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Heinz Dürr: Die "Allzweck-Waffe" gegen Krisen

Heinz Dürr war Chef von AEG, der Deutschen Bahn und selbstständiger Unternehmer im eigenen Haus, dem weltweit agierenden Unternehmen für Lackiertechnik.

Heinz Dürr war Chef von AEG, der Deutschen Bahn und selbstständiger Unternehmer im eigenen Haus, dem weltweit agierenden Unternehmen für Lackiertechnik. Dürr, der am 16. Juli 70 Jahre alt wird, ist vielen Bundesbürgern aber auch als Verhandlungsführer der Arbeitgeber in Tarifrunden der Metallindustrie bekannt geworden. 1978 handelte der in Stuttgart geborene Dürr mit seinem Kontrahenten von der IG Metall, Franz Steinkühler, in der heiß umstrittenen Frage der "Absicherung gegen Abgruppierung" einen mutigen Kompromiss aus. Der Schwabe Dürr war dabei wohl knallhart in der Sache. Mit seinem Gegner Steinkühler verband ihn aber selbst in härtesten Auseinandersetzungen eine menschliche Wellenlänge, die von beiderseitiger Achtung geprägt war.

Immer mit Humor

Dürr gehört zu den Unternehmern und Managern, die selbst in schwierigen Situationen nicht den Humor verlieren. Das Managen musste Dürr schon früh lernen. Nach dem Abitur absolvierte er eine Schlosserlehre, studierte Maschinenbau in Stuttgart, musste jedoch das Studium 1957 abbrechen, um den erkrankten technischen Leiter des Familienunternehmens zu ersetzen. Als sich 1967 der Vater aus dem Unternehmen zurückzog, war Heinz Dürr der Boss.

Immer für den Konsens

Diese Erfahrungen aus einem Metallbetrieb machten ihn zu einem kompetenten und harten Verhandlungspartner. Denn er kannte - wie die Gewerkschaft - "den Laden", wie er selbst einmal sagte. Dürr plädierte stets für Konsens und Kommunikation der unterschiedlichen Gruppen miteinander. Für ihn sind Unternehmen "gesellschaftliche Veranstaltungen", in der sich Manager, Betriebsräte und Gewerkschaften zum Wohl des Ganzen zusammenfinden und austauschen.

Harter Sanierer bei der AEG

Am 1. Februar 1980 trat Dürr an die Spitze des AEG-Konzerns, den er mit harten Sanierungskonzepten aus der Verlustzone holte. Kein leichter Job für den Schwaben, denn im August 1982 musste die AEG das Vergleichsverfahren beantragen. Ein Schritt, der weltweit Aufsehen erregte. Der Vergleichsverwalter bezifferte die Verpflichtung des Konzerns auf 6,7 Milliarden DM. Für des Vergleichsverfahren bewilligte die Bundesregierung dann 1,1 Milliarden DM. Im September 1984 überwies der Konzern 350 Millionen DM an die Gläubiger und konnte damit den Vergleich erfüllen. 1985 kaufte sich die Daimler-Benz AG bei AEG ein und besaß drei Jahre später einen Kapitalanteil von 80 Prozent. Da die AEG ein Bestandteil des Stuttgarter Daimler-Konzerns wurde, saß Dürr seit 1986 auch im Vorstand der Daimler-Benz AG.

Auch als Bahn-Chef optimistisch

Dürrs Vertrag als AEG-Chef war im Frühjahr 1989 gerade um fünf Jahre verlängert worden, als er im Oktober völlig überraschend Chef der Deutschen Bundesbahn wurde. Bundeskanzler Helmut Kohl hatte ihm das Angebot gemacht, Nachfolger von Rainer Gohlke zu werden. Wie immer ging Dürr mit unbeirrbarem Optimismus seine Aufgabe in dem chronisch defizitären Staatsbetrieb an. Landauf, landab verkündete er vor Regierungsmitgliedern und Gewerkschaften sein Credo: "Wir müssen die Bahn zu einem Wirtschaftsbetrieb machen."

Integration der Reichsbahn klappte

Dürr, auch "Allzweck-Waffe" gegen Krisen tituliert, integrierte die DDR-eigene Deutsche Reichsbahn. Erst als der Manager mit Rücktritt drohte, leitete die Bundesregierung eine umfassende Reform und die Umwandlung der Bahn in eine Aktiengesellschaft ein. Ohne Zweifel, Dürr hatte die Bahn auf die wirtschaftliche Schiene gesetzt. Im Februar 1999 trat er dann dennoch "wegen unterschiedlicher Auffassung" zwischen ihm und dem Bahneigner Bund als Aufsichtsratsvorsitzender zurück.

Arbeitet immer noch

Heute lebt der Vater von drei Töchtern und Aufsichtsratschef der Dürr AG in Stuttgart und Berlin. Der Skiläufer und Billardspieler, der seine schwäbische Heimat auch beim Reden mit Stolz vertritt, ist mit seiner Frau Heide oft in Theatern und bei Vernissagen zu sehen. "Aber das Schaffe", wie Dürr zu sagen pflegt, kann er auch mit 70 nicht lassen.