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Hintergrund: Wer ist Wer in der VW-Schmiergeldaffäre

Worum geht es in der Affäre um den Volkswagen-Konzern? Wer wird beschuldigt, wer ermittelt gegen wen? stern.de verschafft einen Überblick.

Der Volkswagen-Konzern

Der Volkswagen-Konzern ist der größte Automobilhersteller Europas. Zu ihm gehören VW, Audi, Seat und Skoda sowie die Luxus-Marken Lamborghini, Bentley und Bugatti. Der Konzern machte 2004 einen Umsatz von 88,9 Milliarden Euro.

Die Marke Volkswagen schrieb im Jahr 2004 rote Zahlen, da das neue Spitzenmodell Golf V Absatzprobleme hatte. Der Vorstandsvorsitzende Pischetsrieder kündigte deswegen an, bis 2008 könnten bei VW Einsparungen von bis zu 4 Milliarden Euro notwendig sein.

Wer wird beschuldigt?

Beschuldigt werden Helmuth Schuster, ehemaliger Manager der VW-Tochter Skoda, sein Mitarbeiter Klaus-Joachim G. und Klaus Volkert, zurückgetretener VW-Gesamtbetriebsratschef, sowie der Betriebsrat. Auch VW-Personalchef Peter Hartz ist in die Kritik geraten.

Was wird ihnen vorgeworfen?

Helmuth Schuster, Klaus-Joachim G. und Klaus Volkert wird vorgeworfen, gemeinsam ein Netz von "Tarnfirmen" aufgebaut zu haben. Mit Hilfe dieser Firmen sollen Aufträge von VW erschlichen und VW-Gelder auf Firmen- und Privatkonten umgeleitet worden sein. Zudem soll Schuster für das Versprechen, dort eine VW-Fabrik zu bauen, drei Millionen Euro von einer indischen Provinzregierung angenommen haben. Der Betriebsrat soll durch "Lustreisen" in Firmenjets und "Luxus-Prostituierte" bei strittigen Entscheidungen auf Linie des Konzern-Vorstands gebracht worden sein. In diesem Zusammenhang ist auch VW-Personalchef Peter Hartz ist in die Kritik geraten. Er soll dem Betriebsrat Geld zur Verfügung gestellt haben, dessen Verwendung auf Hartz' Anweisung hin nicht kontrolliert wurde.

Wer erhebt die Vorwürfe?

Der VW-Konzern hat bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig Helmuth Schuster und Klaus-Joachim G. angezeigt.

Wer untersucht die Vorwürfe?

Neben der Staatsanwaltschaft Braunschweig beschäftigt sich die VW-Revisionsabteilung mit der Überprüfung der Vorwürfe. Zusätzlich hat Volkswagen die Wirtschaftsprüfungsfirma KPMG mit einer unabhängigen Untersuchung beauftragt. Offenbar war Helmuth Schuster im Auftrag von VW durch Privatdetektive obvserviert worden.

Welche Auswirkungen hat die Affäre bisher?

Der VW-Konzern, der im vergangenen Jahr in die roten Zahlen rutschte, wurde geschädigt.

VW-Aufsichtsratsvorsitzender Pischetsrieder soll die VW-Expansion in Indien gestoppt haben, bis die Schmiergeldvorwürfe um den Bau der indischen VW-Fabrik aufgeklärt sind.

Auch der Rücktritt von Klaus Volkert als Gesamtbetriebsratsvorsitzendem soll mit der Affäre zusammenhängen.

Die Position der VW-Mitarbeiter gegenüber dem Konzernvorstand wurde nicht ausreichend durch den Betriebsrat vertreten. Es könnte zu schlechteren Lohnabschlüssen und Arbeitsbedingungen gekommen sein.

Der Aufsichtsrat hat das Rücktrittsangebot von Personalschef Peter Hartz angenommen.