HOME

Angeschlagener Autobauer: Opelaner wollen Staatshilfe erzwingen

Die Opel-Mitarbeiter wollen notfalls Werke lahmlegen, um die Zusage der Bundesregierung für Staatshilfe zu erhalten. Der Betriebsrat kündigte "kreative Lösungen" im Kampf für den Erhalt der Opel-Werke an - eine freundliche Umschreibung für Streiks. Die Vertragshändler bringen unterdessen eine eigene Beteiligung an Opel ins Spiel.

Die Opel-Beschäftigten wollen notfalls mit Arbeitsniederlegungen für den Erhalt der Werke kämpfen. Die Bundesregierung müsse rasch über mögliche Hilfen für den Autobauer verhandeln. "Anderenfalls werden wir kreative Lösungen finden, die Arbeitsplätze zu retten", sagte der Bochumer Betriebsratsvorsitzende Rainer Einenkel der "Berliner Zeitung" vom Dienstag. Denkbar seien Demonstrationen und Informationsveranstaltungen, womit Gewerkschaften oft Arbeitsniederlegungen innerhalb der Friedenspflicht bezeichnen. Von solchen Aktionen seien alle deutschen Werke betroffen, sagte Einenkel der Zeitung.

Deutschlands Opel-Händler wollen sich an dem angeschlagenen Autobauer beteiligen und damit zur Rettung des Unternehmens beitragen. Der Vorstand des Verbandes Deutscher Opel-Händler (VDOH) werde seinen Mitgliedern in der Jahreshauptversammlung am 19. März empfehlen, einem Beteiligungsmodell zuzustimmen, teilte der Verband mit. Über einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren solle ein Teil der Gewinne von jedem verkauften Neuwagen in einen geschlossenen Fonds eingezahlt werden, der seinerseits eine Beteiligung an Opel erwerben solle. Die europäische Händlerorganisation Euroda hatte im Februar von einigen hundert Euro pro Wagen gesprochen.

Der Verband forderte, die GM-Tochter Opel zu einer europäischen Aktiengesellschaft umzuwandeln, möglichst mit Sitz am Stammsitz Rüsselsheim. "Wir Opel-Händler wissen aus erster Hand um die Leistungsfähigkeit dieses deutschen Traditionsunternehmens", heißt es in der Mitteilung. Opel bemüht sich derzeit um mehr Eigenständigkeit von seinem von der Insolvenz bedrohten Mutterkonzern General Motors (GM) und hat dabei auch den Staat um Milliardenhilfe gebeten.

Unterdessen gibt es handfesten Streit zwischen dem Autobauer und dem Arbeitgeberverband Gesamtmetall. Die Opel-Geschäftsführung und der Gesamtbetriebsrat kritisierten Äußerungen von Gesamtmetall-Chef Martin Kannegiesser, der eine Insolvenz des Autobauers für weniger tragisch erklärt hatte als staatliche Hilfe.

"Es ist sehr befremdend, wie Sie als Vorsitzender von Gesamtmetall über ein Mitgliedsunternehmen richten, ohne dass Sie sich konkrete Informationen von den Verantwortlichen bei Opel oder GM Europe eingeholt haben", heißt es in einem der "Frankfurter Rundschau" vorliegenden offenen Brief. "Wir erwarten, dass ein bedeutendes Mitgliedsunternehmen von seinem Verband Unterstützung erfährt und er ihm nicht in den Rücken fällt", schreiben Opel-Geschäftsführer Hans Demant und der Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz. Ihnen sei absolut unverständlich, "wie Sie die negativen finanziellen Auswirkungen auf die zahlreichen mittelständischen Unternehmen in der Zulieferindustrie und Dienstleistungen ignorieren". Dies wäre bei einem Scheitern von Opel der Fall.

"Derzeit können wir nicht wählerisch sein"

Bei der Suche nach Partnern ist der angeschlagene Autobauer Opel offenbar auch bereit, Finanzinvestoren zu akzeptieren. "Derzeit können wir nicht wählerisch sein" sagte Gesamtbetriebschef Franz der "Welt". Zwar wäre ein Partner aus der Automobilindustrie am besten, aber vorstellbar sei "auch ein Finanzinvestor, so lang der die Mitbestimmungsrechte garantiert". Die Wunschkandidaten von Opel, Daimler und BMW, haben bereits erklärt, sich nicht beteiligen zu wollen.

Bereits gestern war bekannt geworden, dass sich die deutschen Opel-Beschäftigten auf harte Einschnitte einstellen müssen. Der Chef des Eisenacher Opel-Betriebsrats, Harald Lieske, sagte der Nachrichtenagentur AP, die Arbeitgeberseite habe eine Lohnsenkung im zweistelligen Prozentbereich vorgeschlagen. Gleichzeitig wurde bekannt, dass das Unternehmen die den Beschäftigten seit Februar zustehende Lohnerhöhung von 2,1 Prozent zurückhält.

Die Wirtschaftsminister von Bund und Ländern wollen an diesem Dienstag in Berlin über die Wirtschaftskrise beraten. Dabei dürfte auch Opel zur Sprache kommen. Das Unternehmen hat in vier Bundesländern Standorte. Mit einer Entscheidungen über Staatshilfen ist allerdings nicht vor Ende des Monats zu rechnen. Erst dann dürfte die Strategie zur Krisenbewältigung beim US-Mutterkonzern General Motors klar sein.

Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) wird am Wochenende in die USA reisen, um dort Gespräche über die Zukunft von Opel zu führen. Darüber hinaus plant Kanzlerin Angela Merkel, am 31. März in Rüsselsheim mit Beschäftigten des Autobauers zu sprechen.

Unionsfraktionschef Volker Kauder bekräftigte im Deutschlandfunk, dass Opel ein zukunftsfähiges Konzept vorlegen müsse. "Wir können auf gar keinen Fall Geld in eine Firma hineingeben, die keine Zukunftsperspektive hat", sagte er.

AP/Reuters/DPA / AP / DPA / Reuters