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Manfred Wennemer: Kontrollierter Mathematiker ohne jede Eitelkeit

Wohl kaum ein Vorstand eines DAX-Unternehmens ist mit so wenig Eitelkeiten ausgestattet wie Manfred Wennemer: Er verzichtet auf Chauffeur und Dienstwagen.

Wohl kaum ein Vorstand eines DAX-Unternehmens ist mit so wenig Eitelkeiten ausgestattet wie Manfred Wennemer: Der Vorstandsvorsitzende der Continental AG verzichtet auf einen eigenen Chauffeur und eigenen Dienstwagen. Fährt er zu geschäftlichen Terminen, sitzt er immer wieder in dem VW Passat aus dem Firmenpool selbst hinterm Steuer. Am liebsten schreibt er mit einem Plastik- Kugelschreiber, den sein Unternehmen als Werbegeschenk verteilt. Und sein Handy, so scherzt mancher Mitarbeiter, gehört schon ins Technikmuseum. Der 55-jährige Wennemer steht fürs Sparen - durch und durch.

Unaufhaltsamer Aufstieg

1973 legt der in Ottmarsbocholt im Münsterland geborene Wennemer an der Universität Münster sein Mathematik-Diplom ab und steigt kurze Zeit später als Projektleiter im EDV-Bereich bei Procter & Gamble in Schwalbach ein. 1977 macht er seinen Master of Business Administration (MBA) in Frankreich. 1984 zieht es ihn als Managing Director von Freudenberg Nonwovens South Africa nach Kapstadt. Nach mehreren Zwischenstopps kommt er 1994 als Vorstandsvorsitzender zum Autozulieferer Benecke-Kaliko in Hannover, der kurze Zeit später von Conti zu 100 Prozent übernommen wird. Vier Jahre später zieht Wennemer in den Continental-Vorstand ein und verantwortet dort zunächst die Tochter ContiTech.

Sparfuchs und Kostenkiller

Auf dieser Position macht Wennemer schnell als Sparfuchs, Kostenkiller und Ergebnisbringer von sich Reden. Er trimmt ContiTech konsequent auf Rendite. Als sein Vorgänger als Vorstandschef von Conti, Stephan Kessel, über den geplanten und vom Betriebsrat scharf kritisierten Verkauf von ContiTech stolpert, wird er am 11. September 2001 - am Tag der Terroranschläge in den USA - zum neuen Vorstandsvorsitzenden berufen.

Von der Belegschaft respektiert

Schon am Tag nach seinem Amtsantritt steht die neue Richtung fest: Der ContiTech-Verkauf wird gestoppt und die Schulden von damals 2,2 Milliarden Euro werden massiv gedrückt, an allen Ecken und Kanten wird gespart. Und das lebt Wennemer seitdem vor und erntet damit großen Respekt bei vielen seiner 65.000 Beschäftigten: Selbst der Wiedereinzug in den DAX wird nicht groß gefeiert, Wennemer saß am Dienstagabend zu Haus auf dem Sofa. «Und fürs Feiern war es da schon zu spät», sagte er am Mittwoch.