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Lieferengpass beim iPhone: Coronavirus bremst Apple härter aus als gedacht

Apples Geschäft wird härter vom Coronavirus getroffen als zunächst erwartet. Der Konzern sah sich nun gezwungen, seine Umsatzprognose zu kassieren. Auch andere Tech-Konzerne spüren allmählich die Folgen der neuartigen Lungenkrankheit.

Die Stores sind weitgehend verwaist: Wegen des Coronavirus blieben viele Geschäfte in China geschlossen.

Die Stores sind weitgehend verwaist: Wegen des Coronavirus blieben viele Geschäfte in China geschlossen.

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Erst vor wenigen Wochen präsentierte Apple-Chef Tim Cook seinen Anlegern glänzende Zahlen: Noch nie verdiente der iPhone-Konzern so viel wie im vergangenen Weihnachtsgeschäft. Der Ausblick auf das Frühjahrsquartal fiel jedoch durchwachsen aus: Der Umsatz könnte 63 bis 67 Milliarden US-Dollar betragen, schätzte das Unternehmen. Eine ungewöhnlich große Spanne. Man könne jedoch nicht abschätzen, wie sich die Situation rund um das Coronavirus in China - das Land ist einer der größten Zulieferer und zugleich Märkte für Apple - entwickelt, erklärte Cook damals gemeinsam mit seinem Finanz-Chef Luca Maestri.

Wie es aussieht, entwickeln sich die Dinge schlechter als erwartet.

iPhone temporär nur eingeschränkt verfügbar

Am Montagabend deutscher Zeit kassierte Apple die Umsatzprognose für das laufende Quartal. Grund dafür sei das Coronavirus, schreibt der Tech-Konzern in einem Brief an seine Investoren. So gebe es bei iPhones Lieferengpässe durch die eingeschränkte Produktion in China. Zudem sei der Absatz von Apple-Geräten in China beeinträchtigt, da viele Geschäfte und die hauseigenen Stores geschlossen oder nur mit verkürzten Öffnungszeiten geöffnet seien.

Prof. Dr. med. Johannes Knobloch

Angesichts der vielen Toten und Zehntausenden Infizierten ist der Umsatzrückgang eines Unternehmens zweifelsohne ein nachrangiges Problem. Aber Apples Umsatzwarnung zeigt, dass die Coronavirus-Epidemie inzwischen auch gravierende finanzielle Auswirkungen auf die westlichen Märkte hat. Die Folgen scheinen kaum absehbar zu sein, eine neue Prognose für die kommenden Quartalszahlen nannte Apple nicht.

Langfristige Rückgänge wird es Analysten zufolge jedoch nicht geben, vielmehr rechnen sie damit, dass sich die Nachfrage nach Apple-Produkten in den späteren Jahresverlauf verschiebt.

Tim Cook wendet sich an Mitarbeiter und Anleger

In einem Rundschreiben an seine Mitarbeiter schrieb Tim Cook: "Unsere erste Priorität - jetzt und immer - ist die Gesundheit und Sicherheit unserer Mitarbeiter, der Partner in der Lieferkette, der Kunden und der Gemeinden, in denen wir tätig sind. Unsere tiefe Dankbarkeit gilt denjenigen, die an vorderster Front stehen, um diesem öffentlichen Gesundheitsnotstand zu begegnen."

Cook betonte, die aktuellen Beeinträchtigungen seien aus seiner Sicht nur temporär. Außerhalb Chinas sei die Nachfrage nach Produkten und Diensten so hoch wie zuvor, insgesamt stehe die Firma auf soliden Beinen. Der Konzern kündigte zudem an, seine Spenden zur Unterstützung der Bekämpfung der Erkrankung zu verdoppeln.

Die meisten Werke der Apple-Fertiger befinden sich zwar außerhalb der Provinz Hubei, die besonders stark vom Ausbruch der neuartigen Lungenkrankheit Covid-19 betroffen ist. Doch im gesamten Land wurden die traditionellen Ferien zum chinesischen Neujahrsfest verlängert, um eine Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Viele iPhone-Produktionsstätten haben bereits wieder geöffnet, dort laufe Medienberichten zufolge die Produktion aber langsamer als gedacht an.

Auch andere Konzerne spüren Corona-Folgen

Unklar ist, ob diese Verzögerungen Auswirkungen auf neue iPhone-Modelle haben. Für Ende März wird das erste Special-Event in diesem Jahr erwartet, dort wird Apple "Bloomberg" zufolge unter anderem ein neues Einsteiger-iPhone vorstellen. Auch das iPhone 12 wird wie geplant im Herbst auf den Markt kommen, womöglich seien einige Modelle jedoch nur eingeschränkt verfügbar, schreibt "Digitimes".

Apple ist nicht der einzige Elektronik-Anbieter, der die Folgen der Coronavirus-Epidemie zu spüren bekommt. So warnte der Konsolen- und Videospielhersteller Nintendo bereits Anfang Februar vor Engpässen bei seiner Spielekonsole Switch. Der Grund dafür sind knappe Bauteile aus China.

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