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Bundesbankchef Axel Weber Spekulation um Webers Zukunft


Der Bundesbankchef wird voraussichtlich auf eine zweite Amtszeit verzichten. Agenturberichten zufolge nimmt Weber aber auch Abstand von einem möglichen Vorsitz der Europäischen Zentralbank. Stattdessen soll er Kandidat für den Chefsessel der Deutschen Bank sein.

Verwirrung um die Zukunft von Bundesbankchef Axel Weber: Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters will der Wirtschaftsprofessor auf eine Kandidatur für den Chefsessel der Europäischen Zentralbank (EZB) verzichten. Weber wolle stattdessen zur Deutschen Bank wechseln, meldete wenig später die Deutsche Presseagentur. Auslöser der Gerüchte war offenbar ein Gespräch Webers in vertraulicher Runde, bei dem er einen Verzicht auf eine zweite Amtszeit bei der deutschen Notenbank angedeutet haben soll.

Gerüchte über Deutsche Bank und EZB

Entsprechende Äußerungen Webers wurden der "Financial Times Deutschland" aus Bundesbankkreisen bestätigt. Eine Stellungnahme zu den Spekulationen über die Zukunftspläne des 53-Jährigen lehnte die Bundesbank ab. Auch die Deutsche Bank und das Finanzministerium in Berlin wollten sich nicht äußern. Reuters zitierte aber Finanzkreise mit der Einschätzung, ein externer Kandidat für den Vorstandsposten der Deutschen Bank sei äußerst unwahrscheinlich.

Webers aktuelle Amtzeit läuft bis April 2012. Dass er keine Verlängerung anstrebt, wäre an sich nicht überraschend. Schließlich wurde bislang vermutet, er strebe die Nachfolge von EZB-Chef Jean-Claude Trichet an. Trichets Amtszeit endet am 31. Oktober 2011. Auch falls Weber auf den Job von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann spekulieren sollte, müsste er sich ab 2012 bereithalten. Ackermanns Vertrag läuft zwar erst 2013 aus, viele erwarten aber, dass er schon ein Jahr früher geht.

Spekulationen lassen Euro einbrechen

Nach der ersten Meldung über einen Verzicht Webers auf die Trichet-Nachfolge fiel der Euro auf ein Tagestief von 1,3611 Dollar, anschließend erholte sich die Gemeinschaftswährung aber wieder. Analysten erklärten den Einbruch damit, dass der Bundesbankchef als Verfechter einer strikten Geldpolitik für einen starken Euro stehe. "Wenn er nicht an die EZB-Spitze aufrückt, nährt das Spekulationen, dass die Notenbank eine eher lockere Geldpolitik fahren könne", zitierte Reuters die Commerzbank-Analystin Antje Praefcke.

Weber galt bis vor einigen Monaten als einer der aussichtsreichsten Kandidaten für die Trichet-Nachfolge. Die Bundesregierung setzte sich bei der Besetzung des Vizepräsidentenpostens im vergangenen Jahr extra für den Portugiesen Vitor Constâncio ein, um ihrem Kandidaten den Weg auf den Chefsessel zu ebnen. Denn nach der Proporzlogik der Zentralbank ist es leichter, einen Chef aus dem "Norden" durchzusetzen, der für eine eher harte Geldpolitik steht, wenn der Vertreter eines südlichen Euro-Mitglieds Vize ist. Als größter Rivale Webers gilt der Italiener Mario Draghi.

Widerstand aus Frankreich

Der als Bundesbankpräsident im EZB-Rat vertretene Weber machte sich im vergangenen Jahr aber bei vielen Kollegen unbeliebt, als er die von dem Gremium beschlossenen Ankäufe von Staatsanleihen hoch verschuldeter Euro-Länder öffentlich kritisierte. Dissenzen öffentlich auszutragen, ist bei den verschwiegenen Währungshütern verpönt. Vor allem EZB-Chef Trichet soll Weber mit seinem Verhalten nachhaltig verärgert haben.

Trichets Heimatland Frankreich ist Medienberichten aus Paris zufolge nicht bereit, Weber als EZB-Präsidenten zu akzeptieren. Einen Kandidaten gegen den Willen des zweitgrößten Euro-Landes durchzusetzen, wäre praktisch unmöglich. Auch der luxemburgische Ministerpräsident Jean-Claude Juncker, der als dienstältester EU-Regierungschef und Vorsitzender der Euro-Gruppe über erheblichen Einfluss verfügt, hatte sich bereits vor einem Jahr gegen Weber ausgesprochen. Juncker will den luxemburgischen Zentralbankchef Yves Mersch als Trichet-Nachfolger durchsetzen.

Weber kritisert Bundesregierung

Ein Wechsel zur Deutschen Bank würde erklären, warum Weber auch gegenüber der Bundesregierung wenig Rücksicht nahm. Anfang dieser Woche bemängelte er die maßgeblich von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) durchgesetzten Reformen zur Stärkung des Euro: Er erklärte die Reform des EU-Stabilitätspakts für unzureichend und kritisierte die Pläne für eine EU-Wirtschaftsregierung.

Zwar sei eine Überwachung der wirtschaftlichen Entwicklung in den einzelnen EU-Staaten sinnvoll, sagte Weber am Montag bei einem Gastvortrag in der estnischen Hauptstadt Tallinn. "Das Ziel einer solchen Unternehmung sollte aber nicht sein, die Wirtschaftspolitik zu koordinieren oder genau abzustimmen", warnte der Bundesbankchef.

Die EU-Staats- und Regierungschefs hatten sich in der vergangenen Woche ausdrücklich zum Ziel einer wirtschaftspolitischen Koordinierung innerhalb der Euro-Zone bekannt. Die treibenden Kräfte für diesen Beschluss waren Bundeskanzlerin Merkel und der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy. Merkel war als Konsequenz aus der Euro-Krise auf die Linie Frankreichs eingeschwenkt, das sich seit langem für eine Wirtschaftsregierung stark macht

ftd.de/Reuters FTD

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