MÄRKTE Europäische Börsen im Blick


An den europäischen Börsenplätzen gab es heute ausnahmslos Kursrutsche zu verzeichnen. Besonders die Telekomwerte waren nach der Motorola-Warnung belastet.

Die europäischen Aktienmärkte haben am Freitag bis zum Mittag ausnahmslos Kursverluste verbucht. Vor allem Telekomtitel rutschten kräftig ins Minus und markierten teilweise neue Allzeittiefs. Im Sog der gesenkten Umsatzerwartung des US-Telekomausrüsters Motorola für das dritte Quartal rutschten auch einige europäische Telekomausrüster-Werte ins Minus. Von einigen Händlern wurde die Stimmung an den Börsen als »panisch« bezeichnet.

Am Donnerstag hatten die US-Börsen auf breiter Front schwächer geschlossen. Die technologielastige Nasdaq war mit einem Minus von 3,03 Prozent auf 1.705,64 Zählern aus dem Handel gegangen. Der Dow-Jones-Index hatte die Sitzung 1,92 Prozent tiefer auf 9.840,49 Punkten beendet.

Die US-Futures deuteten gegen Mittag (MESZ) auf einen behaupteten bis freundlichen Handelsbeginn in New York hin. Der Nasdaq-100-Future lag 13 Punkte im Plus auf 1375 Punkten. Der S&P-Future wurde mit 1.104 Zählern einen Zähler höher gehandelt.

Der Stoxx-50-Index für die größten Unternehmen aus der EU und der Schweiz notierte 1,33 Prozent tiefer auf 3.456 Punkten. Der Euro-Stoxx-50-Index für die Blue Chips aus der Europäischen Währungsunion (EWU) lag mit 3.498 Punkten 1,47 Prozent im Minus.

London: Vodafone im Minus

Die Londoner Börse verbuchte Kursabgaben. Der FTSE-Index lag mit 1,28 Prozent im Minus bei 5137,7 Zählern. »Manche Aktien werden einfach verkauft, obwohl es keine wirklich neuen Nachrichten gibt«, sagte ein Händler. Nach den kräftigen Kursverlusten der Vortage legten die Aktien des Telekomausrüsters Marconi gegen den Tend zu. Sie verteuerten sich um 13,79 Prozent auf 32,94 Pence. Vodafone-Aktien gaben dagegen wie andere europäische Sektorwerte um 1,27 Prozent auf 135,81 Pence ab. Am Vortag hatte das Unternehmen mitgeteilt, dass seine UMTS-Mobilfunknetze möglicherweise nur ein Sechstel der ursprünglich angestrebten Geschwindigkeit erreichen könnten.

Zürich: Swiss Re im Minus

Der Abwärtstrend an der Schweizer Börse hat sich auch am Freitag fortgesetzt. Der SMI-Index lag mit 6336,9 Punkten 0,91 Prozent im Minus. »Dabei ist die Stimmung nicht nur einfach schlecht, es wird allmählich panisch«, sagte ein Händler. Die Papiere des Schweizer Rückversicherers Swiss Re verbilligten sich um 3,46 Prozent auf 153,50 Schweizer Franken (sfr). Zuvor hatte das Unternehmen für das erste Halbjahr einen Rückgang beim Reingewinn bekannt gegeben. Zurich-Aktien legten gegen den Trend um 2,59 Prozent auf 436 sfr zu. »Bei Zurich wird immer noch gerätselt: Verkauft Zurich Scudder an die Deutsche Bank oder nicht«, sagte ein Händler.

Paris: France Telecom im Fokus

Die Pariser Börse hat am Freitag schwächer tendiert. Der CAC-40-Index sank um 0,65 Prozent auf 4.449,97 Zähler. Im Mittelpunkt standen unter anderem die Aktien von France Telecom, die zwischenzeitlich unter ihren Ausgabekurs von 27,70 Euro auf einem neuen Allzeittief bei 27,27 Euro lagen. Gegen Mittag tendierten die Aktien mit 0,14 Prozent im Minus. Die Aktien des größten europäischen Chipherstellers STMicroelectronics verteuerten sich dagegen um 3,04 Prozent auf 29,16 Euro. Das Unternehmen hatte zuvor eine Erholung des Halbleitermarktes im vierten Quartal prognostiziert.

