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Mobilcom: Heiße Phase im Fusionspoker

Kann und darf Mobilcom mit der eigenen Tochter Freenet fusionieren? In den Verhandlungen verfolgt jeder seine eigenen Interessen. Die Kleinaktionäre fürchten um das Unternehmen.

Von Johannes Roehrig und Richard Rickelmann

Der Mobilfunk-Provider Mobilcom und seine börsennotierte Internet-Tochter Freenet wollen fusionieren. Dieses Vorhaben blockieren einige Aktionäre seit über einem Jahr durch eine Reihe von Klagen. Wie das Landgericht Kiel mitteilte, sind nun für diesen Donnerstag Vergleichsgespräche zwischen den beiden Konfliktparteien vorgesehen. Dabei lägen die Positionen zwischen Unternehmen und Fusionsgegnern in entscheidenden Punkten jedoch noch auseinander, zitierte das "Handelsblatt" den Sprecher der Kleinaktionärskläger Christof Hettich: "Es sieht derzeit danach aus, dass eine Einigung nicht zu Stande kommt." Doch der Streit um die Verschmelzung von Mobilcom und Freenet dreht sich in Wahrheit nicht um die Firmenfusion selbst. Dass der Zusammenschluss Sinn macht, ist unbestritten. Hinter der Blockade stecken vielmehr andere Interessen. Zum einen versucht sich der vor Jahren ausgebootete Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid für seine Entmachtung zu revanchieren: Schmid verlor im Zuge des UMTS-Flops neben seinem Einfluss auch den größten Teil seines Vermögens. Auf dem Klaggewege wollen er und seine Frau, die weiterhin Mobilcom-Aktien hält, nun den einstigen UMTS-Partner und Mobilcom-Großaktionär France Télécom zu Schadenersatz in Milliardenhöhe zwingen.

Franzosen gegen Deutsche

Dies geht aus juristischen Gründen nur, wenn dabei auch die heutige Mobilcom-Spitze um Vorstandschef Eckhard Spoerr mitspielt und sich gegen die Franzosen stellt. Bisher versuchte Spoerr alle Attacken gegen France Télécom abzublocken. Nun scheint dieser Widerstand gebrochen: Um Schmids Klage gegen die Fusion vom Tisch zu bekommen, gibt der Mobilcom-Vorstand in einem "Teilprozessvergleich" die Rückendeckung für die Franzosen auf und macht den Weg für Schadenersatzforderungen frei - "unverzüglich nach Wirksamwerden der Verschmelzung", wie es in dem Schreiben heißt, das stern.de vorliegt. Zum anderen wehrt sich eine Gruppe von Kleinaktionären um den Mannheimer Rechtsanwalt Hettich gegen eine befürchtete Ausplünderung des Unternehmens durch den US-Investor und heutigen Mobilcom-Großaktionär Texas Pacific Group (TPG). Im Falle der Fusion hält die TPG an dem neuen Konzern noch rund 18 Prozent und bleibt damit mächtigster Einzelaktionär. Zusammen mit anderen Anlegern könnte die TPG eine Sonderdividende in Milliardenhöhe beschließen, die das Unternehmen an den Rand der finanziellen Belastbarkeit führe, befürchten die Fusionsgegner.

Das Geld wird geschüttet

Tatsächlich gibt es solche Überlegungen ("Der Schatz von Büdelsdorf", stern vom 1. Juni 2006). Und auch der "Teilprozessvergleich", der nun auf dem Tisch liegt, bietet in diesem Punkt nur wenig Schutz. So wird eine "kreditfinanzierte Sonderausschüttung in den Geschäftsjahren 2006-2008" nur ausgeschlossen, "sofern dadurch zum betreffenden Zeitpunkt geplante Akquisitionsvorhaben vereitelt würden". Ansonsten darf sich das Unternehmen kräftig verschulden, um das Geld an seine Aktionäre auszukippen: mit mindestens 500 Millionen Euro. Bei Kreditzinssätzen unter zehn Prozent ist sogar eine höhere Verschuldung möglich. Daneben haben Mobilcom und Freenet zusammen gut 470 Millionen Euro in der Kasse, die ebenfalls im Zuge einer Sonderausschüttung an die Aktionäre gingen. Die Fusionsgegner drängen im Zuge der Vergleichsverhandlungen darauf, das Kassemachen auf Pump zumindest bis 2010 vertraglich ausschließen. Darauf will Mobilcom nach Informationen von stern.de nicht eingehen. Das Management könne sich nicht derart von einzelnen Aktionären unter Druck setzen lassen, sagen auch Bankanalysten. Das Unternehmen lehnte eine Stellungnahme während der laufenden Gespräche ab. Sollte die Fusion scheitern, schließt die Mobilcom-Spitze auch einen Verkauf der 50-Prozent-Tochter Freenet nicht aus.

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