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BILLIGFLIEGER: Kleine Preise, große Ziele

Deutschlands Billigfluggesellschaften sind im Expansionsfieber: Nach Germanwings startet nun auch Hapag-Llloyd-Express am 3. Dezember seinen Linienflugbetrieb.

Deutschlands Billigfluggesellschaften sind im Expansionsfieber: Nachdem Ende Oktober bereits Germanwings, eine Tochter des Branchenriesen Lufthansa und Eurowings, an den Start ging, nimmt ab 3. Dezember auch Hapag-Lloyd Express den Liniendienst auf. Das Gemeinschaftsunternehmen von Germania und dem Touristikkonzern TUI will von Köln aus innerdeutsche und internationale Flugstrecken anbieten. Hapag-Lloyd Express macht damit Germanwings Konkurrenz, die ebenfalls Köln als Heimatflughafen gewählt hat.

Rennen um die besten Preise

Schon jetzt liefern sich beide Airlines ein Rennen um die besten Preise und die attraktivsten Verbindungen: Während Germanwings schon vor dem ersten Flug die Einstiegspreise auf unter 20 Euro pro Strecke senkte und so mit Hapag-Lloyd Express gleichzog, verkündete die TUI-Billiglinie neue Ziele. Neben Hamburg, Berlin, Bergamo,Venedig, Neapel,Pisa und London will Airline-Chef Wolfgang Kurth ab Frühjahr 2003 auch nach Spanien und Frankreich fliegen. »Hier wollen wir besonders Ziele ansteuern, die bisher noch von keiner Low-Cost-Airline angeboten werden«, sagte Kurth zu stern online.

Weitere Strecken kommen

Auch Flüge gen Osten, etwa nach Prag, Budapest oder sogar Moskau hält Kurth für denkbar. Nachdem zunächst nur vier Flugzeuge von Köln aus starten, soll die Zahl der Hapag-Lloyd-Express-Maschinen bis Ende des nächsten Jahres auf zwölf anwachsen. Bereits in den ersten zehn Tagen hat die Airline 55.000 Tickets verkauft.

Germanwings steht nicht nach

Bei solchen Erfolgen will Joachim Klein, Geschäftsführer von Germanwings nicht nachstehen: Weit über 200.000 Buchungen kann Klein bisher vorweisen, 90 Prozent davon über das Internet. Da möchte er den Konkurrenzkampf nicht nur auf die Preise beschränken: »Hapag-Lloyd Express bietet Flüge von Köln nach Hamburg an – das wäre auch für uns interessant«, so Klein. Die neue Verbindung könnte schon in der ersten Jahreshälfte 2003 an den Start gehen. Bereits ab Januar dürften Flüge nach Malaga und Alicante auf dem Plan stehen.

Wachstum soll weitergehen

Weitere mögliche Ziele der Germanwings im nächsten Jahr: Athen, Thessaloniki, Lissabon und Helsinki. Beim Wachstum ist auch Joachim Klein optimistisch: »Wenn das so weitergeht, werden wir im Sommer zehn bis zwölf Maschinen betreiben. Wir wollen Marktführer in Europa werden und streben einen Marktanteil von 20 Prozent an.« Dazu will Klein neben Köln weitere Drehkreuze aufbauen. Im Gespräch sind München und Berlin.

Easyjet bleibt gelassen

Solche markigen Sprüche lassen Ray Webster ziemlich kalt. Der Chef von Easyjet, der größten Billigfluggesellschaft Europas, betreibt schon heute über 60 Maschinen und hat gerade in einem Spektakulären Deal 120 Airbus A319 fest bestellt und weitere 120 Optionen gezeichnet. Außerdem verhandelt Webster über den Kauf der Deutschen BA, der bis Mitte 2003 über die Bühne gehen soll (siehe Interview). Auf einen Schlag hätte Easyjet damit das dichteste aller innerdeutschen Billigflieger-Netze und Landerechte auf allen größeren Deutschen Flughäfen. Möglichst schnell sollen dann die wichtigsten davon mit den großen Easyjet-Zielflughäfen Genf, Paris, Barcelona, Nizza, Amsterdam und natürlich London verbunden werden. Der Preiskampf dürfte dann weitergehen. In Vorfreude auf den Zusammenschluss bietet die Deutsche BA gerade 100000 Tickets zum Schlagerpreis von zehn Euro an.

Jan Boris Wintzenburg