Bürgschaft in Gefahr Quelle steht wieder auf der Kippe

Die Staatshilfe für das Versandhaus Quelle ist ungewiss. Der Antrag auf eine Bürgschaft über 50 Millionen Euro hat nach einem Treffen des Bürgschaftsausschusses von Bund und Ländern wohl kaum noch Erfolgsaussichten. Bayern könnte jetzt zum alleinigen Retter werden.
Von Timo Pache und Nikolai Fichtner

Die Zukunft des Versand-Händlers Quelle ist weiter offen. Nach Informationen der Financial Times Deutschland (FTD) hat der Antrag auf eine Bürgschaft über 50 Millionen Euro kaum noch Erfolgsaussichten. Dies sei das Ergebnis einer Sitzung des Interministeriellen Bürgschaftsausschusses von Bund und Ländern gewesen, erfuhr die FTD aus Verhandlungskreisen. "Das Ausfallrisiko hätte quasi bei 100 Prozent gelegen, die Bürgschaft wäre sofort gezogen worden", hieß es. Die Hilfe sei nach derzeitigem Stand rechtlich nicht möglich.

In München laufen allerdings bereits Gespräche über einen bayerischen Alleingang zur Rettung von Quelle, an denen der bayerische Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) und Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) beteiligt sind. Ziel der Verhandlungen ist, eine alternative Finanzierung für Quelle zu finden. Selbst ein direkter Einstieg des Freistaats gilt dabei als Option.

Auch das Wirtschaftsministerium ist weiter in die Gespräche eingebunden und prüft noch Alternativen zur Bürgschaft. Hilfen des Bundes gelten nach den Verhandlungen am Montag aber als ausgesprochen schwierig. "Quelle braucht einfach Cash und das kann der Bund kaum leisten", sagte eine mit den Verhandlungen vertraute Person.

Quelle ist gleichwohl dringend auf die Staatshilfe angewiesen. Schon am Wochenende hatte der Versandhändler den Druck des neuen Winterkatalogs in Auftrag gegeben - in der Hoffnung, bis spätestens Mittwoch die Zusage über die beantragte Staatsbürgschaft zu erhalten.

Die Zusagen aus Bayern und Sachsen und positive Signale aus Berlin hatten Görg am Freitag bewogen, den Katalogdruck zu starten, obwohl Quelle die dafür nötigen 20 bis 25 Millionen Euro derzeit selber nicht aufbringen kann. Die Papierlieferanten, Druckereien und Binder bat der vorläufige Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg, "das Restrisiko des juristischen Vollzugs zu tragen". Er habe dafür bislang ausschließlich Zusagen bekommen, teilte der Insolvenzverwalter mit.

So vertraut die Druckerei und Bertelsmann-Tochter Prinovis "auf den politischen Willen des Freistaats Bayern und der Bundesrepublik Deutschland zur Unterstützung von Quelle und damit auch ihrer Lieferanten", sagte der Geschäftsführer Winfried Marquardt.

Ursprünglich hatten sich der Bund und die Länder Bayern und Sachsen die Bürgschaft aufteilen wollen: 25 Millionen Euro sollte der Bund stellen, 21 Mio. Euro Bayern, 4 Millionen Euro Sachsen. Bei Quelle arbeiten rund 8000 Menschen, viele von ihnen am Firmensitz im bayerischen Fürth. Nach der Insolvenz des Mutterkonzerns Arcandor hatte auch Quelle am 9. Juni einen Insolvenzantrag gestellt.

FTD

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