Airbus Streiff soll Rücktritt angeboten haben


Eine Meldung über Airbus-Chef Christian Streiff sorgt für Unruhe. Der Manager, erst drei Monate im Amt, soll dem Mutterkonzern EADS seine Demission angeboten haben.
Von Gerhard Hegmann

Ein EADS-Sprecher wollte gegenüber der FTD Berichte über einen eingereichten Rücktritt von Streiff "nicht kommentieren". "Ich kann dementieren, dass es einen Beschluss des Verwaltungsrates über einen Rücktritt gibt."

Der amerikanische Fernsehsender CNBC hatte zuvor berichtet, der Airbus-Mutterkonzern EADS habe die Demission von Streiff angenommen. Am Freitagmorgen hatte bereits das französische Magazin "Challenges" für Aufsehen gesorgt, das berichtet hatte, Streiff plane einen Wechsel zum Autobauer PSA Peugeot Citroen.

Ein Rücktritt von Streiff würde die aktuelle Krise beim größten europäischen Flugzeugbauer Airbus deutlich verschärfen. Jüngst hatte der Airbus-Mutterkonzern EADS mitgeteilt, dass die erneute Verzögerung des Riesenairbus A380 insgesamt 4,8 Mrd. Euro bis 2010 kostet.

Streiff galt als gute Besetzung

Der 52-jährige Streiff übernahm erst Anfang Juli die Position des Präsidenten und Vorstandsvorsitzenden bei Airbus. Zuvor war er bis Mai 2005 beim französischen Baustoffkonzern Saint Gobain die Nummer zwei. Streiff galt bei seiner Nominierung im Sommer als gute Besetzung.

Nach dem Rücktritt des deutschen Airbus-Chefs Gustav Humbert im Zusammenhang mit der A380-Krise im Juni war Streiff schnell verfügbar, konnte Industrieerfahrung vorweisen und hatte mit seinem französischen Pass die Unterstützung der Pariser Regierung als EADS-Großaktionär. Zudem war Streiff auch dem EADS-Großaktionär DaimlerChrysler gut bekannt, weil er im Aufsichtsrat der Automobilzulieferer Continental und Thyssen-Krupp sitzt.

Kostensenkung um zwei Milliarden Euro

Für Aufsehen sorgten jüngst Äußerungen von Streiff über die internen Airbus-Strukturen. Darin wirft er dem Luftfahrthersteller vor, im Kern noch kein integriertes Unternehmen zu sein. Zudem kritisierte er Schatten-Hierachien bei Airbus und forderte eine neue, offene Unternehmenskultur. Anfang Oktober gab Airbus bekannt, dass im Zuge eines Programms (Power8) zur Kostensenkung und Wettbewerbsverbesserung ab 2010 die Kosten um zwei Milliarden Euro gesenkt werden sollen. Die Produktivität müsste um 20 Prozent verbessert werden. Der deutsche EADS-Co-Chef Thomas Enders, an den Streiff berichtet, hatte sich für drastische Einschnitte in der Airbus-Struktur ausgesprochen. Die bisherigen Tabuthemen wie die auf politischen Druck entstandenden doppelten Endmontagelinien oder Auslieferzentren in Deutschland und Frankreich müssten jetzt nach betriebswirtschaftlichen Kriterien untersucht werden.

In Branchenkreisen heißt es, dass ein möglicher Ausstieg von Streiff mehrere Gründe haben könnte: Zum einen will EADS seine wichtigste Tochter Airbus nach dem Ausstieg von BAE Systems als Mitgesellschafter jetzt stärker integrieren. Damit würde die weitgehende Eigenständigkeit aufgehoben und Streiff müsste sich stärker vor allem mit dem deutschen EADS-Co-Vorsitzenden Thomas Enders abstimmen.

Zum anderen wird die anstehende notwendige Restrukturierungsarbeit bei Airbus im Netzwerk der politischen Abhängigkeiten und wichtigen Schlüsselentscheidungen über die künftige Modellpolitik als enorme Herausforderung für einen branchenfremden Manager angesehen. Im Frühjahr 2007 finden in Frankreich Präsidentschaftswahlen statt, so dass zuvor kaum unpopuläre Einschnitte verkündet werden könnten. Deutsche Politiker haben ebenso Vorbehalte gegen einen Stellenabbau angemeldet. Die Schlüsselfrage sei, welche Kapazitätseinschnitte überhaupt politisch durchsetzbar sind, heißt es.

FTD

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