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KÄFIGHALTUNG: Geflügelwirtschaft in Panik

Der Bundesrat beschloss ein Ende der Käfighaltung bis 2007, jetzt sieht der Züchterverband deshalb den Verlust von bis zu 9.000 Arbeitsplätzen kommen.

Die deutsche Geflügelwirtschaft sieht nach dem Verbot der Käfighaltung für Legehennen harte Zeiten auf sich zukommen. Nach Ansicht des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) in Bonn werden die Verbraucher nicht mehr Eier aus alternativen Haltungsformen kaufen. »Stattdessen werden dann verstärkt billige Käfigeier aus dem Ausland nach Deutschland eingeführt«, erwartet Verbandssprecher Thomas Janning.

Tierschützer sehen's gelassener

Die 9.000 Arbeitsplätze in der deutschen Geflügelwirtschaft sind dadurch gefährdet. Dagegen erklärten Tierschützer, durch Aufklärung ist der Verkauf deutscher Eier aus alternativer Haltung durchaus zu steigern.

Deutschland strenger als Rest-EU

Der Bundesrat hatte am 19. Oktober einer Verordnung zugestimmt, die in Deutschland die Haltung von Legehennen in den herkömmlichen Käfigbatterien ab 2007 verbietet. Geräumige Käfige für mehrere Hennen mit Sitzstangen, Legenest und Scharrbereich, die so genannten ausgestalteten Käfige, sind demnach noch bis Ende 2011 erlaubt. Dann ist die Boden- oder Freilandhaltung Vorschrift. In den anderen Staaten der EU sind die Käfigbatterien dagegen noch bis 2012 und die ausgestalteten Käfige unbefristet erlaubt.

Konkurrenz aus Osteuropa befürchtet

Der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft fürchtet daher nicht nur die Konkurrenz Osteuropas, sondern auch der anderen EU-Länder. Dort wird noch intensiv in die herkömmliche Käfighaltung investiert, sagte Sprecher Janning. Dass die anderen europäischen Länder sich freiwillig den deutschen Standards anschließen könnten, bezeichnete er als Utopie. Janning geht davon aus, dass der Marktanteil der Eier aus deutscher Produktion in den nächsten Jahren von heute 70 Prozent um die Hälfte auf 35 Prozent sinken wird. Er forderte, längere Fristen zuzulassen und die Haltung von Hennen in ausgestalteten Käfigen auch in Deutschland zu erlauben.

Größter Betrieb denkt über Umzug nach

Die Firma »Deutsche Frühstücksei«, der größte Hennenhalter Deutschlands, hat bereits angekündigt, ihre Produktion ins europäische Ausland zu verlagern. Die neue Verordnung zwingt ihn dazu, sagte Firmenchef Gerd Stuke im niedersächsischen Neuenkirchen. Möglicherweise wird er in fünf Jahren die Produktion in Deutschland ganz einstellen. Dann würden allein bei der »Deutschen Frühstücksei« etwa 500 Menschen in Westniedersachsen ihren Arbeitsplatz verlieren.

Zahlen die Kunden mehr für Bio-Eier?

Heidrun Betz vom Deutschen Tierschutzbund dagegen teilt die Befürchtungen der Eierproduzenten nicht. Fast 90 Prozent der Deutschen sind Umfragen zufolge für den Ausstieg aus der Käfighaltung. Außerdem verwies Betz auf das Beispiel der Schweiz. Dort ist die Käfighaltung von Hühnern schon seit 1992 verboten. Trotzdem hatten die einheimischen Eier-Produzenten ihre Marktstellung ausgebaut.

Modell Schweiz greift nicht

Verbandssprecher Janning bestritt dagegen, dass das Schweizer Modell auf Deutschland zu übertragen ist. Denn die Schweiz hat, anders als Deutschland, einen kleinen, abgeschotteten Binnenmarkt. Außerdem wurde der Eierpreis vom Schweizer Staat subventioniert.

Käfig-Eier nehmen ab

In Deutschland stammt jedes dritte verkaufte Ei von Hennen aus der Boden- oder Freilandhaltung, davon ein Großteil aus dem Import. Nach den Zahlen der Zentralen Markt- und Preisberichtstelle für Erzeugnisse der Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft (ZMP) hat sich der Anteil der Hühner in Deutschland, die nicht in Käfig-Batterien gehalten werden, in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdoppelt. Im Jahr 2000 lag er bei 13,5 Prozent. Insgesamt legen nach den Zahlen der ZMP die 50 Millionen Hennen in Deutschland jedes Jahr 14,5 Milliarden Eier. Verbraucht werden in Deutschland mehr als 18 Milliarden Eier, das sind 223 pro Kopf. In der EU sind es 212 Eier pro Kopf.

Das letzte Wort zur Hennenhaltung ist vielleicht noch gar nicht gesprochen: Die Bundesregierung soll dem Bundesrat alle zwei Jahre über die Auswirkungen der Verordnung berichten. Danach könnte es durchaus noch zu Änderungen kommen, sagte ein Sprecher des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums.

Holger Arning