Airbus-Chef Jobs bleiben in Hamburg


Trotz der Schwierigkeiten mit dem Riesenflieger A380 hat der Airbus-Chef versichert, dass in Hamburg keine Jobs in der Fertigung abgebaut werden. Doch es gibt Zweifel an einem weiteren Milliardenprojekt des Flugzeugbauers.

Der deutsche EADS-Co-Chef Thomas Enders hat Zweifel an einem weiteren Milliardenprojekt von Airbus erkennen lassen. Auf die Frage, ob die Entwicklung des Langstreckenflugzeugs A350 XWB möglicherweise nicht gestartet werde, sagte Enders der "Financial Times Deutschland": "Das kann ich nicht ausschließen. Angesichts der schwierigen Situation, in der wir uns jetzt befinden und der Tragweite der A350-Entscheidung kann es keinen Automatismus geben." Die Entscheidung müsse sorgfältig geprüft werden und sei noch nicht gefallen. Das im Sommer vorgelegte A350-Konzept sei überzeugend und die Reaktion der Fluggesellschaften positiv.

Glos trifft Airbus-Chef

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos will sich mit Airbus-Chef Christian Streiff und dem Hamburger Bürgermeister Ole von Beust in Berlin treffen, um über die Lage des Konzerns zu sprechen. Mit Blick auf Berichte, EADS überlege den Abzug der A380-Produktion aus Hamburg hatte Glos eine ausgewogene Verteilung der Einsparungen gefordert.

Im Hamburger Werk hängen 2.500 Jobs direkt von der A380 ab. Streiff hatte im "Hamburger Abendblatt" erklärt, Airbus wolle bei dem geplanten Sparprogramm zum Ausgleich der Belastungen durch die A380-Verzögerung keine Stellen in der Fertigung abbauen." Ich erwarte keine Reduzierung der Stellen bei den Werkern, weil die Auftragsbücher voll sind", sagte Streiff. Dagegen müsse bei Zeitarbeitskräften außerhalb der Produktion gespart werden. Für das Zwei-Milliarden-Euro-Sparprogramm sollten die Kosten bei Material, Qualitätssicherung und Verwaltung um 30 Prozent gesenkt werden, sagte Streiff weiter. Über die Arbeitsverteilung zwischen den verschiedenen Airbus-Werken solle frühestens Anfang 2007 entschieden werden.

Der SPD-Politiker und frühere Hamburger Erste Bürgermeister Ortwin Runde hat ein Eingreifen der Politik gefordert, um die Verlagerung von Airbus-Arbeitsplätzen nach Frankreich zu verhindern. Die deutschen Politiker müssten wachsam bleiben, "weil es immer Bestrebungen gegeben hat, dann Arbeitsanteile nach Frankreich zu verschieben", sagte Runde im Deutschlandfunk.

Deutschland habe in den vergangenen Jahrzehnten nicht unerhebliche Summen in das Airbus-Projekt investiert. "Und wir müssen ein Interesse daran haben, dass dieses Projekt auch weiterhin erfolgreich ist." Einen Bedarf an staatlichen Hilfen für den Airbus-Mutterkonzern EADS sehe er derzeit nicht, sagte Runde, der auch dem Finanz- und Haushaltsausschuss des Bundestages angehört.

A380 nach Toulouse, A320 nach Hamburg?

Der Airbus-Mutterkonzern EADS hatte eine weitere Lieferverzögerung beim A380 um durchschnittlich ein Jahr angekündigt. Um Gewinneinbußen auszugleichen und auf den schwachen Dollar-Kurs zu reagieren, hatte das Unternehmen ein neues Sparprogramm über zwei Milliarden Euro angekündigt. In der Branche wird spekuliert, dass die Fertigungsanteile für den doppelstöckigen A380 von Hamburg nach Toulouse verlagert werden könnten. Im Gegenzug könnte die Montage des kleineren A320 der Hansestadt zugeschlagen werden.

Doch Wirtschaftssenator Gunnar Uldall geht davon aus, dass der A380 in Hamburg gebaut werden wird. EADS könne den Vertrag mit der Stadt nicht aus "wirtschaftlichen Gründen" kündigen, sagte der CDU-Politiker der "Frankfurter Rundschau". Dies sei "klar festgeschrieben". Zudem würde die Verlagerung das Risiko einer weiteren Auslieferungsverzögerung beinhalten.

Uldall plädierte dafür, dass der Bund über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) Anteile an EADS kauft. Das Gleichgewicht zwischen Frankreich und Deutschland müsse Voraussetzung bleiben bei dem grenzüberschreitenden Projekt.

Reuters/DPA DPA Reuters

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