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Air Berlin: Hochfliegende Übernahmepläne

Air Berlin bleibt auf Expansionskurs: Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft will den ferienfliger Condor in zwei Schritten kaufen. Doch das Bundeskartellamt äußerte bedenken - und auch die Lufthansa hat noch ein Wörtchen mitzureden.

Air Berlin setzt zum neuen Sprung an: Nach den Übernahmen von dba und LTU will sich die rasant expandierende zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft jetzt auch die traditionsreiche Airline Condor einverleiben. Auf dem deutschen Luftverkehrsmarkt wird damit der Konkurrenzdruck zwischen Branchenprimus Lufthansa und Air Berlin weiter an Schärfe gewinnen. Und von den früher vielen großen eigenständigen Airlines in Deutschland ist jetzt nur noch die Flugtochter der TUI allein.

Per Aktientausch zur Condor

Air-Berlin-Chef Joachim Hunold hat damit binnen weniger Jahre eine der größten europäischen Fluggesellschaften geschaffen. Die Übernahme von Condor soll nun durch einen Aktientausch erfolgen: Der Tourismus-Konzern Thomas Cook gibt seine Condor-Anteile an Air Berlin ab - und erhält dafür knapp 30 Prozent von Air Berlin. «Angesichts des schnell fortschreitenden Konzentrationsprozesses in der europäischen Luftfahrt ist die Integration der Condor in die Air-Berlin-Gruppe ein wichtiger Schritt der Zukunftssicherung für beide Unternehmen», sagt Hunold.

Allerdings hat der 58-jährige Airline-Manager noch zwei Hürden zu überwinden. So hat die Lufthansa, die einst 50 Prozent von Thomas Cook besaß, noch immer einen Minderheitenanteil von knapp 25 Prozent an Condor und könnte die Pläne durchkreuzen. Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber machte aber am Donnerstag klar, dass er schon beim Rückzug der Lufthansa aus der Tourismus-Sparte davon ausgegangen war, dass Condor an den Konkurrenten fallen könnte. "Es war ein Vorgang, mit dem wir rechnen mussten", sagte er. Ob Lufthansa die Übernahme aber tatsächlich blockiert, ließ er offen. "Wir werden uns zunächst das Angebot erstmal ansehen müssen, wir kennen es ja inhaltlich noch nicht."

Kartellamt hat Bedenken

Die zweite Hürde könnte das Bundeskartellamt sein. Vor allem im Charterflugbereich würde mit Air Berlin, LTU und Condor zusammen eine starke Marktstellung entstehen. Andererseits ist der Markt längst nicht mehr nur an nationalen Grenzen ausgerichtet - so steht Air Berlin etwa auch zur irischen Ryanair in Konkurrenz. Und die Grenzen zwischen Billigfliegern, Charter-Airlines und traditionellen Fluggesellschaft sind in den vergangenen Jahren immer stärker verwischt. Zudem hatte das Bundeskartellamt schon bei der Übernahme von LTU auch die Zusammenarbeit von Air Berlin und Condor im Blick, heißt es in der Branche.

Als Strippenzieher der Millionen-Deals gilt der Vorstandschef von Arcandor, Thomas Middelhoff. Der Konzern, früher unter KarstadtQuelle bekannt, hält 52 Prozent an Thomas Cook. Mit der Beteiligung an Air Berlin kann der Tourismusriese ("Neckermann") nun auch als erster auf die Kapazitäten der Air-Berlin-Gruppe zurückgreifen, heißt es aus seinem Umfeld. Und der Lufthansa gab Middelhoff am Donnerstag eine Frist von acht Tagen, über die Abgabe des Condor-Restes zu entscheiden. Sollte Lufthansa nicht mitziehen, würde Thomas Cook künftig bei Air Berlin statt bei Condor die Plätze ordern, drohte er.

Gewinndämpfer im zweiten Quartal

Ob die neuerliche Beschleunigung des Expansionskurses bei Air Berlin Früchte trägt, muss sich indes noch zeigen. Im zweiten Quartal musste Hunold gerade einen empfindlichen Gewinndämpfer ausweisen, wegen möglicher Verstöße gegen Informationspflichten nahm die Finanzaufsicht BaFin Prüfungen auf. Das Tempo der Zukäufe im zweiten Jahr als börsennotiertes Unternehmen sei ungewöhnlich hoch, meinten Analysten am Finanzplatz Frankfurt. "Es bleibt die spannende Frage offen, wie Air Berlin die Integration all seiner Käufe schaffen wird." Denn Air Berlin, LTU und Condor haben sehr unterschiedliche Konzepte - und bislang eine völlig andere Firmenkultur.

Bleibt die Frage, wie nun Lufthansa strategisch auf diesen Schritt reagiert. Mit ihrer Beteiligung an der Schweizer Swiss, dem Aufbau des Billigfliegers Germanwings oder auch der Einführung von 99-Euro- Tickets hat sie ihr Angebot schon deutlich breiter aufgestellt. Doch Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber hatte unlängst zu verstehen gegeben, dass er den Konzentrationsprozess in der europäischen Luftfahrtbranche längst noch nicht für abgeschlossen hält.

Rochus Görgen und Sascha Meyer/DPA / DPA