Autobauer-Fusion Chrysler und Fiat besiegeln Allianz


Der drittgrößte US-Autobauer Chrysler hat seine Allianz mit dem italienischen Autobauer Fiat besiegelt und kann nun neu durchstarten. Die entsprechenden Papiere wurden in New York unterzeichnet. Künftig will sich das Autobauer-Doppel auf den Bau von Kleinwagen konzentrieren.

Erst wenige Stunden zuvor hatte das Oberste Gericht der USA den Weg für den raschen Einstieg von Fiat bei dem insolventen US-Autobauer frei gemacht. Der Supreme Court hob die am Montag verfügte Blockade des Geschäfts wieder auf, die eine kleine Gruppe von Gläubigern beantragt hatte. Sie hätten nicht nachweisen können, dass eine solche Verzögerung gerechtfertigt sei, hieß es zur Begründung.

Schnelle Fusion lässt GM hoffen

Beide besiegelten am Mittwoch nach Chryslers nur gut fünfwöchigem Insolvenzverfahren in New York ihre Allianz. Zum Chef der neuen Chrysler Group LLC wurde umgehend Fiat-Vorstandsvorsitzender Sergio Marchionne ernannt. Fiat bekommt beim Einstieg zunächst 20 Prozent an dem US-Autobauer und soll seine Anteile langfristig auf 35 Prozent aufstocken. "Dies ist ein bedeutsamer Tag", sagte Fiat-Chef Sergio Marchionne, der künftig auch Vorstandschef des amerikanischen Herstellers ist. Das gelte nicht nur für die Chrysler- Beschäftigten, sondern auch für die weltweite Autoindustrie.

Der ungewöhnlich schnelle Abschluss des Insolvenzverfahrens gibt auch dem größten US-Autobauer General Motors (GM) Anlass zur Hoffnung. Die bisherige Opel-Mutter steckt seit Anfang des Monats in der Insolvenz und will binnen 60 bis 90 Tagen einen Neuanfang über eine weitgehende Verstaatlichung schaffen. Der Fall ist allerdings weit komplizierter.

Chrysler braucht Fiats Know-How

"Wir beabsichtigen, auf Chryslers Innovations-Kultur und Fiats Technologie und Fachverstand aufzubauen, um Chryslers Produktpalette in Nordamerika und darüber hinaus auszubauen", sagte Marchionne. Umweltfreundliche, verbrauchsarme, hochqualitative Fahrzeuge sollen künftig zum Markenzeichen werden, kündigte er an. Die Italiener zahlen für den Einstieg kein Geld, sondern bringen dringend benötigte spritsparende Technik und Kleinwagenmodelle ein.

"Wir beabsichtigen, auf Chryslers Innovations-Kultur und Fiats Technologie und Fachverstand aufzubauen, um Chryslers Produktpalette in Nordamerika und darüber hinaus auszubauen", sagte Marchionne. Umweltfreundliche, verbrauchsarme, hochqualitative Fahrzeuge sollen künftig zum Markenzeichen werden, kündigte er an. Die Italiener zahlen für den Einstieg kein Geld, sondern bringen dringend benötigte spritsparende Technik und Kleinwagenmodelle ein.

Marchionnes Meisterstück

Mit der raschen Fusion hat Sergio Marchionne sein ehrgeiziges Ziel erreicht, zweitgrößter Autobauer der Welt zu werden. Nur etwa fünf große Hersteller mit einem Jahresabsatz von mindestens rund sechs Millionen Autos können langfristig überleben, glaubt der Fiat-Chef. Mit dem Einstieg beim US-Autobauer Chrysler gelang dem 56- Jährigen nun sein erster Streich, das Bieterrennen um Opel hatte er dagegen kurz zuvor vorerst verloren. Zusammengerechnet kamen Fiat und Chrysler 2008 auf lediglich gut vier Millionen verkaufte Autos. Branchenprimus Toyota setzte fast neun Millionen Wagen ab. Aus diesem Grund braucht Fiat dringend weitere Partner oder Übernahmeziele.

