Bundesbank Keine akuten Anzeichen einer Deflation


Beruhigende Worte von Bundesbankpräsident Welteke: Zwar geht die Teuerungsrate zurück, doch für eine Deflation gibt es keine akuten Anzeichen. Strukturreformen und weniger Defizite könnten dennoch nicht schaden.

Die Deutsche Bundesbank erwartet in diesem Jahr in Deutschland eine durchschnittliche Inflationsrate von unter einem Prozent. Trotz rückläufiger Teuerungsrate gibt es aber keine akuten Anzeichen einer Deflation, sagte Bundesbankpräsident Ernst Welteke am Mittwoch nach einer Vorstandssitzung in Potsdam. Die Preisentwicklungserwartungen seien nach oben gerichtet.

"Aber wird dürfen die Augen nicht davor verschließen, dass es Abwärtsrisiken gibt, die die Aussichten für die weitere Wirtschaftsentwicklung erheblich belasten, wenn auch das Etikett 'Deflation' dafür eine etwas irreführende Bezeichnung ist", erklärte Welteke. Ein Rückgang des Preisanstiegs sei keine Deflation. Ursache für die niedrigere Inflationsrate seien vor allem gesunkene Ölpreise.

Wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland enttäuschend

Die Wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland in den ersten Monaten des Jahres nannte Welteke enttäuschend. Trotz Aufhellung des internationalen Umfeldes sieht er wenig Anzeichen für einer grundlegende Änderung in diesem Jahr. "Nach einem Zuwachs des realen BIP um nur 0,2 Prozent im Jahr 2002 wird das Ergebnis für das laufende Jahr kaum besser ausfallen", lautet die Prognose. Nach Angaben von Welteke gibt es aber keine aktuelle Rezessionsgefahr in Deutschland.

Strukturreformen und weniger Defizit nötig

Er mahnte weitere Strukturreformen und eine Senkung der öffentlichen Defizite an. Dies könne vom Finanzminister nicht allein geschafft werden, da seien alle Fachressorts gefordert. Die von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) mit der Agenda 2010 vorgelegten Reformen würden in die richtige Richtung weisen, es seien aber weitere Schritte erforderlich.

Gefordert seien auch verlässliche finanzpolitische Rahmenbedingungen und ein klares Bekenntnis zum Stabilitäts- und Wachstumspakt. Dazu zähle die Defizitquote auf unter drei Prozent zu senken ohne neue Abgabelasten; und den Abbau des strukturellen Defizits um mindestens ein halbes Prozent des BIP auch in den Folgejahren.

Spekulationen über weitere Zinssenkungen "müßig"

Nach den drei Zinssenkungen seit Dezember nannte Welteke Spekulationen über weitere Zinssenkungen "müßig". Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Wim Duisenberg, hatte wegen der geringen Inflationsgefahr und der Zinsdifferenz zu den USA in einem Zeitungsinterview die Bereitschaft zu weiteren Zinssenkungen signalisiert. Laut Welteke ist von der jüngsten Zinssenkung in Deutschland keine durchgreifende Veränderung der wirtschaftlichen Entwicklung zu erwarten, weil Strukturprobleme die Ursache seien.

DPA

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