Neue Aktionäre Tui wird spanischer


Die WestLB hat sich von ihrer Beteiligung am Reisekonzern Tui getrennt. Der Großteil des Paketes von 31,3 Prozent ging an ein Konsortium um die bereits mit Tui eng verbündete spanische Hotelgruppe Riu.

Der bereits wichtigste Hotelpartner des Tui-Konzerns halte künftig zehn Prozent am Reisekonzern, teilte die Deutsche Bank mit, die das gesamte Aktienpaket von der WestLB vorübergehend übernommen hatte. Für die restlichen rund 14 Prozent Tui-Anteile sucht die Bank nun institutionelle Investoren. Zum Preis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Wie Reuters aus mit der Transaktion vertrauten Kreisen jedoch erfuhr, erlöste die WestLB rund 950 Millionen Euro und machte somit zwischen 25 und 30 Millionen Euro Buchgewinn. "Wir haben unser Ziel, die Tui-Aktien noch in diesem Jahr zu einem angemessenen Preis in verantwortungsvolle Hände abzugeben, vollauf erreicht", resümierte WestLB-Chef Thomas Fischer.

Kein Pflichangebot an die Aktionäre nötig

Die Bank hatte am Morgen bekannt gegeben, sie habe das gesamte Tui-Aktienpaket in zwei Tranchen an die Deutsche Bank veräußert. Diese nannte anschließend die Gruppe um Riu als Käufer von 17,3 Prozent der Tui-Aktien. Die übrigen rund 14 Prozent des Tui-Grundkapitals würden kurzfristig institutionellen Investoren in Europa und den USA angeboten. Mit der formalen Aufteilung des Tui-Pakets ist nun kein Pflichtangebot an die übrigen Tui-Aktionäre mehr nötig. Das deutsche Aktienrecht sieht dies bei Übernahmen von mindestens 30 Prozent an einer Aktiengesellschaft vor.

Die Tui-Aktie verlor nach Bekanntwerden der Transaktion zeitweilig mehr als drei Prozent auf bis zu 16,20 Euro und war damit größter Kursverlierer im Deutschen Aktienindex, der leicht zulegte. Ein Händler erklärte die Verluste zunächst mit dem zusätzlichen Angebot handelbarer Tui-Aktien am Kapitalmarkt.

"Sehr gute Lösung" für Tui

Nach Angaben aus mit dem Verkauf vertrauten Kreisen erzielte die WestLB für die gut 55 Millionen Aktien einen Preis von rund 17 Euro je Aktie. In den Büchern der WestLB stand die Aktie mit 16,50 Euro. Demnach hätte die WestLB einen Buchgewinn zwischen 25 und 30 Millionen Euro erzielt. Die Deutsche Bank erklärte, sie habe vom Riu-Konsortium den Schlusskurs vom Dienstag 16,75 Euro zuzüglich eines Paketaufschlages erhalten.

Ein Tui-Sprecher bezeichnete die Transaktion als eine "sehr gute Lösung" für das Unternehmen. Nach Einschätzung von Branchenexperten kann eine Zerschlagung des Tui-Konzerns nun vermieden werden.

Beratung über Tui-freundliche Lösung

Tui-Chef Michael Frenzel hatte mit der Riu-Gruppe, an der Tui beteiligt ist, bereits vor einigen Monaten über ein Engagement beraten. Der Vorstand bemühte sich, Investoren zu finden, die Tui in seiner heutigen Struktur erhalten wollten und insbesondere die bisherige Strategie als Reiseanbieter mit eigenen Flug- und Hotelgesellschaften fortsetzen würden.

Allerdings wollte Riu nicht das gesamte Paket übernehmen. Als Partner fand Riu nach Angaben der Deutschen Bank die drittgrößte spanische Sparkassengruppe Caja de Ahorros del Mediterraneo und die Hotelgruppe Grupo de Empresas Matutes.

Weitere Interessenten hätten die Konzern-Struktur zerschlagen

Als weitere Interessenten waren die mit Riu konkurrierende Hotelgruppe Lopesan von den Kanarischen Inseln sowie weitere deutsche und ausländische Investoren im Gespräch gewesen. Eines der Angebote hätte laut früheren WestLB-Angaben eine gravierende Änderung der Tui-Struktur zur Folge gehabt.

Michael Gierse, Fondsmanager bei Union Investment, wertete die Transaktion als insgesamt gute Lösung. Entscheidend sei, dass Anleger künftig wieder mehr auf die mittlerweile verbesserte wirtschaftliche Situation bei Tui schauen würden. "Zuletzt haben alle nur darauf geschaut, wer Tui kaufen wird", sagte Gierse.

Reuters Reuters

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