So hofft der italienische Autobauer insgeheim noch auf ein Scheitern der Opel-Übernahme durch den österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna. Unabhängig von der "Operation Berlin" ist Marchionne italienischen Medien zufolge weiter an anderen Teilen der bisherigen Opel-Mutter General Motors interessiert, etwa an den Südamerika-Aktivitäten. Fiat besitzt selbst Werke zum Beispiel in Brasilien, wo der Konzern rund 25 Prozent Marktanteil hält. Mit dem GM-Geschäft könnten die Italiener ihre Position in Ländern wie Mexiko, Venezuela und Chile ausbauen, heißt es.

Fiat weiter auf Einkaufstour

Bargeld haben die hoch verschuldeten Italiener auf ihrer Einkaufstour kaum zu bieten. Marchionne führte den Traditionskonzern aus Turin zwar seit 2004 vom Ruin zu neuen Erfolgen. Die aktuelle Krise bremste aber auch Fiat heftig. "2009 wird das schwierigste Jahr meines Lebens", prophezeite der krisenerprobte Manager schon im Januar.

Fiat will durch die Fusion auf dem US-Markt wachsen. Chrysler hat 38.000 Beschäftigte in den Vereinigten Staaten und 54.000 weltweit.

Genug Alternativen für die Italiener

Als weitere mögliche Beute soll der Fiat-Chef brancheninternen Gerüchten zufolge die chronisch verlustreiche GM-Tochter Saab im Auge haben. Große Stückzahlen winken hier aber nicht: Die Schweden fertigten 2008 weniger als 100.000 Autos. Sollten alle GM-Pläne platzen, gäbe es für Fiat Alternativen in anderen Ecken der Welt wie Indiens Tata Motors. Aber auch in direkter Nachbarschaft gibt es potenzielle Partner wie BMW oder die Gruppe PSA Peugeot Citroën. BMW mit zuletzt gut 1,4 Millionen verkauften Autos war schon einmal kontaktiert worden. Die Bayern sind aber seit ihrem Debakel bei Rover gebrannte Kinder.

Die französische PSA-Gruppe gilt dagegen bei manchen Analysten als Favorit, bietet sie doch einen Jahresabsatz von zuletzt knapp 3,3 Millionen Autos. Marchionne wäre mit einem Schlag am Ziel. PSA zeigt sich überdies grundsätzlich offen für Allianzen.

Langfristiger Erfolg eher unwahrscheinlich

Zunächst aber muss Marchionne Chrysler wieder fit für den amerikanischen Markt machen. Auf ein dauerhaftes Überleben mag aber kaum ein Analyst wetten. Die Verkaufszahlen der drei Marken Chrysler, Jeep und Dodge brachen im Mai zusammen erneut um knapp 50 Prozent ein.

Außerdem hat hat Marchionne mit seinem Anteil von nur 20 Prozent keine freie Hand bei der Umgestaltung des Konzerns. Vorerst hält die Autogewerkschaft UAW - im Gegenzug für Milliarden-Zugeständnisse - über ihren Betriebsrentner- Gesundheitsfonds die Mehrheit am neuen Unternehmen. Den Rest bekommen die USA und Kanada. Fiat darf erst die Mehrheit übernehmen, wenn alle Schulden gegenüber den beiden Staaten abbezahlt sind. Die bisherigen Gläubiger müssen sich im Zuge des Verkaufs mit rund zwei Milliarden Dollar zufriedengeben. Bei ihnen stand Chrysler zuletzt mit knapp sieben Milliarden Dollar in der Kreide.

Neben dem enormen Schuldenberg könnte dem Autobauer-Doppel für dauerhafte Gewinne die ausreichende Größe fehlen. Gemeinsam kamen sie 2008 rechnerisch auf rund 4,2 Millionen verkaufte Autos. Marchionne bezeichnete stets knapp sechs Millionen Fahrzeuge als die kritische Marke. Bis zum erfolgreichen Start neuer Chrysler-Modelle in den USA könnte nach Ansicht der Fachleute zudem viel Zeit vergehen.

DPA DPA

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