Airbus A380 Der erste Kunde bestellt bei Boeing


Wegen der Auslieferungsprobleme beim A380 ist EADS an der Börse kräftig abgestraft worden. Der erste Kunde des Superjumbo hat sich bereits an die Konkurrenz gewandt.

Airbus stürzt durch die Fertigungsprobleme beim Superjet A380 noch tiefer in die Krise und stellt Arbeitsplätze und Fertigstandorte auf den Prüfstand. Der EADS-Mutterkonzern hatte eine weitere Verzögerung der A380-Auslieferungen um ein weiteres Jahr und zusätzliche Milliardenbelastungen angekündigt.

Die Aussicht auf Milliardeneinbußen bei Airbus rissen am Morgen die EADS-Aktie in die Tiefe. Zur Eröffnung brach der Kurs um rund zehn Prozent auf 20,50 Euro ein. Bis zum späten Vormittag erholte sich das Papier etwas und notierte gut sechs Prozent schwächer als am Vortag.

Der Flugzeugbau- und Rüstungskonzern hatte am Vorabend mitgeteilt, dass die Auslieferung des A380 um ein weiteres Jahr verschoben werden muss. Bis 2010 rechnet EADS wegen der A380-Verzögerung nun mit einer Belastung des Ertrags vor Steuern und Zinsen (Ebit) um 4,8 Mrd. Euro. Das sind 2,8 Mrd. Euro mehr als noch im Juli angenommen. Dabei sind noch nicht die bekannten Milliardenbelastungen berücksichtigt, die sich aus der kompletten Neuentwicklung des Langstreckenflugzeugs A350 ergeben.

Kunden enttäuscht

Wegen der erneuten Verzögerung beim A380 greift der Erstkunde Singapore Airlines auf Boeing zurück. Die geplante Kapazitätserweiterung werde nun zunächst mit 19 neuen Maschinen des Typs Boeing 777-300 erfolgen, teilte die Fluggesellschaft mit. Singapore Airlines will dem A380 aber treu bleiben. Die Fluggesellschaft werde weiterhin als erster das größte Passagierflugzeug der Welt mit 555 Plätzen einsetzen und keine der zehn Festbestellungen stornieren. Airbus werde eine Entschädigung für die Verzögerung zahlen, hieß es.

Singapore Airlines soll nun im Oktober 2007 die erste Maschine erhalten. Auch die 2008 ausgelieferten nächsten drei Maschinen sollen an die Fluggesellschaft gehen. Die Verzögerungen seien enttäuschend, zumal die Flugtests gut verliefen und es nur an der Produktion hapere, hieß es aus der Fluggesellschaft.

Auch die australische Qantas zeigte sich enttäuscht über die Verzögerung. Mit dem verlängerten Einsatz der Boeing 747-400 könne man aber Kapazitätsprobleme vermeiden, sagte Finanzchef Peter Gregg in Sydney. Qantas hat zwölf A380 geordert. Größter Kunde ist Emirates mit 43 Bestellungen vor der Lufthansa mit 15 Maschinen. Lufthansa bekommt den ersten A380 nach eigenen Angaben nun erst 2009. Insgesamt hat Airbus bisher 159 A380 verkauft.

Proteste gegen Arbeitsplatzverlagerung

Führende Wirtschaftspolitiker warnten EADS davor, im Rahmen des neu aufgelegten Sparprogramms Produktionskapazitäten für den A380 von Deutschland nach Frankreich zu verlagern. "Eine solche Verlegung könnte die deutsche Politik nicht widerstandslos hinnehmen", sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Laurenz Meyer der "Bild"- Zeitung.

Der SPD-Wirtschaftsexperte Rainer Wend sagte: "Wir müssen Airbus sehr offensiv klarmachen, wie es von Deutschland profitiert - und dass das nicht gottgegeben ist." Der Grünen-Wirtschaftsexperte Matthias Berninger drohe sogar mit der Rückforderung staatlicher Finanzierungshilfen. "Das Unternehmen sollte bei fairer Arbeitsteilung bleiben, statt Probleme durch Missmanagement beim A380 auf Hamburg abzuwälzen. Ansonsten sollte die Stadt prüfen, ob sie EADS ihre erheblichen Vorleistungen in Rechnung stellen kann", sagte Berninger dem Blatt.

Nach französischen Medienberichten gibt es derzeit interne Überlegungen bei EADS, die Auslieferung des Superjets A380 von Hamburg komplett nach Toulouse zu verlegen, Teile der Montage aber in Hamburg zu belassen.

"Verzögerung ist kein Fiasko"

Die insgesamt zweijährige Verzögerung bei der Fertigung des Airbus A380 für 555 Passagiere sei "kein Fiasko". Verzögerungen seien bei einem so großen Industrieprojekt immer möglich, sagte der französische Wirtschaftsminister Thierry Breton am Dienstagabend im französischen Fernsehen.

Für seinen Sanierungsplan "Power8" erhalte der Konzern jedenfalls die Rückendeckung der französischen Regierung. Der Plan sei "realistisch und glaubwürdig", sagte Breton. Frankreich ist selbst EADS-Aktionär.

DPA DPA

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