermeidung", sagt Zimmer. Das sehe schließlich auch die Abfallhierarchie im Kreislaufwirtschaftsgesetz so vor, nach der thermische Verwertung oder Beseitigung nur dann erlaubt sind, wenn keine andere Verwertung mehr möglich ist.

Was einmal schön war und immer noch gut ist, wird deshalb nicht einfach dem Verwertungskreislauf zugeführt, sondern weiter verkauft. Möbel, Hausrat, Bücher, Fahrräder und Kleidung kommen zum stadteigenen Second-Hand-Shop "Stilbruch". Wenn sie nicht vorher von dem privaten Absammler mitgenommen werden, der seinen weißen Lastwagen vor dem Recyclinghof geparkt hat. Schon sein Vater habe hier gestanden, erzählt der Mann, der gerade einen alten Ofen abgestaubt hat. Wer sagt denn, dass Müll nichts mehr wert ist?

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.