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Kursverfall an den Aktienmärkten: Asiens Börsen setzen Sinkflug fort

Die Angst vor einer Rezzession regiert weiter die Märkte: An den Börsen in Asien sind die Kurse erneut kräftig abgerutscht. Nervös blicken die Anleger jetzt auf den Dax.

Allen Bemühungen der Politik zum Trotz hat sich die Talfahrt der Börsen in Asien in Folge der Schuldenkrise in den USA und Europa fortgesetzt. Der deutsche Aktienmarkt stemmte sich dagegen gegen den Trend und drehte nach anfänglichen leichten Verlusten ins Plus. Der Leitindex Dax verzeichnete kurz nach Handelsauftakt ein Plus von 0,74 Prozent gegenüber dem Vortag. Am Montag hatte das wichtigste deutsche Börsenbarometer noch 5 Prozent eingebüßt und bei 5923 Punkten geschlossen.

Nach den Kursstürzen der Wall Street am Montag gab es an den Aktienmärkten im Asien-Pazifik-Raum gleich nach Handelsbeginn neue Verluste. In Tokio notierte der Nikkei-Index zur Handelsmitte ein Minus von 4,43 Prozent. Auch in China und Hongkong rutschten die Börsen weiter kräftig ins Minus.

Kurz zuvor hatten bereits die Börsen in Neuseeland und Australien eine weitere Talfahrt erlebt. In Wellington sank der Index NZX 50 gleich nach Handelsbeginn um 3 Prozent An der Börse in Sydney fiel der ASX 200 um 3,6 Prozent auf das neue Tief von unter 4000 Punkten - zum ersten Mal seit zwei Jahren. Zu Mittag lagen die Verluste schon bei 5 Prozent, berichtete der Sender ABC auf seiner Website. In Seoul lag das Minus an der Börse am Morgen gleich bei 6 Prozent, wie der BBC berichtete.

Mutmachrede Obamas verpufft

Der Dow Jones Industrial hatte am Montagabend über 600 Punkte verloren und war unter 11.000 Punkten aus dem Handel gegangen - dem tiefsten Schlussstand seit dem 4. Oktober 2010. Der breit gefasste S&P 500 brach um 6,66 Prozent ein und auch die Nasdaq-Indizes zeigten sich nach ihren insgesamt sieben- und achtprozentigen Verlusten in der Vorwoche erneut extrem schwach. Im Sog der drastischen Kursverluste in New York und Tokio wird der Dax am Dienstag nach Einschätzung von Börsianern mit erneuten kräftigen Abschlägen in den Tag starten.

Am Montagabend hatte US-Präsident Barack Obama versucht, mit einer demonstrativ optimistischen Rede die Lage zu beruhigen. Die Probleme der USA seien "lösbar", sagte Obama. "Egal, was eine Ratingagentur meint, wir waren immer und werden immer ein AAA-Land sein." Es gebe eine ganze Reihe von Ideen, wie die Krise gelöst werden könne.

"Dass die Abstufung so schnell kommt, hat geschockt"

Die neuerliche extreme Nervosität an den Börsen weltweit hatte die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) am Freitag ausgelöst, als sie nach Börsenschluss bekanntgegeben hatte, dass sie die Kreditwürdigkeit der USA herabgestuft habe. Das hatte am Wochenende die Sorge vor einem Börsen-Crash am Montag genährt. Dagegen hatten sich aber Politik und Europäische Zentralbank mit ihrem Krisenmanagement stemmen wollen. Neben der EZB hatten auch die Finanzminister der G7 versucht, den Kursstürzen entgegenzusteuern.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte am Sonntagabend signalisiert, dass sie nun auch Staatsanleihen der großen Euroländer Italien und Spanien kaufen wolle. Daraufhin purzelten am Montag die Renditen zehnjähriger italienischer und spanischer Anleihen kräftig: Die Refinanzierung wird somit für Rom und Madrid wieder günstiger.

"Eine Abstufung durch S&P ist zwar erwartet worden, aber dass es so schnell kommt, hat geschockt", sagte ein Aktienexperte in London. Und der Chef-Investmentstratege von Fifth Third Asset Management in Cincinnati erläuterte: "Zwar gibt es derzeit billige Aktien am Markt, aber die Emotionen kochen augenblicklich hoch. Es gibt genug Unsicherheiten und die Anleger wollen daher so wenig Risiken wie möglich."

mad/DPA/Reuters/AFP / DPA / Reuters