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Börsengang von General Motors GM treibt doppeltes Spiel


Der US-Autobauer GM hat die ersehnten Unterlagen eingereicht, um auf die Kurszettel zurückkehren zu können. Nach der Aktion "Morgendämmerung" bleibt GM aber faktisch in Staatshand. Der Konzern will mit zwei Aktiengattungen Investoren anlocken.
Von F. Wadewitz, K. Makus und G. Haake

Der Autohersteller General Motors (GM) hat am Mittwoch erste Unterlagen bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht und so die Basis für eine erneute Notierung der Aktien des Konzerns gelegt. Das Unternehmen will dabei zwei unterschiedliche Aktiengattungen ausgeben. Zum einen will der Staat einen Teil seiner Stammaktien verkaufen. Diese beinhalten ein Stimmrecht, die Eigner sollen laut den Unterlagen in absehbarer Zeit aber keine Dividende bekommen. Zum anderen könnten neu geschaffene Vorzugspapiere emittiert werden. Deren Eigner sollen eine Garantieausschüttung erhalten. Mit diesen eher anleiheähnlichen Papieren will der Konzern Investoren wie etwa Pensionsfonds ansprechen, die einen direkten Einstieg scheuen. Spekuliert wird über ein Gesamtvolumen von 15 bis 20 Milliarden Dollar. Wie er sich auf die zwei Aktiengattungen verteilen könnte, geht aus den Unterlagen nicht hervor.

Das Geld aus der Emission der Vorzugsaktien würde dann dem Unternehmen zufließen - etwa für die Entwicklung spritsparender Autos. GM nannte dies in seinem Börsenprospekt als eines der Ziele, um auch jene Kunden zurückzugewinnen, die wegen der Insolvenz abgewandert sind.

Beobachter sind skeptisch

Die Angaben des Unternehmens in dem vorläufigen Börsenprospekt blieben in vielen Punkten vage. So äußerte sich das Management weder zu der Zahl der Aktien, die angeboten werden sollen, noch zu einer möglichen Preisspanne. Auch zum möglichen Termin machte GM keine Angaben. In US-Medien wurde ein Datum zwischen Anfang Oktober und dem wichtigen Feiertag Thanksgiving Ende November spekuliert.

Beobachter erwarten die Erstnotiz an den Börsen auf jeden Fall noch vor den US-Kongresswahlen im November. Sollte der Börsengang gut verlaufen, könnte sich US-Präsident Barack Obama unmittelbar vor der Wahl als erfolgreicher Krisenmanager präsentieren. Experten warnen aber, GM gehe in einer Zeit an die Börse, in der die Wirtschaftaussichten unsicher sind und der Weltmarkt für Autos anfällig für einen erneuten Abschwung ist.

"Ich glaube, das Risiko eines Scheiterns bei dem IPO ist größer als das, weiterhin als 'Government Motors' bezeichnet zu werden", sagte Brad Coulter, Spezialist für Restrukturierungen bei O'Keefe & Associates. Der Präsident der Automotive Consulting Group, Dennis Virag, äußerte sich ähnlich: "Ich glaube nicht, dass jetzt eine gute Zeit für einen Börsengang ist.

Unsichere Nachrfrage

Die Aktien wird laut Börsenunterlagen an der New York Stock Exchange und der Börse in Toronto gelistet. Letzteres gilt als Zugeständnis an die Regierung in Ottawa, die die Rettung des Autoherstellers im vergangenen Jahr unterstützt hatte. Konsortialbanken beim Initial Public Offering (IPO) sind den Unterlagen zufolge große US-Institute wie Morgan Stanley , JP Morgan , Bank of America Merrill Lynch und Citigroup .

Angeboten werde eine noch unbestimmte Zahl von Stammaktien aus dem Besitz der Altaktionäre, teilte GM der Börsenaufsicht mit. Da derzeit kein öffentlicher Markt für die Papiere existiere, könne noch kein Preis genannt werden. Zusätzlich bestehe die Möglichkeit, Käufern der Stamm- auch neue Vorzugsaktien auszugeben. Das könne das Management aber noch nicht garantieren und sich auch nicht über die Anzahl dieser Papiere äußern. Analysten erklärten, das Volumen werde auch von der Nachfrage der Investoren abhängen, die bislang noch weitgehend unklar sei. Zudem müsse bedacht werden, dass GM erst seit zwei Quartalen wieder Gewinne schreibe.

