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GM-Krise: Merkel fordert Konzept von Opel

Das Sanierungskonzept für General Motors lässt Schlimmes für die deutsche Tochter Opel befürchten. Die drängenden Fragen: Wer wird den Job verlieren? Wird das Bochumer Werk geschlossen? Wird Opel gar verkauft? Nach Ansicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel ist nun das Opel-Management am Zug.

Mit seinen vagen Äußerungen, welche Rolle die europäischen Tochterunternehmen bei der GM-Sanierung spielen könnten, hat General-Motors-Chef Rick Wagoner vor allem eines erreicht: In Deutschland wächst die Bereitschaft, Opel aus dem GM-Konzern abzuspalten. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte, dass der Rüsselsheimer Autobauer dazu ein Konzept vorlegen müsse. Vertreter von IG Metall und SPD sprachen sich für die Herauslösung von Opel aus dem vom Untergang bedrohten Konzern aus. Wagoner selbst ließ durchblicken, dass ein Verkauf infrage käme, es bisher aber noch keinen Interessenten gebe.

Vor dem Werkstor in Bochum hatte ein Opel-Mitarbeiter schon eine Lösung parat: "Mein Wunsch wäre eine Übernahme durch BMW." Dass überhaupt die Möglichkeit einer Übernahme besteht, hatte die Belegschaft hellhörig gemacht. "Die meistdiskutierte Frage war die Übernahmemöglichkeit von Opel durch einen anderen Autobauer, möglichst einen deutschen", sagte ein Monteur aus der Endfertigung.

Bei den Rettungsbemühungen sei nun Opel am Zuge, betonte Bundeskanzlerin Merkel. "Die Aufgabe, die jetzt vor uns steht, ist eine Aufgabe, die Opel leisten muss, gemeinsam mit dem Mutterkonzern General Motors. Es muss nämlich ein Konzept auf den Tisch gelegt werden, wie eine positive Prognose für Opel aussehen kann", sagte die Regierungschefin am Mittwoch in Berlin. Die Arbeitsaufgaben seien hier deutlich verteilt. "Und dann wird Opel wieder zu uns kommen und sagen, welche Schlussfolgerungen sich daraus ergeben", sagte Merkel. "Im Augenblick kann die Politik nichts machen, weil die notwendigen Konzepte von Opel noch nicht vorliegen. Das wiederum kann ohne die Mutterfirma in Detroit nicht stattfinden." Die Opel-Führung erklärte sich in einer gemeinsamen Mitteilung mit General Motors Europe und dem Gesamtbetriebsrat bereits bereit, über Partnerschaften und Beteiligungen mit Interessenten zu verhandeln.

Die Nachricht vom weltweiten Streichkonzert beim Mutterkonzern hatte die Opel-Beschäftigten schon in der Nacht erreicht. "Wir haben von den Plänen zu neuen Stellenstreichungen während der Nachtschicht im Radio gehört", sagte ein Mitarbeiter in Bochum vor dem Werkstor 1. Viele glauben, dass unter den 26.000 Stellen, die außerhalb der USA abgebaut werden sollen, auch etliche in Deutschland sein werden. Klar sei, dass in Bochum kaum noch Arbeitsplätze abgebaut werden könnten, sagte ein Monteur. "Wir hatten hier in besten Zeiten 20.000 Leute. Heute sind es noch 5000. Entweder bleibt das Werk in dieser Größe erhalten, oder es muss geschlossen werden", sagte er. Gerüchte, dass das Bochumer Werk geschlossen werden könnte, machen seit Tagen die Runde.

"Historische Chance" nutzen

Angesichts der unsicheren Zukunft wird der Ruf immer lauter, den traditionsreichen Rüsselsheimer Autobauer aus vom GM-Konzern zu trennen: "Ich halte den Ansatz, jetzt endlich das Unternehmen rauszulösen für eine historische Chance", sagte der bayerische IG-Metall-Bezirksleiter Werner Neugebauer am Mittwoch im Bayerischen Rundfunk: "Es wäre eine hochgradige Dummheit, es nicht zu tun." Nach Neugebauers Worten wären von einem Aus für Opel nicht nur die Länder betroffen, in denen es große Werke gibt. Auch in Bayern seien zahlreiche Zulieferer für Opel tätig: "Das wird nicht spurlos vorbeigehen."

Auch die wirtschaftspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Ute Berg, sprach sich für die Trennung von Opel und GM aus. Staatliche Bürgschaften an Opel ohne eine Loslösung würden bedeuten, dass man GM unterstütze. Das könne nicht "unsere Option sein", sagte Berg im Bayerischen Rundfunk.

Der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) zeigte sich unterdessen zuversichtlich, dass Opel gerettet werden kann. "Ich glaube, dass es für alle anstehenden Fragen Lösungen gibt", sagte Koch bei seiner ersten Regierungserklärung im neuen Landtag in Wiesbaden. Die Bundesregierung und die vier Bundesländer mit Opel-Standorten seien bereit, "das Notwendige zu tun, um Opel in Deutschland und Europa stabil zu erhalten". Das Unternehmen müsse jedoch daran mitwirken.

Eine Lösung könnte sein, dass sich alle europäischen Standorte gemeinsam von GM lösen. "Das könnte so aussehen, dass man Teile von GM-Europa zusammenschließt. Dann hätte man eine größere Menge an Werken beisammen, an denen sich der Staat und andere Investoren beteiligen könnten", sagte Betriebsratschef Rainer Einenkel der Nachrichtenagentur Reuters. Auch ein Konzern außerhalb Europas käme für eine Beteiligung infrage. Dies seien Überlegungen, für die der Betriebsrat auch Unterstützung aus der Politik habe, fügte er hinzu.

Viele Opelaner auf dem Weg zur Frühschicht waren nur allzu gerne bereit, jedem Hoffnungsschimmer zu folgen. "Wir hoffen, dass unsere gute Arbeit geschätzt wird", sagt einer der Männer. Opel baue gute Autos, besonders in Bochum, wo die beliebten Modelle Astra Caravan und Zafira vom Band laufen. Sein Kollege setzt auf Verhandlungen. "Ich hoffe, dass unser starker Betriebsrat was macht", meint er mit Blick auf den erfolgreichen Arbeitskampf vor fünf Jahren, als GM in Deutschland rund 10.000 Stellen streichen wollte. Am Ende kam ein Zukunftsvertrag heraus, der 8000 Arbeitsplätze und Gehaltszulagen kostete, aber Sicherheit zumindest bis 2010 brachte.

Doch es gibt längst nicht nur optimistische Stimmen. "Ich habe keine Hoffnung mehr, wirklich nicht. GM geht irgendwann pleite. Dann war's das", sagt ein jüngerer Beschäftigter auf dem Weg zur Frühschicht. Ein Kollege ruft im Vorbeigehen zurück: "Wird schon gut gehen." Ein anderer schüttelt dazu nur den Kopf.

DPA/Reuters / DPA / Reuters