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Opel: GM will Deutschen als Europa-Chef

GM hat offenbar das Gefühl, sich in Berlin einschmeicheln zu müssen. Deshalb soll erneut ein Deutscher das Europageschäft leiten. Schließlich hoffen die Amerikaner auf deutsche Staatshilfe bei der Opel-Sanierung. Der Betriebsrat von GM Europe warnt derweil vor einem "Krieg".

Die Opel-Mutter General Motors (GM) sucht als neuen Chef ihres Europageschäfts entgegen anders lautender Meldungen bevorzugt einen deutschen Manager. Entsprechende Informationen des "Wall Street Journals" wurden der Deutschen Presse-Agentur (DPA) am Samstag aus Konzernkreisen bestätigt. Der als Opel-Aufsichtsratschef vorgesehene GM-Veteran Bob Lutz solle sich wieder zurückziehen, sobald ein neuer Spitzenmanager für die Europatochter gefunden worden sei, hatte das "Journal" unter Berufung auf informierte Personen berichtet. Der Einsatz eines deutschen Europachefs solle die Spannungen mit der Bundesregierung und dem Betriebsrat nach der Absage des Opel-Verkaufs an den Zulieferer Magna mildern.

Das scheint bitter nötig, denn Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) äußerte bereits die Ansicht, GM habe keinerlei Anspruch auf staatliche Hilfe für Opel. Hessens Ministerpräsident Roland Koch riet den Detroitern gar, erst gar nicht zu versuchen, Gelder zu beantragen. "Mit Interventionen in den Wirtschaftsprozess sollte sich der Staat grundsätzlich zurückhalten", sagte Brüderle der "Wirtschaftswoche". "Wie es ausgeht, wenn sich die Politik zu Wahlkampfzwecken in unternehmerische Belange einmischt, hat das Beispiel Opel ja gerade noch einmal eindrücklich vor Augen geführt." GM könne zwar wie jedes andere Unternehmen auch Hilfen aus dem Wirtschaftsfonds Deutschland beantragen, es gebe aber "kein Anrecht auf staatliche Hilfe".

Martialische Worte fand unterdessen der Betriebsrat von GM Europe, der die Politik warnte. Es müsse verhindert werden, dass GM ganz tiefe Einschnitte vornehme und ein "europäisches Blutbad mit Hilfe von Steuergeldern" organisiere, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Betriebsrats von GM Europe, Rudi Kennis, im Deutschlandfunk. Die Regierungen der Länder mit Opel-Standorten dürften sich nicht auf einen Bieterwettstreit um Werke und Arbeitsplätze einlassen, betonte der Gesamtbetriebsratschef von GM in Antwerpen: "Das wäre nicht clever. Dann kommen wir in ein Spiel, bei dem GM sich schön zurücklehnt und uns gegeneinander ausspielt, und am Ende des Tages wird es keinen Gewinner geben", sagte Kennis. Für ihn stellt sich folgende Frage: "Machen wir hier einen Krieg in Europa, bei dem es keinen Gewinner gibt - das wird nicht GM sein und auch nicht die Marke Opel - oder können wir irgendwo zueinander finden?" Ziel müsse ein freieres Opel innerhalb von GM sein.

Wennemer verlässt Opel-Treuhand

Am Freitag hatte GM den Abgang des bisherigen Europachefs Carl-Peter Forster bekanntgegeben. In mehreren deutschen Medienberichten hatte es geheißen, sein Nachfolger solle der US-Manager Nick Reilly werden, der bisher für das internationale Geschäft zuständig ist. Angesichts der anhaltenden Verärgerung in Deutschland wird nun aber eine "deutsche Lösung" für die Opel-Führung ins Gespräch gebracht. Konkrete Namen wurden bisher nicht bekannt. Forster, der laut "Focus" zum indischen Tata-Konzern gehen wird, war auch Opel-Aufsichtsratschef.

Gehen wird auch Manfred Wennemer. Er teilte am Samstag seinen Rückzug aus der Opel-Treuhand mit. Das Gremium sei zu starker politischer Einflussnahme ausgesetzt, kritisierte der ehemalige Continental-Chef, den die Bundesregierung in die Treuhand entsandt hatte. Die Opel-Treuhand hält derzeit 65 Prozent der Anteile an dem Autobauer, nur die restlichen 35 Prozent liegen bei General Motors.

GM-Chef Fritz Henderson wolle kommende Woche zusammen mit Reilly und Opel-Chef Hans Demant die Lage bei der europäischen Tochter analysieren, schrieb das "Wall Street Journal" weiter. Der alte und neue Mutterkonzern will gut 10.000 der rund 55.000 Jobs in Europa streichen. In Deutschland wird befürchtet, dass deutsche Standorte bei der Sanierung durch GM härter betroffen sein könnten als bei den Magna-Plänen. Deshalb hatten die Bundesregierung die Vergabe von Staatshilfen stets daran gebunden, dass Magna Opel kaufe.

DPA/AP/AFP/dho / AP / DPA