Mailand: Unicredito schwächer

Der Mib30-Index der Mailänder Börse fiel um 0,95 Prozent auf 31.880 Punkte. Auch in Mailand verzeichneten vor allem Telekomwerte Kursverluste. Daneben gaben auch die Papiere von Unicredito um 3,27 Prozent auf 3,87 Euro nach. Händlern zufolge wirkten sich immer noch Gerüchte über eine mögliche Fusion mit der deutschen Commerzbank aus. Die Papiere der Bank Bipop fielen um 1,17 Prozent auf 2,87 Euro, nachdem das Unternehmen seine Umsatzprognose für eine Tochter reduziert hatte.

Madrid: Belastet von Telefonica

Der Ibex-Index der Madrider Börse ist zwischenzeitlich mit 7.769 Punkten auf ein neues Drei-Jahres-Tief gefallen und lag gegen Mittag mit 7.786,2 Zählern 1,48 Prozent im Minus. »Wir haben ein Level nach dem anderen unterschritten. Der Markt ist so verunsichert über die Wirtschaft. Es ist schwierig auf eine anhaltende Unterstützung zu vertrauen«, sagte ein Händler. Belastet wurde der Aktienmarkt von den Kursabgaben der Telefonica-Aktien. Die Papiere fielen zwischenzeitlich zum ersten Mal mit 10,99 Euro unter die Marke von elf Euro. Im Verlauf lagen Telefonica-Aktien 2,26 Prozent im Minus auf 11,23 Euro. Die Titel der Internet-Tochter Terra Lycos zeigten sich dagegen mit 7,02 Euro, ein Plus von 0,06 Prozent, gut behauptet.

Amsterdam: Im Trend schwächer

Wie die anderen europäischen Nachbarbörsen hat die Amsterdamer Börse im Minus tendiert. Der AEX-Index fiel um 1,36 Prozent auf 493,51 Punkte. Zu den größten Kursverlierern zählten die Aktien des Einzelhändlers Unilever. Sie gaben 1,11 Prozent auf 66,95 Euro ab. Gegen den Trend konnten sich die Papiere von Wolters Kluwer stemmen. Sie legten um 2,18 Prozent auf 23,42 Euro zu.

Wien: Wienerberger weiter im Fokus

Der ATX-Index der Wiener Börse gab 0,37 Prozent auf 1190,24 Zähler nach. »Ich glaube, dass wir heute die Unterstützung (von 1.185 Punkten) testen, aber sie müsste halten«, sagte ein Händler. Weiterhin im Fokus standen die Aktien des weltgrößten Ziegelherstellers Wienerberger. Mit 15,80 Euro notierten sie zwischenzeitlich nur knapp über dem Allzeittief von September 1992. Im Verlauf tendierten die Papiere aber mit plus 0,06 Prozent gut behauptet auf 16,06 Euro. Am Vortag hatten Wienerberger-Aktien kräftige Kursabgaben nach der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen verbucht. Zugleich hatten Händler das Unternehmen als »grundsolide« bezeichnet.

Brüssel: Von Fortis und Electrabel belastet

Der Aktienmarkt in Brüssel hat schwächer tendiert. Der Bel20-Index sank um 1,81 Prozent auf 2802,24 Punkte. »Wir folgen nur den europäischen Märkten«, sagte ein Händler. Die Aktien des Indexschwergewichtes Fortis gaben 1,54 Prozent ab auf 28,68 Euro. Ein Händler begründete den Kursverfall mit den schlechten Halbjahresergebnis des Schweizer Konkurrenzunternehmens Swiss Re. Die Papiere des Versorgers Electrabel fielen um 3,17 Prozent auf 238,50 Euro, nachdem das Unternehmen am Vortag einen Gewinnrückgang trotz eines Umsatzzuwachses im Halbjahr bekannt gegeben hatte.

Stockholm: Nokia im Minus

Der OMX-Index an der Stockholmer Börse notierte gegen Mittag mit 743,27 Punkten 0,91 Prozent schwächer. Nokia-Aktien verbilligten sich dagegen um eine Schwedische Krone (skr) auf 137 skr. Belastet wurden die Papiere von der Ankündigung des US-Telekomausrüsters Motorola, der am Vortag seine Umsatzprognose für das dritte Quartal reduziert hatte, sagten Händler. Die Aktien des Indexschwergewichts Ericsson legten gegen den Trend um 0,30 skr auf 41,60 skr zu.


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