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Forderungen des IWF: Rat für Deutschland: Mehr Gehalt, weniger Steuern - aber auch später in Rente gehen

Der Internationale Währungsfonds gibt Ländern regelmäßig Tipps, wie sie ihre Wirtschaft ankurbeln können. Deutschland macht seine Sache zwar insgesamt ganz gut - dennoch haben die Experten eine ganze Liste an Verbesserungsmöglichkeiten mitgebracht.

IWF hat Ratschläge für Deutschland

Den Ruhestand genießen: Geht es nach dem IWF sollten die Deutschen deutlich später in Rente gehen.

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Deutschlands geht es alles andere als schlecht, soweit die gute Nachricht. Dennoch sind die Kritikpunkte, die der  (IWF) am Montag vorgebracht hat, kein reines First-World-Problem. Denn so gut, wie es derzeit läuft, wird es nicht weitergehen - wenn nicht gegengesteuert wird.

So müsse dringend am Kita-Ausbau gearbeitet werden, fordern die Experten. Denn auch die fehlenden Kita-Plätze seien dafür verantwortlich, dass Frauen in Teilzeit festhingen. Der Rat des IWF: Ausbau der Kindergärten und Ganztagsschulen. Dann könnten auch mehr Frauen wieder in Vollzeit arbeiten. Gerade im Zusammenhang mit dem drohenden eine wichtige Entwicklung.

Mitarbeiter fehlen auf dem Bau und in der Pflege

Laut den Experten aus Washington müsse in der Baubranche, im IT-Bereich und in der Pflege damit gerechnet werden, dass Personal fehle. Schon 2020 sinke aufgrund der demografischen Entwicklung voraussichtlich die Zahl der Arbeitskräfte, dabei sei die Zuwanderung schon eingerechnet. Bei der Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt bescheinigt der IWF "gute Fortschritte". Dennoch: Die IWF-Experten raten der Bundesregierung dringend an der Brutto-Netto-Kluft zu arbeiten. Die hohe Belastung der Löhne würde wenig Anreize bieten, zu arbeiten.

Der deutsche Leistungsbilanzüberschuss gefällt den Experten erwartungsgemäß nicht. Sie empfehlen, dass höhere Löhne gezahlen werden sollten - auch wenn diese Maßnahme nur einen begrenzten Einfluss hat. Dennoch: Der Außenhandelsüberschuss des Exportweltmeisters müsse gedrosselt werden. Das Wachstum auf Kosten anderer Volkswirtschaften wird immer wieder zum Anlass von Kritik, zuletzt auch von US-Präsident Donald Trump sowie von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron.

IWF: Angst vor Altersarmut bremst Konsum

Auch die explodierenden Mieten in Großstädten thematisieren die Experten. Mit Sorge beobachten sie die Entwicklung und fordern die auf, den Wohnungsbau in Großstädten anzukurbeln, etwa durch Lockerungen in den Bebauungsplänen sowie Steuererleichterungen für Bauprojekte.

Bei der hat der IWF seine ganz eigenen Vorstellung. Das deutsche Rentensystem müsse transparenter werden. Schon zu Beginn des Erwerbslebens müsse klar sein, wie viel Rente jeder bekommt. So würden die Haushalte weniger sparen und mehr Geld für den Konsum ausgeben, hoffen die Ökonomen.

Dass in Deutschland die Rentenkasse ein prozentuales System ist, dass auf der Grundlage des Brutto-Einkommens berechnet wird, scheint den IWF-Experten entfallen zu sein. Kaum ein frisch gebackener Uni-Absolvent kann einschätzen, mit wie viel Gehalt er in den kommenden Jahren zu rechnen hat. zudem ist der Anteil der Deutschen, die systematisch Geld fürs Alter zurücklegen, gar nicht so hoch. Eine aktuelle Studie belegt, dass 42 Prozent der Befragten nichts oder weniger als 50 Euro pro Monat für die Rente sparen. Besser, als die eh schon mauen Sparbemühungen der Deutschen abzuwürgen, wäre eine bessere Aufklärung - und ein Modell wie in Dänemark, das errechnet, wie viel staatliche, betriebliche und private Rente eigentlich einbringen werden. 

IWF empfiehlt: Länger arbeiten

Der IWF empfiehlt, dass die Menschen in Deutschland länger arbeiten sollen, um der Altersarmut vorzubeugen. Außerdem könnten ältere Mitarbeiter so helfen, den Fachkräftemangel abzufedern. Tatsächlich gehen die Menschen nicht unbedingt mit dem gesetzlichen Rentenalter in den Ruhestand, sondern schon deutlich früher. "Wir wünschen uns, dass die Deutschen länger arbeiten", sagt Julie Kozack, die Leiterin der Delegation. "Das bedeutet aber nicht notwendigerweise, dass das gesetzliche Renteneintrittsalter steigen muss."

kg mit Agenturen