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Autohersteller: Daimler und VW verkaufen besser

Deutschlands große Autobauer gewinnen im ersten Halbjahr weltweit Marktanteile – bei schwachen Renditen. Mercedes bleibt im Absatz weiter hinter der konkurrierenden Luxusmarke BMW. Audi rückt näher.

Im ersten Halbjahr 2006 konnte der Wolfsburger Autobauer VW weltweit rund 2,9 Millionen Fahrzeuge verkaufen. Das sind knapp zwölf Prozent mehr, als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Der Umsatz stieg sogar um 14,2 Prozent auf 51,9 Milliarden Euro. Das deutet darauf hin, dass es dem Konzern gelang mehr höherpreisige Fahrzeuge abzusetzen, als im Vergleichszeitraum. Allerdings erzielte Volkswagen nur ein operatives Ergebnis von knapp vier Prozent gemessen am Umsatz – viel zu wenig für einen Industriekonzern dieser Größe.

Entsprechend zerknirscht gab sich VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch bei der Präsentation der Zahlen: "Trotz der Verbesserung liegen Ergebnis und Rendite weiterhin erheblich unter unseren mittelfristigen Zielen. Der Wettbewerbsdruck wird sich weltweit noch verschärfen, hohe Energie- und Rohstoffpreise belasten zusätzlich unsere Geschäftsentwicklung." Durch die geringe Marge kämpft VW auch in diesem Jahr wieder darum, einen positiven Cash-Flow zu erzielen, also wenigstens die getätigten Investitionen zurück zu verdienen und am Ende des Jahres mehr flüssige Mittel in der Kasse zu haben, als am Anfang.

Absatz von Daimler-Chrysler gestiegen

Auch der Stuttgarter Konkurrent Daimler-Chrysler meldet bessere Zahlen für das erste Halbjahr: Der Absatz der Marken Mercedes, Chrysler, Dodge, Smart und Maybach stieg um ein Prozent leicht auf 2,4 Millionen Fahrzeuge. Bei gleich bleibendem Umsatz von rund 38,6 Milliarden Euro verbesserte sich der Gewinn um elf Prozent auf 1,9 Milliarden Euro.

Der schwäbische Weltkonzern hat allerdings ein neues altes Sorgenkind: die amerikanische Chrysler-Group. Bei ihr sank in den letzten drei Monaten die Zahl der verkauften Fahrzeuge um 50.000 im Vergleich zum Vorjahr. Der Umsatz brach um über eine halbe Milliarde Euro ein und der Gewinn sank um 91 Prozent fast auf Null. Nur die relativ guten Mercedes-Zahlen konnten das Konzernergebnis retten. Damit wechseln beide Marken zum wiederholten Male die Rollen von Ertragsbringer und Sanierungsobjekt.

Mercedes verliert an Boden

Und noch eine Entwicklung dürfte Daimler-Chrysler-Boss Dieter Zetsche Sorgen bereiten: Seine Nobelmarke Mercedes verliert zunehmend den Anschluss im prestigeträchtigen Duell um die Führungsposition unter den Luxusherstellern. Im ersten Halbjahr wurden 607.000 Mercedes an Kunden ausgeliefert. Der Münchener Erzrivale BMW liegt damit weiter klar vor den Stuttgartern und kann seinen Abstand sogar leicht auf über 90.000 Fahrzeuge ausbauen.

Und es kommt noch schlimmer: Auch die VW-Tochter Audi, lange Jahre weit abgeschlagen, auf Rang drei unter den Premiumherstellern, kommt bedrohlich nahe. Im ersten Halbjahr setzten die Ingolstädter im Verbund mit der zur Markengruppe gehörenden VW-Tochter Seat weltweit 722.000 Fahrzeuge ab – schon heute mehr als Mercedes. Die um die Verkäufe von Seat bereinigten Zahlen für Audi werden erst Anfang August veröffentlicht. Experten taxieren Audi jedoch auf etwa eine halbe Million verkaufte Autos.

Jan Boris Wintzenburg