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Bahnstreik am Wochenende: So schlagen Sie den Lokführern ein Schnippchen

Für das Wochenende hat die Gewerkschaft einen 50-stündigen Streik im Fern- und Regionalverkehr angekündigt. Bereits am Freitag fallen Züge aus. Antworten auf die wichtigsten Fragen von Bahnfahrern.

Von Till Bartels

Bahnreisende müssen sich wegen eines Lokführerstreiks am Wochenende auf große Einschränkungen im Fern- und Regionalverkehr einstellen. Der neue Ausstand fällt mit dem Ferienbeginn in Berlin, Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Sachsen zusammen. Außerdem enden die Ferien in Nordrhein-Westfalen und Thüringen.

Wir beantworten die wichtigsten Fragen, die Bahnreisende und Pendler haben.

Wann und wo wird gestreikt?

Die Lokführer-Gewerkschaft GDL hat für das gesamte Wochenende einen erneuten, diesmal 50-stündigen Streik im Fern- und Regionalverkehr angekündigt. Die Personenzüge sollen ab dem frühen Samstagmorgen um 2 Uhr bis Montagmorgen um 4 Uhr bundesweit stillstehen, wie die GDL am Freitag in Frankfurt am Main mitteilte. Der Güterverkehr solle schon ab Freitag um 15 Uhr bestreikt werden.

Vom Streik betroffen sind auch alle Sonderzüge zu den Fußballspielen am Wochenende. Die An- und Abreise der Fans zu den Stadien könne nicht sichergestellt werden.

Die Züge des Anbieters HKX von Hamburg nach Köln werden nach Angaben des Unternehmens nicht bestreikt.

Wo kann ich mich bei der Bahn informieren, ob mein Zug fährt?

Details zur aktuellen Situation finden Bahnreisende im Internet unter www.bahn.de/aktuell. Die Deutsche Bahn hat eine kostenfreie Servicenummer unter der Telefonnummer 08000 - 99 66 33 eingerichtet, die über die Auswirkungen der Streiks informiert. Die gebührenpflichtige Hotline, die auch aus dem Ausland zu erreichen ist, lautet: +49 0180 - 699 66 33.

Wer ein Smartphone hat, sollte sich die kostenlose App "DB Navigator" für Android-Handys oder das iPhone runterladen.

Wird es einen Sonderfahrplan geben?

ie Deutsche Bahn plant Ersatzfahrpläne für die beiden Streiktage am Samstag und Sonntag. Das sagte ein Konzernsprecher am Freitag in Berlin auf Anfrage. Die Details würden noch ausgearbeitet und sollten im Laufe des Freitags veröffentlicht werden.

Welche Alternativen habe ich zum Fernverkehr der Bahn?

Wer Ausfälle und Verspätungen von ICE-Zügen ausschließen möchte, kann bei längeren Entfernungen zwischen großen Metropolen einen Flug von Lufthansa, Germanwings oder Air Berlin in Erwägung ziehen, die über das dichteste Streckennetz in Deutschland verfügen. Doch kurzfristig gebuchte Flugtickets sind besonders teuer.

Seit der Liberalisierung des Marktes im Jahre 2013 sind Fernbuslinien inzwischen eine Alternative, nicht nur wenn die Lokführer streiken. Zwischen Anbietern wie ADAC Postbus, FlixBus oder MeinFernbus herrscht ein ruinöser Preiskampf, von dem die Passagiere derzeit profitieren. Bei der Suche nach günstigsten Tickets helfen Vergleichsportale wie fahrtenfuchs.de oder checkmybus.de.

Wie komme ich an einen Mietwagen?

An Streiktagen sind Leihwagen ein knappes Gut. Die Autos können auf der Homepage der Autovermieters wie Avis, Europcar, Hertz und Sixt gebucht werden oder direkt in der Niederlassung. Der Preis hängt von der Größe des Wagens ab. Ein Kleinwagen kostet rund 70 Euro am Tag. Oft gibt es Sonderangebote, wenn der Wagen für mehrere Tage gemietet wird.

Wie kann ich über Mitfahrzentralen eine Fahrt organisieren?

Große Internetportale wie www.mitfahrgelegenheit.de oder www.drive2day.de bringen Fahrer und Mitfahrer zusammen. Vorteil: Mehrere Parteien teilen sich dann die Spritkosten: Fahrten von Berlin nach München schlagen mit nur 50 Euro zu Buche.

Kann ich kostenlos meine Fahrkarte stornieren?

Bei "streikbedingten Zugausfällen, Verspätungen oder Anschlussverlusten" kann man sich die Fahrkarte und Reservierung in den DB Reisezentren oder DB Agenturen kostenlos erstatten lassen, heißt es bei der Bahn. "Alternativ können Reisende den nächsten - auch höherwertigen - Zug nutzen. In diesem Fall wird bei zuggebundenen Angeboten, wie beispielsweise Sparpreis-Tickets, auch die Zugbindung aufgehoben."

Gibt es bei Verspätungen durch Streik eine Entschädigungszahlung?

Ja, die Bahn kann sich nicht mehr wie bei früheren Streiks auf höhere Gewalt berufen und sich einer Ausgleichszahlung verweigern. Das hatte der Europäische Gerichtshof (EuGH) im vorigen Jahr entschieden. Kommt ein Bahnkunde mindestens eine Stunde zu spät am Zielort an, steht ihm auch im Streikfall ein Erstattung von 25 Prozent des Fahrpreises zu, ab zwei Stunden gibt es 50 Prozent. werden.

Wie kann ich eine Entschädigung beantragen?

Das Beschwerdeformular ist in den Servicezentren der Deutschen Bahn oder im Internet unter www.fahrgastrechte.info erhältlich. Das Formular können Reisende in den Fahrkarten-Verkaufsstellen an den Bahnhöfen einreichen. Wer keine Bestätigung für die Verspätung hat, nur eine Kopie der Fahrkarte einreichen will oder etwa eine Zeitkarte besitzt, muss sich per Post an das Service-Center Fahrgastrechte wenden.

Worum geht es im Streik der Lokführer?

Die Gewerkschaft fordert von der Bahn fünf Prozent mehr Lohn und eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit um zwei Stunden. In dem Tarifkonflikt geht es aber vor allem um einen Machtkampf zwischen der GDL und der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Sie streiten darum, wer für welche Mitarbeitergruppe die Verhandlungen führen darf. Die Bahn will konkurrierende Tarifverträge für eine Berufsgruppe vermeiden und fordert klare Zuständigkeiten.

Die Deutsche Bahn hat mit scharfer Kritik auf die Ankündigung eines 50-stündigen Streiks der Lokführer an diesem Wochenende reagiert. Die GDL laufe "Amok", erklärte der Konzern am Freitag in Berlin. Am Samstag und Sonntag würden in rund der Hälfte der Bundesländer die Herbstferien beginnen oder zu Ende gehen. "Ohne Not" würden Millionen von Menschen die Ferien verdorben, "nur wegen Machtgelüsten". Es werde immer deutlicher, dass es nicht um die Interessen der Lokomotivführer gehe, "sondern um Allmachtsphantasien eines Funktionärs".

tib/DPA/Reuters / DPA / Reuters

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