HOME

Entscheidung bei GM: Zittern vor dem Opel-Finale

Bei Opel ist jetzt General Motors am Zug. Die Zeit des Taktierens ist vorbei, der Verwaltungsrat des neu gestärkten US-Autobauers tritt am Dienstag in Detroit zur wohl entscheidenden Sitzung zusammen. In Deutschland wird bereits kräftig gezittert - gibt GM Opel überhaupt frei?

Tage des Zitterns bei Opel und in der deutschen Politik: Am Dienstag tritt der Verwaltungsrat des US-Autobauer General Motors (GM) zusammen - und möglicherweise wird bereits über die Zukunft der deutschen Tochter aus Rüsselsheim entschieden. Zwei Tage lang wird das 13-köpfige Gremium voraussichtlich tagen. Die Stimmen, die aus Deutschland zum Wochenbeginn über den Atlantik, spiegeln Skepsis und Zweckoptimismus wieder. Nur eines drücken sie nicht aus: die Gewissheit, dass es so kommt, wie von der deutschen Politik und Arbeitnehmern geplant - nämlich mit dem Verkauf an Magna.

In Deutschland hatte man sich nach der Pleite von General Motors für den österreichisch-kanadischen Autozulieferer als Opel-Käufer ausgesprochen und nur in diesem Fall Staatshilfen garantiert. Um Opel aus der GM-Insolvenz herauszuhalten, hatte die Regierung bereits 1,5 Milliarden Euro für eine Treuhandlösung zur Verfügung gestellt. Seit Juni führen zwei von Bund und Ländern bestellte Treuhänder das Unternehmen.

Das Selbstbewusstsein in Detroit wächst

Nachdem GM allerdings in kurzer Zeit sein Insolvenzverfahren beendet hat, wächst das Selbstbewusstsein in Detroit und offenbar das Interesse, Opel zu behalten. Ohne die Zustimmung von GM kann der deutsche Autobauer nicht verkauft werden - trotz der Treuhänder, die sich schon vor Wochen für eine Insolvenz von Opel ausgesprochen haben sollen. So erwartet der CDU-Wirtschaftsexperte Michael Fuchs, Chef des Parlamentskreises Mittelstand der Unionsfraktion, dass die Amerikaner behalten wollen. "Es gibt bei GM anscheinend eine neue Festlegung", sagte Fuchs. Priorität habe ganz offensichtlich, Opel in den Mutterkonzern zurückzuholen. Eine Vision, die für den Autoexperten Ferdinand Dudenhöfer blanker Horror ist. Er erwartet ein "Sterben auf Raten", wenn Detroit weiter das Sagen hat. In einer Analyse prophzeit der Professor Werksschließungen. Sein Fazit: "Opel hat mit GM keine Zukunft." In dem Fall müssten die Amerikaner allerdings die bisherigen Opel-Hilfen zurückzahlen.

Von allen drei Optionen habe das Angebot von Magna die schlechtesten Karten, unkt CDU-Mann Fuchs und räumt damit sogar dem Angebot des Finanzinvestors RHJI bessere Chancen ein. Diesen Eindruck habe er aus zuverlässigen Quellen gewonnen. Fuchs, der eigentlich für eine geordnete Insolvenz für Opel eintritt, sieht die angeblichen Avancen von GM durchaus positiv. "GM ist jetzt wieder stärker, auch wegen der Hilfen der US-Regierung für die Autoindustrie", sagte der Unions-Politiker.

Abwrackprämie hilft auch GM

In der Tat tut die amerikanische Abwrackprämie auch General Motors ihr Gutes. Der Absatz sank zwar auch im abgelaufenen Monat, jedoch war der August der stärkste Monat dieses Jahres. Das Unternehmen wird noch vom Staat kontrolliert, jedoch kann es laut Insidern nach dem Ende des Insolvenzverfahrens selbstständig enscheiden, wo investiert wird. Und für Opel soll eine Milliarde Euro zur Verfügung stehen. US-Präsident Barack Obama hat dem Management in Sachen Opel freie Hand gegeben, vor einigen Wochen allerdings den in Aussicht gestellten Verkauf an Magna begrüßt.

Seit einigen Wochen halten die Manager aus Detroit die Bieter jetzt hin - zumindest diese Taktik dürfte jetzt beendet werden. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) zumindest erwartet "eine klare Ansage". Auch der Bayer ist sich der Magna-Sache ganz offensichtlich nicht sicher. Er betonte, man sei für "jede nur denkbare Option gerüstet".

Die Beteiligung der russischen Sberbank an der Offerte von Magna wird in den USA kritisch gesehen. Das scheint das größte Hindernis für den Autozulieferer zu sein. Vor allem der neue GM-Marketingchef Bob Lutz dringe darauf, dass Opel über Magna und dessen Partner Sberbank nicht in russische Hände gelange, sagte Fuchs. Als weiterer Partner für den Opel-Einstieg des Konsortiums war der russische Autokonzern Gaz genannt worden. Dessen Besitzer Oleg Deripaska sagte allerdings, er wolle nicht bei Opel einsteigen. "Über den Kauf von Anteilen wird nicht gesprochen", sagte er der Zeitung "Wedemosti". Es gehe nur um Kooperationen bei der Fertigung und beim Vertrieb, betonte der Milliardär.

ben/AP/Reuters / AP / Reuters