GM soll 80 Milliarden Dollar wert sein

Nach der Rettung des Konzerns im vergangenen Jahr ist die Eignerstruktur kompliziert. Das Finanzministerium in Washington hält 60,8 Prozent der Stimmrechte. Dieser Anteil dürfte sich beim IPO verringern. Mit den Einnahmen würde der Autohersteller Teile seiner Schulden beim Steuerzahler begleichen. Zusätzlich besitzt die US-Regierung Vorzugspapiere im nominellen Wert von 2,1 Milliarden Dollar. Diese würden allerdings zunächst nicht verkauft, betonte das Ministerium in einer Presseerklärung. Auch behalte sich die Behörde das Recht vor, selbst über den zum Verkauf stehenden Anteil an Stammaktien zu entscheiden.

Laut Nachrichtenagentur Bloomberg will sich das US-Finanzministerium zunächst lediglich von rund einem Fünftel seiner Anteile an dem Autobauer trennen. Damit würde Washington indes immer noch knapp 49 Prozent kontrollieren. Die US-Regierung bliebe damit nicht nur größter Anteilseigner und könnte den Einfluss auf das Unternehmen wahren. Zusammen mit eventuell bei der kanadischen Zentralregierung sowie der Provinzregierung von Ontario verbleibenden Anteilen wäre der Autokonzern auch nach dem Börsengang de facto in Staatshand.

Analysten halten einen GM-Börsenwert nach einem Listing von bis zu 80 Milliarden Dollar für denkbar, auch in Anlehnung an den kleineren Rivalen Ford, der mit 40 Milliarden Dollar bewertet ist. Der weltgrößte Autobauer Toyota aus Japan ist an der Börse aktuell rund 121 Milliarden Dollar wert. Um die gesamten 43 Milliarden Dollar Steuergelder, die die US-Regierung in GM-Anteile investiert hat, wieder zurückzubekommen, müsste die Börsenbewertung bei rund 70 Milliarden Dollar liegen.

Überraschende Verzögerungen

Die kanadische Zentralregierung sowie der Provinzregierung von Ontario halten zusammen derzeit rund zwölf Prozent der Stammaktien. Wie viele davon auf den Markt kommen könnten, blieb zunächst offen. In Ontario hat GM Fabriken. Ein Pensionsfonds der Autoarbeitergewerkschaft UAW ist mit 17,5 Prozent beteiligt. Zudem haben die ehemaligen Gläubiger von GM-Anleihen nach der geordneten Insolvenz im vergangenen Jahr zusammen zehn Prozent erhalten.

Seit Tagen verzögert sich der offizielle Start des Börsengangs, der der zweitgrößte in der US-Geschichte überhaupt werden könnte und den das Management in Detroit unter dem Codenamen "Morgendämmerung" vorantreibt. Eigentlich sollten die entsprechenden Unterlagen bereits am vergangenen Freitag bei der SEC eingereicht werden - doch der Termin verstrich.

Stattdessen ließ GM mit einer Personalie aufhorchen: GM-Vorstandschef Ed Whitacre macht für Dan Akerson Platz. Er ist der vierte CEO binnen anderthalb Jahren. Auch der Neue, der auf Jahre GM steuern soll, hat das Vertrauen des Weißen Hauses: Die Regierung entsandte den Private-Equity-Manager der Carlyle Group vor einem Jahr in den GM-Verwaltungsrat, um die Interessen der Steuerzahler zu wahren.

Möglicherweise ist es der überraschende Wechsel an der Konzernspitze, der den Beginn des Börsengangs seit Tagen verzögert. Am Dienstag musste GM zudem eine Rückrufaktion von fast 250.000 Familien-SUVs wegen eines Problems mit Sicherheitsgurten starten - weitere Verzögerungen dieser Art könnten potenzielle Anleger zunehmend verunsichern.

FTD

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