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+++ Bahnstreik Newsticker +++: Seit 2 Uhr streiken die Lokführer

Ungeachtet eines neuen Angebots der Deutschen Bahn, hält die GDL am Streik fest. Die Industrie fürchtet Verluste und Fernbusanbieter erleben einen Ansturm. Die News im Ticker.

Am Wochenende müssen sich Reisende aufgrund des Streiks der Lokführer auf Wartezeiten einstellen

Am Wochenende müssen sich Reisende aufgrund des Streiks der Lokführer auf Wartezeiten einstellen

+++ 22 Uhr: Lokführer-Gewerkschaft hält an Streik fest +++

Die Lokführer-Gewerkschaft GDL hält trotz des neuen Tarifangebots der Deutschen Bahn (DB) an ihrem Streik bis zum Montagmorgen fest. Die DB verweigere nach wie vor inhaltliche Verhandlungen für das gesamte Zugpersonal in der GDL, teilt die Gewerkschaft in Frankfurt zur Begründung mit. GDL-Chef Claus Weselsky nennt die Offerte ein "Scheinangebot" der Bahn, mit dem die Solidarität unter den GDL-Mitgliedern ausgehebelt werden solle.

Der Streik soll am Samstagmorgen am 2 Uhr beginnen und bis Montagfrüh 4 Uhr dauern. Der Güterverkehr der Bahn wird bereits seit Freitagnachmittag bestreikt.

+++ Weselsky: Keine Rücksicht auf Schulferien möglich +++

"Wir können an der Stelle keine Rücksicht darauf nehmen, dass Urlaub ist, oder dass etwa die Schulferien zu Ende gehen", sagt GDL-Chef Claus Weselsky dem Sender hr1. Die Mitglieder hätten "keine andere Wahl, als in den Streik zu treten". Es sei "systemimmanent", dass Reisende beeinträchtigt würden, wenn Lokführer und Zugbegleiter streiken.

+++ Bahn entgehen pro Streiktag Umsätze in Höhe zweistelliger Millionenbeträge +++

An einem kompletten Streiktag könnten allein die Umsatzeinbußen bei der Bahn einen zweistelligen Millionenbetrag erreichen. Der volkswirtschaftliche Schaden dürfte nach früheren Expertenschätzungen bis zu 50 Millionen Euro täglich betragen. Im Durchschnitt sind pro Tag etwa 400 000 Fahrgäste in Fernzügen der Bahn unterwegs. Wegen der Wochenendpendler sind es freitags und sonntags mehr als 500.000 und zu Ferienbeginn wie diesmal noch ein paar mehr. Alles in allem sind nach Angaben der Bahn gut sechs Millionen Menschen täglich auf der Schiene unterwegs - wenn nicht gestreikt wird.

+++ Neues Tarifangebot der Bahn +++

Die Deutsche Bahn hat der Lokführergewerkschaft GDL am Freitag ein neues Tarifangebot vorgelegt. Dies sehe fünf Prozent mehr Lohn für 30 Monate und eine Einmalzahlung von rund 325 Euro vor, teilte der Konzern am Freitagnachmittag mit. Er rief die Gewerkschaft auf, den für Samstag und Sonntag angekündigten Streik abzusagen und an den Verhandlungstisch zurückzukommen. Die Bahn wiederholte am zudem ihre Bereitschaft, mit der GDL auch über andere Berufsgruppen sprechen zu wollen.Das Angebot erfüllt aber nicht die Kernforderung der GDL, Tarifverträge für das gesamte Zugpersonal abschließen zu können. "Das Bahn-Management hat einen einzigen Punkt zu entscheiden: Tarifpluralität oder Tarifeinheit. Alles andere ist Schauspiel", so der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky.

+++ ADAC: Staus aber kein Chaos auf den Straßen +++

Ein Chaos bleibt auf den Autobahnen bleibt Autofahrern nach Angaben des ADAC erspart. Sie müssten sich aber trotzdem auf Staus und dichten Verkehr einstellen. "Wir hatten wegen der Ferien ohnehin ein heißeres Wochenende erwartet und durch den Bahnstreik wird es auf den Straßen noch voller werden", so eine Sprecherin des Automobilclubs. Für stockenden Verkehr sorgten zudem die gerade im Herbst zahlreichen Baustellen auf den Autobahnen.

+++ Reisende müssen schon am Freitag mit Behinderungen rechnen +++

Der neue Lokführer-Streik wird Reisende bereits am Freitagnachmittag treffen. Die Bahn setze erneut einen Not-Fahrplan ein, teilt der Staatskonzern mit. Ziel sei es, wie während des vorherigen Streiks wieder ein Drittel des Fernverkehrs aufrecht zu erhalten und den Kunden eine gewisse Planungssicherheit zu geben. Unter 08000-996633 hat der Konzern eine Hotline eingerichtet. Nach Angaben der Bahn treffe der Streik eines der verkehrsreichsten Wochenenden des Jahres. In elf Bundesländern enden oder beginnen Herbstferien. Schon an normalen Sonntagen liege die Auslastung der Züge 30 Prozent höher als an anderen Tagen.

+++ Bahn streicht alle Sonderzüge für Fußballfans +++

Fußball-Fans müssen am Wochenende mit Problemen bei der Anreise zu Fußballspielen rechnen. Wie die Deutsche Bahn mitteilt, sind alle Fußball-Sonderzüge gestrichen worden. "Die An- und Abreise der Fans zu den Stadien kann durch die DB nicht sichergestellt werden", hieß es in einer Mitteilung der Bahn dazu. Die Vereine haben über ihre Fan-Abteilungen Empfehlungen und Informationen zu alternativen Anreisemöglichkeiten gegeben.

+++ Webseiten von Fernbusanbietern überlastet +++

Die für das Wochenende angekündigten Streiks bei der Deutschen Bahn sorgen für einen immensen Ansturm auf Fernbusse. MeinFernbus verzeichne seit Ankündigung der Streiks am Morgen eine Verdreifachung der Zugriffe auf seine Homepage, sagte Geschäftsführer Torben Greve am Freitag. Die Buchungseingänge schnellten entsprechend in die Höhe. Der Sprecher des Bundesverbands Deutscher Omnibusunternehmer (bdo), Matthias Schröter, sprach vom "puren Wahnsinn". Die Webseiten einzelner Anbieter seien überlastet, es gebe mehr Anfragen als Kapazitäten. Alle Anbieter versuchten nun, mit weiteren und größeren Bussen auf den Ansturm zu reagieren.

+++ Streik trifft Industrie hart +++

Der 61-stündige Streik im Güterverkehr an diesem Wochenende schneidet wichtige Industriebranchen von der Rohstoffversorgung ab. "Das ist eine Katastrophe", sagte Gunnar Gburek, der Logistikexperte des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik. "Selbst wenn es nicht zu Produktionsausfällen kommt, werden die Unternehmen einen finanziellen Schaden haben." Sie müssten Lieferungen etwa auf Lastwagen umschichten oder ihre Lager nach dem Streik mit großem Aufwand wieder auffüllen. Die Bahn-Konkurrenten hielten nur etwa ein Fünftel des Marktes und könnten den Ausfall bei weitem nicht ausgleichen. Besonders betroffen sei die Stahlindustrie. "Ein Hochofen muss permanent versorgt werden", sagte Gburek. Die Unternehmen hätten zwar für einige Tage Vorräte an Kohle und Erzen, die Halden müssten aber nach dem Streik schnell wieder gefüllt werden

haw/DPA / DPA