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Energie-Streit: Österreich erhält kaum noch Gas

Russland schränkt seine Erdgaslieferungen in den Westen massiv ein: In Österreich kommen nur noch zehn Prozent der üblichen Menge an russischem Gas an, Bulgarien und die Türkei erhalten wegen des Gasstreits zwischen Kiew und Moskau gar keine Energie mehr aus ukrainischen Pipelines. Auch andere Länder klagen über Lieferengpässe.

In Österreich kommen nur noch zehn Prozent der üblichen Menge an russischem Gas an. Zunächst habe der russische Energieriese Gazprom in der Nacht zum Dienstag angekündigt, die Lieferungen um 30 bis 40 Prozent verringern zu wollen, teilte der österreichische Energiekonzern OMV mit. Am Morgen seien allerdings 90 Prozent der vereinbarten Menge nicht geliefert worden. OMV müsse deshalb seine Gasreserven anzapfen.

Bulgarien und die Türkei erhalten nach offiziellen Angaben seit der Nacht zu Dienstag überhaupt kein Gas mehr aus ukrainischen Leitungen. Die Lieferungen seien gestoppt, sagte der türkische Energieminister Hilmi Güler am Dienstag vor Journalisten.

Auch Bulgariens Gasgesellschaft Bulgargas hatte am Dienstag mitgeteilt, dass das Land kein Gas mehr erhalten habe. Vom Lieferstopp an der ukrainisch-rumänischen Grenze seien auch Bulgariens Nachbarstaaten Griechenland, Mazedonien und die Türkei betroffen, teilte Bulgargas in Sofia mit. Diese Staaten erhalten russisches Gas über bulgarische Pipelines.

Unterdessen drohen nach Angaben des ukrainischen Staatskonzern Naftogaz auch dem Rest Europas am Dienstag Versorgungsengpässe. Der russische Gasriese Gazprom habe die Versorgung für Europa über Leitungen in der Ukraine auf rund ein Drittel des Normalniveaus gesenkt, teilte Naftogaz mit. "Das bedeutet, dass Europa in einigen Stunden Probleme mit der Gasversorgung haben wird", sagte ein Sprecher am frühen Morgen. Aus Moskau lag dazu zunächst keine Stellungnahme vor. Der Vize-Chef des Monopolisten Gazprom, Alexander Medwedew, wird am Dienstag in Berlin erwartet.

Russlands Regierungschef Wladimir Putin hatte am Montag eine Teilversorgung von Westeuropa über alternative Routen veranlasst. Der frühere Kremlchef wies Gazprom an, rund 65,3 Millionen Kubikmeter Gas nicht durch Pipelines in der Ukraine, sondern zum Beispiel durch die Türkei und Weißrussland zu pumpen. Es handele sich um die Menge, die die Ukraine aus Transitleitungen illegal abzapfe. Kiew bestreitet dies. Allerdings lassen sich aus technischen Gründen nicht alle Gaslieferungen über ukrainische Pipelines durch andere Leitungen befördern. Gazprom-Vizechef Medwedew soll in Berlin eine von Tschechiens Industrie- und Handelsminister Martin Riman geführte EU-Abordnung sowie Wirtschaftsstaatssekretär Jochen Homann treffen.

In Deutschland waren in dem am Neujahrstag ausgebrochenen Streit bisher keine Lieferengpässe bekanntgeworden. Hingegen erhielten unter anderem Polen, Rumänien, und die Slowakei erneut bis zu 30 Prozent weniger russisches Gas aus der Ukraine. Auch Ungarn, Serbien und Bosnien fürchten nach Angaben aus Kiew eine Reduzierung.

Europa bezieht ein Fünftel seiner Gasversorgung über Leitungen durch die Ukraine. Allerdings hat zumindest Deutschland offiziellen Angaben zufolge selbst bei einem kompletten Lieferstopp noch genug Gasreserven, um mindestens zwei Monate durchzuhalten.

DPA/Reuters/AP / AP / DPA / Reuters