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Fusion mit Fiat: Was von Opel übrig bliebe

Fiat und Magna buhlen um einen Einstieg bei Opel. Beide signalisieren: Deutsche Standorte bleiben erhalten. Experten jedoch gehen von Werksschließungen aus, zumindest wenn Fiat den Zuschlag bekommt. Die interaktive stern.de-Grafik zeigt, wo Opel und Fiat derzeit produzieren - und wo bald vielleicht nicht mehr.

Von Axel Hildebrand und Torben Waleczek

Die Zukunft eines der wichtigsten deutschen Unternehmen ist weiter unklar. Wie es mit Opel und seinen Beschäftigten weitergeht, hängt von der Suche nach einem finanzstarken Investor ab. Der müsste die Rüsselsheimer Autobauer übernehmen - denn der Mutterkonzern General Motors steht selber kurz vor der Insolvenz und will Opel loswerden. Kommt der Retter nicht, steht Opel womöglich vor dem Aus. Mitten im Wahljahr will die Regierung diese Arbeitsplätze aber unbedingt erhalten. In dem Wissen um diese Hintergründe pokern nun die Investoren. Bekannt ist bislang das Interesse von Fiat und Magna. Beide, der italienische Autobauer und der österreichsich-kanadische Zulieferer, haben nach den Worten von Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) "sehr unterschiedliche Grob-Konzepte" für einen Einstieg bei Opel vorgelegt.

stern.de spielt die Variante einer Fiat-Übernahme durch: Wie sähe solch ein Unternehmen aus? Wo könnte überall produziert werden - und welche Standorte stünden vor dem Aus?

Noch verkünden die Verhandlungsführer von Fiat beruhigende Botschaften: Nach einem möglichen Einstieg bei Opel wollen die Italiener angeblich alle vier Opel-Werke in Deutschland erhalten; das sei in den Übernahmegesprächen garantiert worden. Die Opel-Betriebsräte stehen den Italienern jedoch skeptisch gegenüber. Der Opel-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz zweifelt an diesem Versprechen. "So lange kein von autorisierter Stelle unterschriebenes Dokument vorliegt, glaube ich so etwas nicht", sagte Franz. Ähnlich äußert sich auch der Automobilexperte Ferdinand Dudenhöfer von der Universität Duisburg-Essen. "Nach einem Einstieg bei Opel könnte Fiat durch Werksschließungen Synergieeffekte realisieren und zudem Überkapazitäten abbauen", sagte Dudenhöfer im Gespräch mit stern.de. Trotz der aktuellen Dementis würde Fiat wohl nach drei bis fünf Jahren beginnen, unrentable Standorte zu schließen, so Dudenhöfer.

Opel-Werke in Bochum und Kaiserslautern womöglich gefährdet

Für "extrem gefährdet" hält Dudenhöfer den Standort Bochum und das Komponentenwerk in Kaiserslautern, außerhalb Deutschlands zudem das englische Werk in Ellesmere Port und den Opel-Standort im belgischen Antwerpen. "Das sind ältere Anlagen, die bei den Arbeitskostenstrukturen deutlich schlechter dastehen als die Werke in Osteuropa." Für die zwei anderen deutschen Werke, Eisenach und Rüsselsheim, gibt der Experte dagegen Entwarnung. Der Grund: Beide Produktionsstätten sind auf einem modernen Stand, das Werk in Eisenach wurde erst 1992 eröffnet; und das Werk am Opel-Firmensitz Rüsselsheim wurde 2002 für rund 750 Millionen Euro modernisiert.

Für die Fiat-Werke in Italien sehen Kenner der Branche derzeit keine Gefahren - auch nicht nach einem möglichen Einstieg bei Opel. "Der italienische Ministerpräsident Berlusconi wird Fiat bei einem solchen Projekt wohl finanzielle Hilfen zusagen", sagt Automobilexperte Norbert Wittemann von der Unternehmensberatung PRTM. "Im Gegenzug wird er darauf pochen, nur außerhalb Italiens Werke zu schließen."