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Luftverkehr: Lufthansa legt wegen Krieg weitere Jets still

Die Lufthansa will wegen der verschärften Krise nach Ausbruch des Irak-Kriegs ihre Kosten noch weiter kappen, es soll aber keine Entlassungen geben. Dafür gab es 2002 wieder Gewinn.

Vorstandschef Jürgen Weber kündigte am Donnerstag in München die Stilllegung weiterer Maschinen über die bereits am Boden stehenden 46 Jets hinaus an. Entlassungen soll es nicht geben. Nach der Rückkehr in die schwarzen Zahlen 2002 mit 717 Millionen Euro Gewinn unter dem Strich stellt sich Europas zweitgrößte Airline für 2003 auf ein schwächeres Ergebnis ein. "Ein Ende der Krise ist nicht abzusehen, und sie wird weiter verlängert durch den Irak-Krieg", sagte Weber.

Flüge in Nahen Osten gestrichen

Die Lufthansa streicht wegen des Irak-Kriegs mehrere Flüge in den Nahen Osten. Donnerstag und Freitag fallen nach Angaben eines Lufthansa-Sprechers in Frankfurt sechs Verbindungen nach Israel und in arabische Staaten aus. Abgesagt sind drei Flüge aus Frankfurt und München nach Tel Aviv, je ein Flug nach Beirut/Libanon, nach Amman/Jordanien und nach Kuwait über Dammam/Saudi Arabien. Mit größeren Verspätungen auf den Strecken nach Asien rechnet die Lufthansa nicht. Die Flüge würden über nördliche Routen außerhalb der gefährdeten Zonen geführt, hieß es.

Höhere Kerosinpreise befürchtet

Als Risikofaktoren hat der Vorstand neben der schwachen Konjunktur einen möglichen weiteren Anstieg der Kerosinpreise im Blick. Trotz Absicherung von rund 60 Prozent des Jahresbedarfs über vereinbarte Preise sei mit Spuren im Ergebnis zu rechnen, sagte Finanzvorstand Karl-Ludwig Kley. Nicht auszuschließen sei zudem, dass wie nach den Terroranschlägen in den USA die Flugzeugversicherungen wieder in Frage gestellt werden könnten.

Es gibt wieder eine Dividende

Das Krisenmanagement nach den Einbrüchen in Folge des 11. September 2001 habe sich bewährt und werde fortgesetzt, kündigte Weber an. Dank drastischer Kürzungen der Investitionen und Kapazitäten kam der Konzern im vergangenen Jahr trotz gesunkener Passagierzahlen wieder in die Gewinnzone. Im Krisenjahr 2001 waren noch 633 Millionen Euro Verlust verzeichnet worden. Die Aktionäre sollen nun nach dem Verzicht im Vorjahr wieder eine Dividende von 0,60 Euro je Aktie erhalten.

46 Jets bleiben liegen

Das Geschäft der ersten drei Monate dieses Jahres lasse bereits erkennen, dass das Ergebnis 2002 nicht wieder zu erreichen sei, sagte Finanzvorstand Kley. Im Januar und Februar stieg die Zahl der Passagiere zwar um 10,5 Prozent auf insgesamt 6,7 Millionen und erreichte damit fast das Niveau von 2001. Die Auslastung sank aber um 1,2 Punkte auf 69,9 Prozent. Der Vorstand hat daher bereits 46 Jets der eigenen Flotte und bei Partnern vorübergehend stillgelegt und einen Einstellungsstopp verhängt. Alle Konzernfelder sollen 2003 zusätzlich mindestens 90 Millionen Euro sparen.

Keine Entlassungen geplant

Ziel sei, auch diese Krise ohne Entlassungen zu überstehen, sagten Weber und der künftige Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber. Die Ende Februar mit der Gewerkschaft ver.di geschlossene Tarifvereinbarung für das Boden- und Kabinenpersonal schaffe einen flexiblen Puffer. Sie sehe vor, dass sich etwa bei einer Verringerung von Kapazitäten mit Arbeistzeitverkürzungen rasch Geld sparen lasse.

Weitere Investitionen in Frankfurt und München

Mayrhuber, der Weber bei der Hauptversammlung im Juni an der Konzernspitze ablöst, kündigte Investitionen von 30 Millionen Euro an den Drehkreuzen Frankfurt und München an. Dort sollen bis Sommer 2004 Terminals und Wartezonen für First-Class-Passagiere der entstehen.