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Verkauf an Magna: Deutsche Treuhänder zweifeln an Opel-Deal

Nach monatelangen Verhandlungen scheint die Zukunft von Opel besiegelt. Doch ausgerechnet zwei Vertreter Deutschlands haben im Beirat der Opel-Treuhandgesellschaft einen Verkauf des Autobauers an Magna nicht mitgetragen.

Von Johannes Schneider

Mehrmals musste der Beginn der Pressekonferenz hinausgeschoben werden: "Wir sind alle überrascht. Auch die Treuhand muss sich auf den neuen Stand der Dinge einstellen", ließ Treuhand-Sprecher Carl Graf von Hohenthal die wartenden Journalisten wissen. Später ergänzte er noch, es sei "eben ein hartes Ringen". In einem Hinterzimmer wurde zeitgleich noch verhandelt. Hart verhandelt, wie sich später herausstellte.

Als General Motors-Unterhändler John Smith und Fred Irwin, Chef des Treuhandbeirats schließlich mit 45 Minuten Verspätung vor die Presse traten, war von einem Ringen freilich keine Rede mehr: Mit Dank nach allen Seiten verbreiteten sie Optimismus. General Motors (GM) sei zuversichtlich, dass die Lösung Magna-Sberbank die beste Lösung darstelle, ließ John Smith wissen, Irwin sah einen guten Kompromiss verwirklicht: "Unser Ziel war es immer, Opel und Vauxhall weiterhin als gesunde Unternehmen aufzustellen."

Keine deutschen Steuergelder sollen nach Russland fließen

Dies scheint vorerst gelungen: Von den europäischen Opelwerken steht konkret allein Antwerpen zur Disposition, zugleich ermöglicht die Mehrheitsverschiebung von GM zum Magnakonsortium auch die Aktivität auf neuen Märkten: Neben China, Kanada und Südkorea war hier vor allem immer wieder von Russland die Rede, wo sowohl Magnas Co-Financier Sberbank als auch der angedachte Opel-Kooperationspartner Gaz - ein russischer Autohersteller - beheimatet sind. Zugleich stellte Irwin klar: "Keine deutschen Steuergelder sollen nach Russland abfließen." Die aus Deutschland finanzierte Opelrettung komme allein Deutschland zugute. Das solle streng überwacht werden.

Sollte es mit dieser nicht näher erläuterten Überwachung tatsächlich klappen und Opel nicht zum Renditeobjekt russischer Interessen verkommen, wäre die Zukunft in der Tat verlockend: GM entlässt Opel in die Freiheit, bleibt mit 35 Prozent, einer Sperrminorität und einem Vorkaufsrecht an dieser Freiheit beteiligt, und bietet zugleich weiter Knowhow und Strukturen: So soll nicht nur für die ersten drei Jahre von "New Opel" die Vorstände für Verkauf und Produktentwicklung weiter von General Motors gestellt werden. "Wir haben auch sehr stark daran gearbeitet, die Verbindungen zwischen General Motors und Opel intakt zu halten", betonte John Smith. So könne Opel etwa weiter "Zugang zur fortschrittlichsten Technik" haben.

Scharfe Kritik von Beiratsmitgliedern

Dass der Entschluss des vierköpfigen Treuhandbeirats dennoch nicht einstimmig, mit einer Nein-Stimme und einer Enthaltung gar denkbar knapp, ausgefallen ist, begründete Irwin mit einem "rein kaufmännischen Dissenz". Eine Einschätzung, der Beiratsmitglied Dirk Pfeil im Anschluss vehement widersprach: "Ich hätte mich für diese Aufgabe nicht bereit gefunden, hätte ich gewusst, dass es um eine politische, keine wirtschaftliche Entscheidung geht." Dass er sich bei der Abstimmung der Stimme enthielt und somit den Weg für eine Magna-Übernahme erst frei machte, begründete Pfeil denkbar leidenschaftslos: "Ich glaube, dass ein noch längerer Crash der Sache mehr geschadet hätte als diese Lösung."

Deutlich radikaler wurde ein anderer: Ex-Conti-Chef Manfred Wennemer bekannte sich zum "Nein": "Wer zahlt bestimmt, und wir sind nicht der Meinung, dass wir den Gang der Dinge beeinflussen können", zeigte sich Wennemer höchst skeptisch, ob sich die in Magna und Sberbank gehegten Hoffnungen, auch langfristig schonend mit den deutschen Werken umzugehen, bewahrheiten würden. Zugleich meldete er radikale Zweifel am Produkt an: Die Arbeitskosten seien mit der Konzentration auf mitteleuropäische High-Cost-Werke zu hoch, das Angebot "ohne Premiumfahrzeuge und Vans" nicht konkurrenzfähig, die Marktmacht mit 1,5 Millionen produzierten Autos pro Jahr zu klein, um sich dauerhaft zu behaupten.

"Die Mitarbeiter haben diese Chance verdient."

"Ich glaube am Ende des Tages nicht, dass wir Opel in eine gute Zukunft führen." Was Wennemer nicht daran hinderte, ganz am Ende der Pressekonferenz, als die letzte Frage bereits gestellt war, noch einmal das Mikrophon zu ergreifen: "Ich hoffe, ich habe mit meinen Voraussagen Unrecht und wünsche New Opel viel Glück!" Schön wäre es. Und wie Wennemer selbst zuvor bemerkte: "Die Opel-Mitarbeiter haben diese Chance verdient."