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Max-Chefingenieur John Hamilton In der schwersten Krise wirft Boeings Krisenmanager das Handtuch

John Hamilton, Chefingenieur der Verkehrsflugzeugsparte von Boeing, während einer Anhörung des Handelsausschusses im US-Senat zum Debakel rund um die zwei verheerenden Boeing-Abstürze.
John Hamilton, Chefingenieur der Verkehrsflugzeugsparte von Boeing, während einer Anhörung des Handelsausschusses im US-Senat zum Debakel rund um die zwei verheerenden Boeing-Abstürze.
© Andrew Harnik/AP / DPA
Abschied zur Unzeit: Mitten in der schwersten Krise des Boeing-Konzerns verlässt der Chefingenieur der Verkehrsflugzeugsparte den Luftfahrtriesen. Erst vor Kurzem hatten weitere Führungskräfte das Unternehmen entlassen.

Die Boeing-Krise geht in den zehnten Monat. Noch immer stehen Hunderte Maschinen vom Typ Boeing 737 Max wegen des weltweiten Flugverbots am Boden. Im Verfahren um die Wiederzulassung des Unglücksfliegers nach zwei Abstürzen mit 346 Toten muss der Flugzeugbauer jetzt ohne die Expertise eines der wichtigsten Personen im Unternehmen auskommen: John Hamilton geht in den Ruhestand.

Erst im Frühjahr war Hamilton, der sich bereits im vorigen Jahr auf sein Altenteil zurückziehen wollte, mit dem Krisenmanagement beauftragt worden. "Wir baten ihn, noch zu bleiben, um uns mit den 737-Max-Untersuchungen und den Bemühungen um eine Wiederinbetriebnahme zu helfen", erklärten zwei Boeing-Manager in einem Rundschreiben an Mitarbeiter, das der "Seattle Times" zugespielt wurde.

Boeing-Manager bereits vor US-Kongress geladen

Hamilton gehörte dem Unternehmen seit 1984 an, war ab 2013 über einen Zeitraum von drei Jahren der Vice President of Safety, Security and Compliance und anschließend bis März 2019 der Vice President of Engineering for Boeing Commercial Airplanes.

In seiner Position als Chefingenieur der zivilen Flugzeugsparte musste er auch Ende Oktober bei zwei Anhörungen im US-Kongress zusammen mit Dennis Muilenburg, dem Chef Executive Officer von Boeing, aussagen.

Hamilton geht nicht durch eine große Tür

Dass Hamilton mitten in der Krise das Haus Boeing verlässt, zeigt, wie schwierig sich die Wiederzulassung der Boeing 737 Max gestaltet. Seine Aufgabe haben weder er noch das Unternehmen erledigt. Normalerweise scheidet ein so hochrangiger Manager aus dem Unternehmen nach erfolgreicher Arbeit aus und wird gebührend verabschiedet. Bei ihm reichte laut "Seattle Times" ein internes Memo.

Erst im Juli hatte Eric Lindbald, der Vizechef des Werkes in Renton, wo die Boeing 737 gefertigt wird, das Unternehmen verlassen. Im Oktober wurde Kevin McAllister, der Chef der Verkehrsflugzeugsparte, entlassen.

Wann mit der Wiederaufnahme des Flugbetriebs der Boeing 737 Max zu rechnen ist, bleibt weiterhin offen. Die US-Aufsichtsbehörde FAA unterzieht der überarbeiteten Software einer genausten Prüfung. Zuvor hatte sie den Zertifizierungsprozess bei den 737-Max-Jets zu sehr dem Hersteller überlassen.

Die meisten Airlines, die den umstritten Boeing-Typ in der Flotte beziehungsweise bestellt haben, rechnen nicht mit einer Inbetriebnahme vor März 2020. Großkunde Ryanair plant für den kommenden Sommer mit deutlich weniger Maschinen. Durch die Engpässe werden die Basen in Hamburg, Nürnberg und Stockholm geschlossen.

Quelle: "Seattle Times"
 

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